Im qualitativ stark besetzten Kader des BVB kämpfen einige Talente um knapp bemessene Einsatzzeiten. Wie sie ihre Karriere weiterentwickeln können, ist eine schwierige Frage.

Bad Ragaz

, 04.08.2018 / Lesedauer: 4 min

Dzenis Burnic hat sich die Hörner abgestoßen, wie man so schön sagt. Raus aus der Komfortzone, weg von zu Hause. Ein Jahr lang war der 20-jährige defensive Mittelfeldspieler an den VfB Stuttgart ausgeliehen, es war ein Jahr mit vielen lehrreichen Momenten, mit Höhen und Tiefen. Jetzt ist Burnic zurück bei Borussia Dortmund - und reiht sich ein in eine Garde von jungen Spielern, die vielleicht einmal das Gerüst der Zukunft bei Borussia Dortmund bilden könnten.

Prominente Konkurrenz

Doch diese Spieler stehen allesamt vor einer wichtigen Frage: Welcher Weg ist der Richtige, um die eigene Entwicklung bestmöglich voranzutreiben? Kann dies auch in einem Kader gelingen, in dem die Konkurrenz so groß ist wie beim BVB?

Es geht um Chancen, ganz simpel gesprochen um Einsatzzeiten und die Gelegenheit, sich zu zeigen und zu beweisen. Auf der Position von Burnic heißen die Konkurrenten Julian Weigl und Nuri Sahin, möglicherweise kommt bald noch Axel Witsel hinzu. Auf der linken Seite von Jacob Bruun Larsen (19) gibt es Marco Reus und Jadon Sancho. Der ist zwar sogar noch jünger, aber schon zwei, drei Schritte weiter als der Däne. Prominente Namen, die der eigenen Entwicklung im Wege stehen könnten.

Auf Leihbasis zum VfB Stuttgart

Auch Bruun Larsen hat sich im Winter auf Leihbasis dem VfB Stuttgart angeschlossen, weil er hoffte, dort näher an Bundesliga-Einsätzen zu sein. Sein Pech - und auch das von Burnic - war, dass VfB-Trainer Hannes Wolf, der ehemalige Jugend-Trainer des BVB, schon nach dem 0:2 gegen Schalke Ende Januar seinen Stuhl räumte. Bruun Larsen kam danach zu drei Kurzeinsätzen, Burnic machte unter dem Wolf-Nachfolger Tayfun Korkut nicht ein Bundesliga-Spiel mehr und steht aktuell bei sieben Einsätzen in der Elite-Liga.

Burnic, Larsen und Isak kämpfen um die Perspektive

Jacob Bruun Larsen machte während der USA-Reise auf sich aufmerksam. © Inderlied/Kirchner

Schon frühzeitig aber hatte der BVB allerdings Burnic signalisiert, dass man ihn im Sommer zurückholen wolle. Der junge Mann aus Hamm wohnt wieder bei seinen Eltern, wohl auch, weil noch nicht klar ist, wie sein weiterer Weg verlaufen wird. Burnic hat ordentliche Spiele gemacht auf der USA-Reise, seine Fähigkeiten sind erkennbar. Der 20-Jährige kann das Spiel lesen, er ist technisch ausgereift und in der Lage, die Kugel zu verteilen. Doch reicht das, um Minuten auf dem höchsten Niveau zu bekommen in einem Kader, in dem es vor gestandenen Bundesliga-Spielen nur so wimmelt?

„Er hat mir sehr gut gefallen“

Für Bruun Larsen gilt diese Frage in gleichem Maße. Seine Entwicklung auf der linken Seite ist ebenso positiv. „Er hat mir sehr gut gefallen“, lobte Sportdirektor Michael Zorc nach den guten Testspiel-Eindrücken des Dänen während der USA-Reise. „Und es muss nicht jeder viel Geld kosten, um bei uns eine Perspektive zu haben.“ Das war immer Teil der Dortmunder Philosophie und dazu passt auch, dass der neue Trainer Lucien Favre bekannt dafür ist, junge Spieler zu fördern und ihnen früh viel Vertrauen zu schenken.

Spätestens nach dem Trainingslager in Bad Ragaz wird man wohl klarer sehen. Einige Planstellen im Kader der Borussia sind immer noch überbesetzt. 28 Spieler stehen derzeit unter Vertrag, die Idealgröße wird auf 26 taxiert. Ein Leih- oder Verkaufskandidat ist in jedem Fall auch Alexander Isak. Nach 18 Monaten in Dortmund haben sich die Hoffnungen des jungen Schweden beim BVB nicht erfüllt. Vier Kurzeinsätze in der vergangenen Saison, einer in der Startelf, als der BVB vor dem Rückrundenstart gegen Wolfsburg Torjäger Pierre-Emerick Aubameyang suspendierte, stehen in seiner Bilanz. Nicht gerade eine üppige Ausbeute.

Umweg kann hilfreich sein

Und in der Vorbereitung machte der 18-Jährige nicht den Eindruck, an diesem Status etwas ändern zu können. Sollte der BVB auf dem Transfermarkt noch einen Stürmer finden, dürfte seine Zeit in Dortmund noch vor dem 31. August enden.

Burnic, Larsen und Isak kämpfen um die Perspektive

Konnte die Erwartungen beim BVB bislang nicht erfüllen: Alexander Isak. © Steinbrenner/Kirchner

Nicht immer führt der direkte Weg zum Ziel. Burnic und Bruun Larsen haben sich ausleihen lassen und sind in dieser Zeit gereift. Gescheitert ist das Experiment für beide nicht. Es gibt prominente Beispiele, dass man auch über Umwege ein etablierter Bundesliga-Profi werden kann.

Halstenberg vom BVB II ins DFB-Team

Daniel Ginczek hat dem Duo vielleicht während der Stuttgarter Zeit darüber einiges erzählt. Auch andere ehemalige BVB-Talente sind mittlerweile etabliert in der Liga, auch wenn sie dafür einen Umweg gehen mussten. Nachzufragen bei Marcel Halstenberg (RB Leipzig) oder Marvin Ducksch, der in Kiel den Anlauf über die 3. Liga schaffte und jetzt mit Düsseldorf in der Bundesliga spielt.

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