Bereit für den nächsten BVB-Schritt? Moukoko kann sich in Ruhe entwickeln

dzBorussia Dortmund

BVB-Toptalent Youssoufa Moukoko macht im Training mit den Profis täglich neue Erfahrungen. Die Umstellung gelingt dem 15-Jährigen erstaunlich gut - aber etwas fehlt noch.

Bad Ragaz

, 15.08.2020, 07:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Man muss nicht gleich sich voneinander unterscheidende Sichtweisen in der sportlichen Führung bei Borussia Dortmund vermuten, wenn Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke und Sportdirektor Michael Zorc in der Personalie Youssoufa Moukoko einen unterschiedlichen Sprachgebrauch an den Tag legen. Watzke hat in einem Fernseh-Interview beim Privatsender „RTL“ den Verzicht auf die Verpflichtung einer zweiten echten Nummer Neun hinter dem gesetzten Erling Haaland auch damit begründet, „dass wir den ja quasi schon im Kader haben.“

Die Erwartungen an Youssoufa Moukoko sind enorm

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Gemeint war Moukoko, der am 20. November 16 Jahre alt und dann spielberechtigt sein wird für die Profis der Borussia. Die acht Wochen bis zu diesem Zeitpunkt nach dem Saisonstart Mitte September, so Watzke, ließen sich auch durch andere Spieler der gut aufgestellten BVB-Offensive überbrücken. Und dann, so konnte man folgern, könne es so richtig losgehen mit der Profi-Karriere des Youssoufa Moukoko.

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Zorc hingegen wurde auch hier in Bad Ragaz nicht müde zu betonen, man dürfe die Erwartungen an das jüngste Kadermitglied hier in der Schweiz nicht zu hoch schrauben. Moukoko brauche seine Zeit, der BVB werde sie ihm geben. Der Rucksack auf seinem Rücken sei ohnehin schon schwer genug. Auch Watzke hat das im Nachgang der Frage zu Borussia Dortmunds größtem Juwel in der Nachwuchsabteilung natürlich noch ergänzt.

Haaland sieht in Moukoko schon seinen potenziellen Nachfolger

Für beide Sichtweisen gab es in den bisherigen Einheiten schon Belege. Nicht ohne Grund schwärmen die Mitspieler. Erling Haaland sieht in Moukoko schon einen potenziellen Nachfolger für sich selbst, „er ist viel besser als ich in seinem Alter war.“ Auch Mats Hummels, Axel Witsel oder Thomas Delaney zeigen sich hier durchaus beeindruckt von den ersten gemeinsamen Einheiten mit dem Rekordtorschützen der U19-Bundesliga.

Zum Lernprozess für den 15-Jährigen, der noch im Anfangsstadium ist, gehören freilich auch Einheiten wie die am Freitagmorgen. Freies Spiel auf der gesamten Spielfeldbreite, aber nur einer Länge von circa 40 Metern - Moukoko hatte seine Schwierigkeiten mit dem Tempo und der Intensität auf diesem engen Raum, wo keine Zeit blieb, um Bälle in Ruhe anzunehmen und zu verarbeiten. Einige Male verzettelte er sich in unnötigen Dribblings und verpasste rechtzeitige Abspiele. Das sind die Momente, die wehtun während der Umstellungsphase auf Erwachsenenfußball.

BVB-Trainerteam kümmert sich intensiv um „Küken“ Moukoko

Die deutlich höhere Geschwindigkeit im Training ist der augenscheinlichste Unterschied zu den Einheiten mit der U19, die größere Athletik der zweite wichtige Punkt. Moukoko hat mit seinen noch 15 Jahren schon den Körper eines gestandenen Profis und jetzt schon mehr Muskeln als Bayern Thomas Müller je haben wird. Das ist an den durchtrainierten Beinen nicht zu übersehen, auch sein Oberkörper ist schon stark ausgebildet. An diesem Teil seiner fußballerischen Entwicklung lässt Moukoko seine schon 563.000 Follower beim Fotodienst Instagram regelmäßig teilhaben, wenn er Fotos von sich bei intensiven Kraft-Workouts postet. Im U19-Bereich macht ihm damit niemand etwas vor in den Zweikämpfen, bei den Profis aber sind alle Gegenspieler mindestens so trainiert.

Trainer Lucien Favre hat den 15-Jährigen schon mehrfach zur Seite genommen und lange mit ihm geredet, überhaupt kümmert sich das Trainerteam intensiv um das „Küken“ im Team. Als die Mitspieler vor dem Test gegen den SCR Altach schon Feierabend hatten, schlug Co-Trainer Edin Terzic für Moukoko noch einige Flanken, die der 15-Jährige vollstrecken musste. Täglich gibt es Tipps, auch von den Mitspielern.

Für den BVB ist die Konstellation eigentlich perfekt

Moukoko saugt diese Erfahrungen auf wie ein nasser Schwamm, damit er womöglich schon in gut drei Monaten so weit ist, endlich die große Bühne zu betreten. Für die Borussia ist die Konstellation eigentlich perfekt. Sie kann ihn in Ruhe an die Belastung und das Tempo bei den Profis heranführen und hält ihn gleichzeitig noch weitgehend aus dem Scheinwerferlicht heraus, weil Moukoko vor seinem 16. Geburtstag nur trainieren, nicht aber für die Profis spielen darf. Bis dahin wird er sein großes Ziel mit der gleichen Akribie wie seit Jahren verfolgen, die bemerkenswert ist für einen Spieler seines Alters. Und dem Motto folgen, das er unter einem seiner Trainingsbilder hier aus Bad Ragaz preisgab: „Bleib hungrig, aber bescheiden!“

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