Überragende Smits! BVB spielt das bislang beste Champions-League-Spiel der Saison

Handball

In Frankreich präsentierte Borussia Dortmund die wohl beste Leistung in der bisherigen Königsklassen-Spielzeit und holt ein Remis bei Brest Bretagne. Inger Smits spielte famos.

Dortmund

, 06.02.2021, 18:45 Uhr / Lesedauer: 3 min
Inger Smits lieferte eine bärenstarke Partie in der Champions League ab.

Inger Smits lieferte eine bärenstarke Partie in der Champions League ab.

Chapeau! Mit der wohl besten Leistung in der bisherigen Champions League-Saison haben sich die BVB-Handballerinen beim 33:33 (17:20) bei Brest Bretagne Handball einen ganz wichtigen Punkt bei den favorisierten Französinnen geholt.

Drei Sekunden vor Schluss hatte Kelly Vollebregt sogar die Chance zum Siegtor, scheiterte aber an der französischen Torfrau.

Spielerin des Tages war Inger Smits mit elf Treffern. In der Tabelle änderte sich mit dem Remis für den BVB nichts, der nunmehr mit fünf Punkten weiter auf Rang sechs steht und realistische Chancen auf den Einzug ins Champions League-Achtelfinale besitzt.

André Fuhr ist zufrieden

Einen Punkt gewonnen, oder doch einen Punkt verloren? Diese Frage stellte sich Borussias Coach André Fuhr nach aufreibenden 60 Minuten nicht. „Ganz ehrlich, mit diesem Ergebnis bin ich zufrieden. Wir haben in der ersten Hälfte überragenden Handball gezeigt, in der zweiten Hälfte hatten wir dann ein paar Probleme mit der französischen Kreisläuferin. Es waren nur ein paar Kleinigkeiten, die das Spiel entschieden haben. Vielleicht ein paar Entscheidungen der holländischen Schiedsrichter, aber dennoch können wir zufrieden sein.“

Die positive Entwicklung des BVB - auch in der Champions League - hält damit an. „Wenn man in der Champions League ein Spiel gewinnen will, dann muss man 60 Minuten lang richtig gut sein“, unterstrich André Fuhr die Leistung seiner Mannschaft. Und fügte an: „Wir haben uns im gesamten Spiel keine größeren Schwankungen erlaubt.“

Die deutschen TV-Zuschauer, die auf "ehftv" das Spiel mitverfolgten, rieben sich zunächst etwas verwundert die Augen. War das der BVB in den ungewohnten weißen Trikots mit den grauen Hosen? Ja, das war der BVB. Und was für einer. Trotz einer mehr als zwölfstündigen Anreise waren die Dortmunderinnen hellwach. Da passte einfach alles zusammen, ganz im Gegenteil zum Hinspiel, als der BVB mit 29:41 eine krachende Niederlage einstecken musste. Der Mittelblock mit Kelly Dulfer/Merel Freriks stand erstklassig, Torfrau Yara ten Holte zeigte allein drei starke Paraden in den ersten zehn Minuten. Und in der Offensive überzeugten besonders Inger Smits mit sensationellem Durchsetzungsvermögen und ihrem brillanten Schlagwurf sowie auf Außen Kelly Vollebregt im Duell mit Torfrau Sandra Toft.

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Und wären Fans in der riesigen Arena in Brest zugelassen gewesen, sie hätten sich nicht nur wegen der ungewohnten BVB-Trikots gewundert. Nach 18 Minuten stand es gerade mal 12:11 für den großen Favoriten von der Atlantik-Küste, immerhin Tabellendritter in der Gruppe B der Champions League. Der BVB hielt mit, zeigte sich in einem temporeichen Spiel immer auf der Höhe, immer konzentriert. Offensichtlich hatte auch Laurent Bezeau, der Trainer von Brest Bretagne, mit solch einer starken Vorstellung der BVB-Frauen nicht gerechnet.

Nach dem 13:13-Ausgleich durch die überragende Inger Smits (bis dahin sechs Treffer) nahm der Franzose die erste Auszeit und sortierte seine Mannschaft neu.

Doch egal, was Brest auch unternahm, der BVB ließ sich nicht wirklich abschütteln. Als Torfrau Isabell Roch drei Minuten vor der Pause einen Siebenmeter gegen die überragende Slovenin Ana Gros parierte und Inger Smits nur Sekunden später mit ihrem achten Treffer im neunten Versuch traf, da stand es 18:17 für den BVB. Kaum zu glauben, was da in Brest passierte.

Und es sollte noch besser kommen. Mit zwei Treffern durch Kreisläuferin Merel Freriks erhöhten die Dortmunderinnen auf 20:17 zur Pause. Das kam schon einer mittleren Sensation gleich.

Doch mit Beginn des zweiten Durchgangs kamen die Zweifel. Sollte der BVB dieses Tempo durchhalten können, nochmals 65 Prozent Effizienz im Angriff aufs Parkett bringen und nochmals die enorme physische Leistung wiederholen können?

Immerhin hatte Borussen Coach André Fuhr so gut wie kaum gewechselt, der Rückraum mit Smits, Dulfer und Frereiks hatte komplett durchgespielt. Zunächst fand Brest besser ins Spiel, der BVB blieb fünf Minuten lang ohne Torerfolg, ehe Laura van der Heijden mit dem wichtigen 21:19 den Knoten durchschlug.

Freriks kämpfte aufopfernd

Doch im zweiten Durchgang unterstrich Brest, warum es auf Platz drei in der Gruppe B der Königsklasse rangiert. Besonders die Slovenin Ana Gros im Zusammenspiel mit der überragenden Kreisläuferin Pauletta Foppa machte der Dortmunder Abwehr das Leben schwer. Merel Freriks kämpfte aufopfernd gegen die junge, wieselflinke Foppa, konnte aber ihre fünf Tore nicht verhindern. In Minute 46 glichen die Gastberinnen zum ersten Mal zum 27:27 aus, vier Minuten später egalisierte die Schwedin Isabelle Gullden per Siebermeter zum 29:29.

Es blieb spannend. In den letzten fünf Minuten fehlte dem BVB naturgemäß etwas die Kraft. Kelly Dulfer wechselte sich in der Offensive mit Dana Bleckmann ab, Inger Smits wurde ganz eng gedeckt. Und Merel Freriks leistete ein Riesenpensum in Abwehr und Angriff. 120 Sekunden vor Schluss führte der BVB mit 33:32, auch dank der sehr gut aufgelegten Isabell Roch, die elfmal ein Torerfolg verhinderte.

25 Sekunden vor Schluss glich Brest durch Isabelle Gullden zum 33:33 aus - und Borussen-Coach André Fuhr nahm die letzte Auszeit. "Spielt durch bis drei Sekunden vor Schluss", hatte Fuhr seinen Schützlingen mit auf den Weg gegeben. Sie hielten sich daran. Doch als Kelly Vollebregt dann besagte drei Sekunden vor Schluss von Außen zum Torwurf ansetzte, war die französische Torfrau zur Stelle und parierte. Es blieb beim 33:33.

BVB: Roch, ten Holte, Duijndam; van Zijl, Smits (11), Dulfer (3), van der Heijden (3), Rode, Bleckmann, Danielsson (1), Freriks (6), Abdulla (1), Stockschläder (1), Vollebregt (4), Guiterrez Bermejo (3)

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