Bei Vollgas drohen Verletzungen – auch BVB beklagt vermehrt Blessuren

Borussia Dortmund

Eigentlich müssten die BVB-Profis fit und ausgeruht sein. Dass sie sich deswegen aber nicht verletzen können, ist ein Trugschluss. Das Gegenteil ist der Fall.

Dortmund

, 12.05.2020, 16:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
BVB-Profi Axel Witsel liegt verletzt am Boden. (Archiv)

BVB-Profi Axel Witsel liegt verletzt am Boden. (Archiv) © Guido Kirchner

Noch bevor das erste Spiel nach der Corona-Zwangspause überhaupt angepfiffen wurde, fordert die lange Wettbewerbsunterbrechung ihren Tribut. Immer mehr Bundesliga-Klubs melden verletzte Spieler. Borussia Dortmund kommuniziert das nicht offiziell, ist jedoch ebenfalls alarmiert.

BVB muss auf Stammspieler verzichten

Axel Witsel fällt für den Re-Start am Samstag aus, Emre Can ebenfalls und Marcel Schmelzer womöglich auch, Jadon Sancho pausierte wie Nico Schulz, der auch nicht spielen kann, längere Zeit. Bei Marco Reus wird es sowieso noch ein, zwei Wochen dauern, bis er spielfit ist und Dan-Axel Zagadou droht das Saisonaus.

Probleme im Sprunggelenk, kleine Muskelverletzungen, Beschwerden am Knie: Diese drei anfälligsten Regionen der Fußballerbeine bereiten auch in dieser Sondersituation die größten Probleme. Nach mehreren Wochen individuellem Training mehrten sich die Blessuren bei den Übungseinheiten in Kleingruppen Anfang April. Die Rückkehr ins Teamtraining mit anders gelagerten Belastungen und gesteigerten Intensitäten förderte vergangene Woche die nächsten Sorgenkinder zutage.

Maximalbelastung für die BVB-Profis ein Problem

Fit dürften alle gesunden Spieler sein, das wochenlange Ausdauer- und Athletiktraining hat für gute Grundlagen gesorgt. Aber Vollgas-Fußball mit kurzen und langen Sprints oder zackigen Richtungswechseln stellen für Muskeln, Sehnen, Bänder und Gelenke eine Maximalbelastung dar. Dies kommt vor allem bei spielnahen Einheiten zum Tragen, von denen es wegen der Corona-Einschränkungen nicht ausreichend geben konnte. „Ein Trainer hätte bestimmt vor dem Start gerne drei Wochen Mannschaftstraining und dazu zwei Testspiele. Aber das ist in der jetzigen Lage nicht komplett umsetzbar“, sagte DFB-Arzt Tim Meyer. Einer höheren Verletzungsgefahr könne man mit präventivem Training begegnen. Knapp zwei Wochen Teamtraining sind allerdings knapp kalkuliert.

Borussia Dortmund vor Kaltstart: Zu kurze Vorbereitung

Äußerst knapp, meint der bundesligaerfahrene Fitnesstrainer Christian Kolodziej, 2002 mit dem BVB Deutscher Meister. Er bewertet die intensive Vorbereitungszeit als zu kurz. „Vier Wochen wären eine optimale Vorlaufzeit“, sagte er dem „Kicker“. Den Preis zahlen die Spieler mit ihrer Gesundheit und die Klubs, weil sie nicht ihre besten Kicker auf den Rasen schicken können.

Selbst wenn die Spieler sich nach vielen Laufeinheiten in den vergangenen Wochen einsatzbereit fühlten, seien die Belastungen eines Spiels mit schnellen und vielen Tempo- und Richtungswechseln nicht zu simulieren, meint Kolodziej. „Wird es vermehrt zu Verletzungen kommen? Ich fürchte: ja. Und werden die Spiele mit der Intensität geführt, die wir gewohnt sind? Abwarten …“

Regelanpassung soll auch BVB-Spieler entlasten

Eine Regelanpassung soll helfen, die Belastungen zu verteilen, Regeneration zu ermöglichen und Verletzungen vorzubeugen: Bis zum Saisonende könnten ausnahmensweise bis zu fünf Auswechslungen pro Spiel erlaubt sein, sofern die Deutsche Fußball Liga zustimmt.

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Ein Lichtblick für die BVB-Fans: Manuel Akanji und Mario Götze, die am Samstag pausierten, standen Sonntag wieder auf dem Platz, Gio Reyna setzte aus. Marco Reus und Axel Witsel absolvierten eine individuelle Einheit. Am Dienstag verpasste Akanji zwar die Vormittagseinheit. Das lag aber daran, dass für den Schweizer nach Information dieses Redaktion noch eine Sonderregelung gilt, weil Akanji kürzlich Vater geworfen ist.

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