BVB-Abwehrchef Hummels würde dem DFB-Team helfen - er darf aber nicht

dzBorussia Dortmund

Die Rufe nach Mats Hummels werden immer lauter. Der BVB-Abwehrchef würde der löchrigen Defensive des DFB-Teams Stabilität verleihen. Eine Beweisaufnahme.

Dortmund

, 15.10.2020, 18:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Drei Gegentore gegen die Schweiz, drei gegen die Türkei, einen Treffer gegen die Ukraine kassiert - und mitunter heftigst gewackelt. Keine Frage, die Defensive der Nationalmannschaft erinnerte zuletzt eher an ein in Seenot geratenes Segelboot. Doch anstatt nun einen erfahrenen Steuermann ans Ruder zu stellen, hält Bundestrainer Joachim Löw weiter eisern an seiner Devise fest: Für Mats Hummels ist die Tür zur DFB-Auswahl geschlossen.

Bundestrainer Joachim Löw und die Suche nach einem Abwehrchef

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Die früheren Nationalspieler Dietmar Hamann und Lothar Matthäus können das nicht nachvollziehen und machen sich für den Dortmunder stark. „Ab und zu habe ich das Gefühl, hinten sind sie in der Nationalmannschaft etwas hilflos, und da würde mit Sicherheit Hummels etwas Ruhe reinbringen“, sagte Sky-Experte Hamann. „Mit seiner Routine und seiner Persönlichkeit hilft er der Mannschaft“, sagte der ebenfalls bei Sky aktive Matthäus.

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Ruhe und Routine - genau diese Tugenden fehlen der deutschen Elf defensiv. Antonio Rüdiger, Matthias Ginter oder der nach langer Kreuzband-Pause zurückgekehrte Niklas Süle hinterließen alles andere als einen sattelfesten Eindruck im DFB-Trikot. Seit März 2019, als Joachim Löw nicht nur Hummels, sondern auch dessen Nebenmann Jerome Boateng ausbootete, hat die Nationalelf entgegen aller Hoffnungen keinen neuen Abwehrchef gefunden.

DFB-Team ist kilometerweit von der Weltspitze entfernt

Nationalteam-Manager Oliver Bierhoff hatte zum Verzicht auf Hummels und zum Neuaufbau-Projekt nach dem WM-Desaster 2018 gesagt: „Es ist der Auftrag zu entscheiden, was das Beste für die Mannschaft auf dem Weg zurück an die Weltspitze ist.“ Eineinhalb Jahre später muss man nüchtern festhalten: Die Nationalmannschaft ist so weit von der Weltspitze entfernt wie lange nicht.

Wäre es da nicht höchste Zeit zu handeln? „Die Besten sollen spielen“, forderte Lothar Matthäus. Und wenn das Leistungsprinzip wirklich gilt, dann kommt Joachim Löw nicht drumherum, Mats Hummels anzurufen und für ein Comeback im Adlerdress die Tür zu öffnen. Das sehen auch die Bosse des BVB so. „Die Entscheidung darüber trifft der Bundestrainer“, sagte Borussias Sportdirektor Michael Zorc am Donnerstag. Zorc fügte aber an: „Ich finde, dass Mats Hummels immer noch auf dem höchsten Level agiert, er ist der Top-Top-Abwehrspieler in Deutschland. Und er hat jederzeit die Qualität, für Deutschland zu spielen.“

Mats Hummels hat beim BVB einen exzellenten Saisonstart hingelegt

Die Leistungsdaten des 31-jährigen Abwehrchefs untermauern Zorcs Einschätzung. Hummels hat einen exzellenten Saisonstart hingelegt, er zählt laut „Kicker“ zu den 15 notenbesten Spielern der gesamten Bundesliga. Und dass der BVB in der vorherigen Spielzeit gerade in einigen defensiven Wertungen weit vorne lag, ist vorrangig eben Hummels zu verdanken: Nur gegen den FC Bayern kamen die Bundesliga-Gegner seltener zum Torschuss (313 Mal) als gegen Dortmund (351). Nur Bayern ließ weniger Torschüsse im eigenen Strafraum zu (198) als Dortmund (216). Der BVB kassierte die wenigsten Gegentore nach Kontern (3), stellte das drittbeste Team im Defensivzweikampf. Kein anderer deutscher Verteidiger agiert so konstant auf diesem hohen Level wie Hummels.

BVB-Abwehrchef Hummels würde dem DFB-Team helfen - er darf aber nicht

© Deltare

Dazu kommt: Der Nationalelf fehlt ein defensiver Anführer wie er, der die jungen Spieler dank seiner Erfahrung aus über 70 Länderspielen, aus Bundesliga und Champions League lenken kann. Wer Hummels im Training beobachtet, erkennt das schnell: Er gibt lautstark Kommandos, hilft den jungen Wilden der Borussia mit seiner Präsenz auf dem Platz. Er ordnet das Geschehen um sich, hat nichts von seiner Zweikampf- oder Kopfballstärke eingebüßt. „Er ist ein Teamplayer“, resümiert Lothar Matthäus.

Spieleröffnung ist eine der Stärken von BVB-Abwehrchef Hummels

Nicht zuletzt ist da noch Hummels‘ besondere Qualität, die kaum ein anderer Abwehrspieler hierzulande so beherrscht wie er: die Spieleröffnung. Seine klugen Pässe oder Diagonalbälle aus der defensiven Zentrale heraus nach vorn machen das Spiel des BVB weniger berechenbar. Ein Prädikat, das auch der Nationalelf gut tun würde mit Blick auf die nahende Europameisterschaft. Die nächste Chance, seiner Defensive einen Seenotretter zu verordnen, hätte Löw am 11. November. In Leipzig geht es dann für die DFB-Auswahl gegen Tschechien. Ob Hummels helfen darf?

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