Manuel Akanji hatte glückliche und weniger gute Momente in seiner ersten kompletten BVB-Saison - inklusive bärenstarker Hinrunde, Verletzungssorgen, Formabfall. Das soll anders werden.

Dortmund

, 30.05.2019 / Lesedauer: 4 min

Es gab Wochen in der abgelaufenen Spielzeit, da hätte sich Manuel Akanji kaum glücklicher wähnen können. Zum Beispiel Ende September: Mittwochs erzielte er beim furiosen 7:0 von Borussia Dortmund gegen den 1. FC Nürnberg sein erstes Bundesliga-Tor. Elegant mit einer Finte vorbereitet und mit einem Flachschuss abgeschlossen.

Glücklich im Beruf und im Privatleben

Da tobte das Stadion, in den letzten 30 Minuten durfte der Schweizer sogar in Vertretung des ausgewechselten Marco Reus die Spielführer-Binde tragen. Stiller, intimer, dafür vermutlich noch erfüllender verlief der Tag danach: Akanji hielt um die Hand seiner Freundin Melanie Windler an, sie sagte „Ja“. Glücklich im Beruf und im Privatleben – der 23-Jährige schien alles richtig zu machen.

BVB-Abwehrchef Manuel Akanji: Noch ist er nur ziemlich komplett

Sein erstes Bundesliga-Tor bejubelte Manuel AKanji mit einer Herz-Geste in Richtung Tribüne - am nächsten Tag machte er seiner Freundin einen Heiratsantrag. © imago

Ohne Zweifel gelang Manuel Akanji, seit Januar 2018 in Diensten von Borussia Dortmund, eine eindrucksvolle Hinrunde. Mit dem auserkorenen Abwehrchef im Zentrum der Defensive spielte der BVB herausragenden Fußball, offensives Spektakel fußend auf stabiler Verteidigung.

Bemerkenswerte Abgeklärtheit für sein Alter

Akanji überragte mit starken statistischen Werten als einer der besten Zweikämpfer (59 Prozent gewonnene Duelle, Nummer 3 im Team) und einer starken Höchstgeschwindigkeit (34,2 km/h, Nummer fünf im Team), aber noch mehr mit einer für sein Alter bemerkenswerten Abgeklärtheit und Ruhe in nahezu allen Spielsituationen. Mit einer Selbstsicherheit, die unerschütterlich erschien.

BVB-Abwehrchef Manuel Akanji: Noch ist er nur ziemlich komplett

© Deltatre

Er beeindruckte mit klugem Aufbauspiel und gewagten Zuspielen in die Spitze, die in Dortmund an die beste Zeit von Mats Hummels erinnerte. Fouls leistet er sich wenige (13 in 25 Spielen). Und an Selbstvertrauen, das zeigten auch Gespräche mit ihm, mangelte es nicht bei dem 1,86 Meter großen Modellathleten. Borussia Dortmund sucht einen Wortführer? Akanji steht bereit. Und wer weiß, wie die Saison 2018/19 verlaufen wäre, wenn nicht im Herbst diese Schmerzen an der rechten Hüfte immer wiedergekehrt wären?

Ärzte halten ein Stopp-Schild unter die Nase

Erst blendete Akanji die Schmerzen aus, dann musste er pausieren. Er gab sein Comeback, neue Rückschläge folgten. „Während der Spiele“, sagte er, sei das „aushaltbar“. Eher die ersten Stunden nach den Belastungen seien das Problem. Doch weder eine optimierte Regeneration noch physiotherapeutische Behandlungen oder vorübergehende Schonung brachten die gewünschte Linderung. Im Winter dann hielten die Ärzte Akanji ein Stopp-Schild vor die Nase. So ging es nicht weiter.

Video
BVB-Abwehrchef Manuel Akanji spricht über seine Verletzung

Fachmediziner in der Schweiz und Deutschland wurden konsultiert mit der Fragestellung, was die beste Methode sei, um der Probleme Herr zu werden. Konservativ behandeln mit der Sorge, dass die Probleme wieder auftreten? Oder operieren und Gefahr laufen, lange Monate auszufallen? Akanji entschied sich für die Option Pause plus längere Reha bis zum Comeback – und rein körperlich ging diese Herangehensweise auf.

Bittere Rückschläge in Akanjis Abwesenheit

So fiel er nur knapp 70 Tage aus, von Mitte Dezember bis Ende Februar. Dass der BVB in dieser Phase aus den Pokal-Wettbewerben Rückschläge erlitt, bittere Unentschieden gegen Hoffenheim oder in Nürnberg schlucken musste – Zufall oder nicht.

Umfrage

Welche Note geben Sie Manuel Akanji für die Saison 18/19?

293 abgegebene Stimmen

Unbestritten bleibt, dass Akanji in 2019 - wie die allermeisten seiner Mannschaftskollegen - nicht an die Form der Hinrunde anknüpfen konnte. Das mag nachvollziehbar erscheinen, wenn eine vernünftige Vorbereitung fehlt und ein 23-Jähriger gewissen Leistungsschwankungen unterliegt, selbst wenn er oft der älteste Verteidiger in Borussias Bubi-Abwehr war.

Fataler Fehler in Bremen und im Nationaltrikot

Doch es war auch fatal, allen voran bei seinem Aussetzer beim Auswärtsspiel in Bremen, als er sich von Werders Ludwig Augustinsson übertölpeln ließ und dem BVB mit dem 2:2 die Titelchance aus den Händen glitt. Ein ähnlicher Patzer war ihm zuvor auch im Schweizer Trikot unterlaufen im Länderspiel gegen Dänemark. Es wäre ja auch verwunderlich gewesen, wenn Akanji gänzlich unfehlbar spielen würde. Das gelingt nur den Allerbesten.

BVB-Abwehrchef Manuel Akanji: Noch ist er nur ziemlich komplett

Am 32. Spieltag ließ sich Manuel Akanji vor dem Bremer Ausgleich zum 2:2 von Gegenspieler Ludwig Augustinsson folgenschwer abkochen. © imago

Dieses Niveau, das hat er mehrfach unterstrichen, will er erreichen. Er sei „ein ziemlich kompletter Abwehrspieler“, bestätigt BVB-Sportdirektor Michael Zorc. Die Einschränkung „ziemlich“ würde Akanji gerne streichen und nicht nur im Herbst überbordende Glücksgefühle erleben. Sondern allzu gerne auch in ungefähr einem Jahr: wenn die Titel der Saison 2019/20 vergeben werden.


Perspektive für die Saison 2019/2020:

Manuel Akanji bleibt auch nach seiner leicht schwächeren Rückrunde in der kommenden Spielzeit unumstrittener Stammspieler und Chef-Organisator der Defensive. Bekommt er die körperlichen Probleme in den Griff, dürfte er noch gefestigter und erfahrener auftreten und der Mannschaft helfen können.

Wer bedenkt, dass er erst vor zwei Jahren sein Länderspieldebüt gegeben hat und erst seit eineinhalb Jahren in der Bundesliga spielt, kommt nicht umhin, seine Entwicklung als steil ansteigende Kurve zu zeichnen. Es wäre überraschend, wenn seine Entfaltung gänzlich anders weiterginge.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt