Karsamstag 1999 ging das BVB-Netradio erstmals auf Sendung. Zum 20-jährigen Bestehen spricht Moderator Boris Rupert im großen Interview über emotionale Momente und einen legendären Anruf von Jürgen Klopp.

Dortmund

, 20.04.2019 / Lesedauer: 4 min

20 Jahre Netradio - wie entstand die Idee im April 1999?
Das war damals ein ganz kurzfristiger Einfall - ausgehend von Dr. Gerd Niebaum, dem damaligen BVB-Präsidenten. Er hatte über Ostern eine USA-Reise geplant und suchte nach einer Möglichkeit, das Heimspiel gegen die Bayern verfolgen zu können. Radio 91.2 und der WDR waren zu dieser Zeit nur lokal empfangbar. Es gab noch keinen Stream. So kam die Idee auf, ein Internetradio auszuprobieren.

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Und wie kamen Sie ins Spiel?

Es hatte sich wohl herumgesprochen, dass ich für Radio 91.2 schon das ein oder andere BVB-Spiel übertragen hatte, und man suchte einen Partner für Nobby Dickel, der über Radio-Erfahrung verfügt.


Wie lief es damals technisch ab?

Es war gar nicht so viel umfangreicher als heute, die Zeit war damals schon relativ reif dafür. Wenn ich aber einen Schlenker ein paar Jahre zurück mache …

Das hört sich vielversprechend an …

(lacht) Im August 1995 war ich für Radio 91.2 beim Pokalspiel in Ludwigshafen gegen die TSG Pfeddersheim - damals hat man noch Monotonleitungen bestellt, um auf den Sender gehen zu können. Und die kosteten pro Stunde einiges. Die Leitung war also von kurz vor bis kurz nach dem Spiel platziert. Nun ging das Spiel aber ins Elfmeterschießen - und mittendrin war dann die Leitung weg. Dann ging es tatsächlich nur noch telefonisch weiter, und es hörte sich an wie eine Übertragung aus den 70er-Jahren.


Wie ging es nach der Premiere weiter?

Wir haben nicht auf die Quote geguckt. Beim ersten Spiel am Ostersamstag 1999 gegen die Bayern waren 600 Fans dabei. Aus dieser Idee heraus und dadurch, dass es funktioniert hat, ist dann die Entscheidung gefallen, diesen Service dauerhaft anzubieten. Zunächst haben wir nur die Heimspiele übertragen, ab der dritten Saison kamen die Auswärtspartien hinzu - zunächst unter der Prämisse, dass Spiele, die im Free-TV übertragen wurden, außen vor waren. Das haben wir erstmals beim Pokalfinale 2008 durchbrochen.


Mussten Sie sich hinsichtlich der Moderation umstellen?

Beim heimischen Radio ist ein gewisser Lokalkolorit mit drin, natürlich mit einer deutlich objektiveren Sicht als durch die schwarzgelbe Brille. Sicherlich hat man sich im Laufe der Jahre etwas umgestellt, aber das macht die Sache sympathisch, das Spiel so zu sehen wie der Fan auf der Tribüne.


Waren Sie mit Nobby Dickel sofort auf einer Wellenlänge?

Ja, das hat von der ersten Minute an gepasst, wir ergänzen uns prima. Und wir wissen auch, wenn der eine für den anderen einspringen muss - gerade bei Heimspielen, da Nobby ja auch noch als Stadionsprecher im Einsatz ist.


Kommen wir kurz auf den „Korinthenkacker“ aus dem Spiel gegen Leverkusen 2011 zu sprechen ...

Das war völlig überflüssig, da sind die Pferde mit mir durchgegangen. So weit hätten sie nicht durchbrechen dürfen

Der Spaß kostete 1000 Euro …

Ja, als Spende für eine gemeinnützige Stiftung des Deutschen Fußball-Bundes. Mehr als angemessen.


Wie liefen die ersten Spiele nach dieser Geschichte ab?

Man wird vorsichtiger, klar. Begeisterung ja, aber Beschimpfungen dieser Art hat es danach nicht mehr gegeben.


Ein weiteres Rupert-Steckenpferd sind kuriose Statistiken. Wie kam’s dazu?

Es hat mir schon immer Spaß gemacht, mich mit Zahlen rund um den Fußball zu beschäftigen. Und das ist sicherlich vor der Zeit gewesen, in der es noch keine großen Daten-Anbieter gab. Es gibt es immer wieder Kuriositäten. Zum Beispiel, dass der BVB immer in Bremen gewonnen hat, wenn Freimarkt war und das Spiel unter Flutlicht stattfand.


Von Jürgen Klopp gab’s dafür den ein oder anderen Spruch ...

Teilweise hat er das aber auch selbst befeuert.


Inwiefern?

Bei der Auslosung der Champions-League-Gruppenphase 2012/13, als der BVB drei amtierende Landesmeister zugeteilt bekommen hat (Real Madrid, Manchester City, Ajax Amsterdam, Anm. d. Red.), klingelte am Abend das Telefon und die Aufgabenstellung von Jürgen lautete: „Such doch mal bitte heraus, ob es schon mal eine Mannschaft aus Topf vier bis ins Finale geschafft hat.“

20 Jahre BVB-Netradio! Boris Rupert über Korinthenkacker, Statistiken und Jürgen Klopp

Seit 20 Jahren die Stimmen des BVB-Netradios: Boris Rupert (l.) und Nobby Dickel. © BVB

Und?

Die Antworte lautete: ja. Die AS Monaco im Jahr 2004. Und dann Borussia Dortmund. 2013.


Wie bewerten Sie die Perspektive des Netradios?

Vor 20 Jahren hätte niemand gedacht, dass wir in 20 Jahren noch senden - gerade in Anbetracht des technischen Fortschritts. Wir haben bis zu 500.000 Zugriffe pro Spiel. Die, die uns dauerhaft hören, sind anscheinend zufrieden. Es soll sogar einen Fanclub geben.


Und Mitte Mai in Gladbach kommentieren Sie dann die neunte Deutsche Meisterschaft?

Nichts lieber als das. Ich traue es der Mannschaft weiterhin zu. Und es wäre nicht neu, wenn BVB aus der Verfolgerrolle heraus einen Titel gewinnen würde wie 1995 oder 2002.

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