An Präsenz verloren: BVB-Taktgeber Witsel muss sich deutlich steigern

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Hinter Axel Witsel liegt eine durchwachsene BVB-Saison. Der Belgier hat an Bedeutung und Präsenz auf dem Platz verloren. Ein Blick in die Statistik unterstreicht diesen Eindruck.

Dortmund

, 19.07.2020, 11:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Zeit der Jubelarien ist vorbei. Beim Blick auf die herausragenden BVB-Akteure der vergangenen Saison fällt der Name Axel Witsel nicht. Das war vor einem Jahr noch ganz anders. Hinter dem Belgier liegt eine durchwachsene Saison, zumindest für die Ansprüche, die sowohl der WM-Dritte von 2018 an sich selbst als auch Borussia Dortmund an ihn stellen. Witsel kann mehr, als er in der zurückliegenden Spielzeit gezeigt hat, die Messlatte im BVB-Trikot hat er durch eine furiose Premieren-Saison selbst sehr hoch gelegt.

Axel Witsel hat an Präsenz und Bedeutung auf dem Platz verloren

Wobei zwei wesentliche Punkte zur Wahrheit dazugehören: Erstens war Witsels Hinrunde in der Saison 2018/2019 besser als seine Rückrunde, zweitens soll an dieser Stelle keineswegs der Eindruck entstehen, Witsel sei in der Saison 2019/2020 nicht mehr wichtig gewesen für Borussia Dortmund. So ist es nicht, ganz und gar nicht, aber der 31-jährige Mittelfeldspieler, der nach seinem Wechsel aus China im Sommer 2018 für 20 Millionen Euro Ablöse zum BVB auf Anhieb zum Dortmunder Taktgeber und Chefstrategen auf dem Rasen avancierte, hatte in der vergangenen Spielzeit deutlich stärker mit sich selbst zu kämpfen - und hat an Präsenz und Bedeutung auf dem Platz verloren.

An Präsenz verloren: BVB-Taktgeber Witsel muss sich deutlich steigern

© Deltatre

Dabei hatten die Dortmunder Verantwortlichen und BVB-Trainer Lucien Favre vor der Saison die Hoffnung gehabt, dass Witsel einfach mal eine Pause brauche, um seine Topform wiederzufinden. 2018 hatte der Belgier nach Platz drei bei der WM in Russland praktisch ohne Vorbereitung jedes Spiel für den BVB absolviert. In der gesamten Spielzeit 2018/2019 verpasste er lediglich zwei Partien, obwohl er diese Intensität aus seiner Zeit in China nicht mehr gewohnt war. Entsprechend zeigte seine Formkurve in der Rückrunde irgendwann nach unten, Witsel wirkte müde und überspielt.

Blick in die BVB-Statistik offenbart Witsels Bedeutungsverlust

Wirklich erfüllt haben sich die Hoffnungen der BVB-Bosse nicht. Witsel hat das Niveau seiner ersten Halbserie in Dortmund trotz ausreichender Sommerpause und ordentlicher Vorbereitung in der vergangenen Saison selten bis nie erreicht. Erschwerend hinzu kamen dabei freilich seine Gesichtsverletzungen, die er sich im vergangenen Dezember bei einem häuslichen Unfall zuzog, und die ihn zwangen, vier Spiele zuzuschauen und nach der Winterpause mehrere Wochen mit einer Schutzmaske zu spielen.

Besonders deutlich wird Witsels Bedeutungsverlust für den BVB beim Blick in die Statistik. Zwar setzt Lucien Favre noch immer auf seinen „Ruhepol im Mittelfeld“, wann immer er fit ist, aber Witsel ist nicht mehr Dreh- und Angelpunkt im Dortmunder Spiel. Während er in seiner Premieren-Saison eigentlich in jeder BVB-Statistik unter den Top fünf auftauchte, findet man dort nun sehr häufig andere Namen, was auch, aber eben nicht nur daran liegt, dass Witsel in der vergangenen Saison sieben und nicht nur zwei Spiel verpasste, wie in seinem ersten Jahr beim BVB.

Axel Witsel beim BVB: weniger Zweikämpfe, weniger intensive Läufe

Auffällig ist, dass Witsel in der vergangenen Saison nur noch 53 Prozent seiner Zweikämpfe gewann, im Jahr zuvor waren es noch 60 Prozent. Und er führte insgesamt weniger Zweikämpfe: Im ersten BVB-Jahr waren es in der Liga durchschnittlich 16 pro Pflichtspieleinsatz, im zweiten Jahr noch 14. Zudem lief Witsel weniger und weniger intensiv. 2018/2019 verbuchte die Statistik 47 intensive Läufe und durchschnittlich elf Kilometer Laufleistung, vergangene Saison waren es nur noch 41 intensive Läufe und durchschnittlich rund zehn Kilometer Laufleistung pro Einsatz.

An Präsenz verloren: BVB-Taktgeber Witsel muss sich deutlich steigern

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Vor allem aber ist Witsel nicht länger der Ballmagnet im Dortmunder Spiel. In der Bundesliga-Spielzeit 2018/2019 war Witsel der BVB-Spieler, der mit Abstand die meisten Ballkontakte hatte, durchschnittlich 85 pro Spiel und insgesamt 2787 in der Saison. In der vergangen Spielzeit taucht Witsel in dieser Bilanz nicht einmal mehr unter den besten fünf Spielern im BVB-Trikot auf, kommt auf 2041 Ballkontakte insgesamt, durchschnittlich 73 pro Partie. Achraf Hakimi, Mats Hummels, Raphael Guerreiro, Lukasz Piszczek und Manuel Akanji, sie alle waren in der zurückliegenden Saison häufiger am Ball als Witsel.

Axel Witsel ist auf der Suche nach seiner absoluten Topform

Außerdem wusste sich Witsel deutlich häufiger nur mit einem Foulspiel zu helfen. Er foulte so oft wie kein anderer Spieler im BVB-Trikot (36 mal), mehr als einmal pro Spiel. In seiner Debüt-Saison leistete er sich ganze 26 Fouls in der Liga, das entsprach durchschnittlich nur 0,8 Fouls pro Partie.

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Und so kann auch die Tatsache, dass Witsel sich in puncto Passquote (95,3 Prozent zu 94,1 Prozent) und in puncto Torbeteiligungen (neun zu sieben) in seiner zweiten Saison für den BVB gesteigert hat, nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Mann mit der auffälligen Haarpracht seit nun mehr über einem Jahr auf der Suche nach seiner absoluten Topform ist. Die wird es allerdings brauchen, um nach der Sommerpause in die von Kapitän Marco Reus erhoffte „perfekte Saison“ zu starten. Witsel, der zusammen mit Reus, Hummels und Piszczek den BVB-Mannschaftsrat bildet, ist noch immer ein ganz wichtiges Puzzleteil für Favre. Aber der Belgier wird sich nachhaltig steigern müssen, um in der Hierarchie nicht dauerhaft abzurutschen.

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