BVB-Adventskalender: Fernsehgeschichte beim Torfall von Madrid

22. Dezember

Der BVB gastiert im April 1998 in der Champions League bei Real Madrid. Dann stürzt ein Tor um. Und ein Duo schreibt Fernsehgeschichte. Teil 22 unseres Adventskalenders.

Dortmund

, 22.12.2020, 10:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
„Noch nie hätte ein Tor einem Spiel so gut getan“, sagte Kommentator Marcel Reif zum Torfall von Madrid im April 1998.

„Noch nie hätte ein Tor einem Spiel so gut getan“, sagte Kommentator Marcel Reif zum Torfall von Madrid im April 1998. © imago

Vieles ist in diesem Jahr anders. Fans dürfen nicht ins Stadion, die Weihnachtsmärkte fallen größtenteils aus, doch eines sollte bleiben: Die wachsende Vorfreude aufs Fest. Damit das gelingt, haben wir uns etwas für die BVB-Fans ausgedacht. 24 kleine Geschichten im schwarzgelben Gewand. Heute: der Torfall von Madrid und ein Stück Fernsehgeschichte.

Als das Tor beim BVB-Spiel in Madrid umknickte

Es wirkt wie eine Anekdote aus alten Zeiten, dabei liegt das Ereignis noch gar nicht so unendlich lange zurück. Aber es ist extrem weit entfernt vom Fußball der heutigen Zeit. Das, was sich am 1. April 1998 zutrug, konnte eigentlich nur ein Scherz sein, war es aber nicht. Borussia Dortmund war zum Hinspiel des Halbfinals in der Champions League bei Real Madrid zu Gast. Wie damals üblich, hätte die Partie um 20.45 Uhr angepfiffen werden sollen. Doch dazu kam es nicht.

Denn zwei Minuten zuvor hatten Fans hinter einem der beiden Tore den Schutzzaun erklommen. Der hielt dem Gewicht nicht stand, knickte daraufhin in Richtung der Zuschauertribünen um und riss das daran befestigte Tor mit sich. Plötzlich wurde es hektisch, hätte man meinen können. Weit gefehlt. Zwar mit einer Seelenruhe, aber leider auch ohne Ersatztor, versuchten die Arbeiter im Stadion das Tor zu reparieren.

Marcel Reif und Günther Jauch schreiben Fernsehgeschichte

In Deutschland wurde die Partie damals von RTL übertragen. Marcel Reif kommentierte, während Günther Jauch moderierte. Und als klar war, dass es zu einer Verzögerung kommen würde, musste den Zuschauern natürlich ein Programm geboten werden. Aber Werbung während der eigentlichen Spielzeit? Der Sender war sich unsicher, was die Statuten erlauben. Also mussten Reif und Jauch sich etwas einfallen lassen. Was sie boten, wurde zu einem Stück deutscher Fernsehgeschichte.

Während Jauch im Studio anhand eines Zollstocks zu vermitteln versuchte, wie hoch das Tor genau sein müsse, amüsierte Reif im Stadion mit Aussagen wie: „Noch nie hätte ein Tor einem Spiel so gut getan.“ Sein Kollege stand ihm in nichts nach. „Für alle die, die nicht rechtzeitig eingeschaltet haben, das erste Tor ist schon gefallen!“ Wer damals vor dem Fernseher saß, fühlte sich bestens unterhalten.

BVB-Traum von der Titelverteidigung platzt gegen Real Madrid

Das belegen auch die Zahlen. Denn als die Partie mit 76 Minuten Verspätung endlich angepfiffen wurde, schalteten die Zuschauer ab. Lag die Einschaltquote zunächst bei 12,76 Millionen, waren es beim Spiel selbst nur knapp sechs Millionen. Kein Wunder, dass Reif und Jauch im Nachgang mit dem Bayerischen Fernsehpreis ausgezeichnet und 1999 für den Adolf-Grimme-Preis nominiert wurden.

Seitdem müssen übrigens in jedem Stadion Ersatztore bereitstehen. Davon hatte der BVB allerdings herzlich wenig. Die Partie ging mit 0:2 verloren und mit dem torlosen Remis im Rückspiel war der Traum von der Titelverteidigung geplatzt.

Die Geschichten für unseren Adventskalender stammen aus dem Buch „Borussia Dortmund für Klugscheißer“ von Sascha Staat, ISBN: 978-3837521665.
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