BVB-Abwehrchef Hummels mit klarer Ansage: Dieses Gefühl dürfen wir ihnen nicht wieder geben

dzBundesliga-Topspiel

BVB-Abwehrchef Mats Hummels stand 30 Mal beim Kräftemessen zwischen Dortmund und München auf dem Platz. Seine Bilanz ist fast ausgeglichen. Er sagt, worauf es im Bundesliga-Topspiel ankommt.

Dortmund

, 08.11.2019, 14:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Mats Hummels kombinierte den Zeitsprung mit einem Rollenwechsel. „Wir“, sagte Hummels im Rückblick als Bayern-Spieler zum 5:0 beim Ligatreffen im April, „hatten immer das Gefühl, dass wir gewinnen werden.“ Und am Samstag, das sagte er als BVB-Akteur, „dürfen wir ihnen dieses Gefühl nicht wieder geben.“

Seit seiner Rückkehr im Sommer hat sich Hummels in der Öffentlichkeit dezent zurückgenommen. Anfangs vor allem aus Vorsicht, weil er und der Klub um die ambivalenten Gefühle wussten, die sein Comeback für Schwarzgelb bei Teilen der Fans auslöste. Aber auch, weil er sich in die bestehende Struktur der Mannschaft integrieren wollte, aus Rücksicht auf die Mitspieler und im Wissen darum, dass seine meist reflektierten Stellungnahmen besonderen Widerhall finden. Vor dem Knüllerkick am Samstag muss der ehemalige „Rote“, der von 2016 bis 2019 für die Münchner kickte, Farbe bekennen.

Hummels als BVB-Gast in seiner privaten Heimat

21 Mal mit Dortmund gegen Bayern, neun Mal mit Bayern gegen Dortmund: Wenn einer weiß, welche Mittel beim Kräftemessen der besten deutschen Fußballklubs der Neuzeit zum Erfolg verhelfen, dann ist das Hummels. Mit dem BVB kommt er auf eine nahezu ausgeglichene Bilanz (acht Siege, drei Remis, zehn Niederlagen), mit dem FCB auf eine klar positive Zwischenrechnung (sechs Siege, kein Remis, drei Niederlagen).

„Der BVB war immer der Herzensverein von Mats.“
Hans-Joachim watzke

Beim 2:0 im Supercup Anfang August wurde der aus Bayern nach Westfalen zurückgekehrte Abwehrchef noch geschont, offiziell galt er als verletzt. Jetzt muss er als Gast antreten in seiner privaten Heimat, dort, wo er die Jugend verbrachte und zum Profifußballer ausgebildet wurde. Mit der Mannschaft seiner sportlichen Wahl-Heimat. „Der BVB“, sagte Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke beim Rück-Transfer, „war immer der Herzensverein von Mats.“

In München wurde er aussortiert - ein Fehler, wie sich bereits nach wenigen Wochen der neuen Saison herausstellt. Niklas Süle fällt mit einem Kreuzbandanriss langfristig aus, sein Nachfolger Lucas Hernandez nach einer Operation am Sprunggelenk ebenfalls. Hummels‘ Abwehrpartner beim WM-Triumph 2014, Jerome Boateng, ist nur ein Schatten seiner selbst. Und schon tun sich in der FCB-Abwehr größere Abgründe auf als beim Oktoberfest: 16 Gegentore in zehn Bundesliga-Spielen, das ist nicht Bayern-like.

Hummels ist die wichtigste Neuverpflichtung des BVB

Für die Borussen erweist sich Hummels ohne Anlaufschwierigkeiten als wichtigste und beste Neuverpflichtung. Altbekannte Schwächen wie seine verzögerte Beschleunigung gleicht er viel öfter mit Stellungspiel und Cleverness im Zweikampf aus, seine Führungsstärke und Erfahrung wirkt nach innen wohltuend und hilfreich.

BVB-Abwehrchef Hummels mit klarer Ansage: Dieses Gefühl dürfen wir ihnen nicht wieder geben

© Deltatre

Eine entscheidende Rolle spielte er beim Liga-Duell im April: Dortmund geriet in München unter die Räder, weil der BVB unter anderem der Lufthoheit von Hummels und Co. nichts entgegenzusetzen hatte. Den Führungstreffer wuchtete der Weltmeister von 2014 unhaltbar ins Tor von Roman Bürki. Die Borussen taumelten danach nur noch angeschlagen über den Rasen, dem Abschuss freigegeben. In dieser und in vielen anderen Szenen ließ sich beim BVB als mangelhaft beschreiben, was Hummels als essentiell für das Spitzenspiel am Samstag ansieht: Wehrhaftigkeit. „In der letzten Saison hat der BVB beim 0:5 nicht dagegengehalten“, erinnerte sich der 30-jährige Verteidiger.

Die Dortmunder Horrorbilanz in München spricht Bände

Nicht selten sind die Borussen in München zuletzt schon beim Aufeinandertreffen im Kabinengang vor den Bayern-Stars eingeknickt. Und entsprechend spielten sie auch. Die jüngste Bilanz von 3:22 Toren bei fünf Niederlagen in der Allianz Arena spricht Bände.

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Das soll sich so nicht wiederholen. Watzkes erwartet, dass der 3:2-Sieg gegen Inter Mailand Rückenwind für die Partie in München gibt. „Wir sind bereit, davon gehe ich aus!“ Auf eine Kampfansage verzichtete Watzke in den vergangenen Tagen ganz bewusst. Ein sicheres Zeichen dafür, dass auch er als notorischer Pessimist Hoffnungen hegt. Watzke vertritt weiter die Ansicht, dass die Bayern am besten dann zu packen sind, wenn man sie nicht vorher auch noch extra anstachelt.

Fünf Siege bei den Bayern seit 2011 kann nur der BVB vorweisen

Der bis dato letzte Dortmunder Auswärtserfolg stammt aus dem Pokal-Halbfinale 2017, 3:2 hieß es nach turbulenten 90 Minuten. Andererseits: Fünf Siege im Süden seit 2011 hat kein anderer Klub vorzuweisen. Mit das Beste bei aller Vorfreude in der Fußball-Republik: Beim direkten Duell dieser beiden Topmannschaften kann, gerade in der aktuellen Situation in beiden Lagern, alles passieren. „Diese Spiele“, sagt Hummels, „sind immer speziell und nicht vorhersehbar.“ Nicht einmal für ihn mit 30 „Clasicos“ auf der Habenseite.

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