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Schwere Knieverletzung: BVB-Spielerin Linda Mack muss ihre Karriere vorzeitig beenden

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Bitteres Karriereende bei Borussia Dortmund: Linda Mack muss im Alter von gerade einmal 27 Jahren mit dem Handballsport aufhören. „Ich werde gar nicht mehr spielen“, sagt die BVB-Spielerin.

Dortmund

, 16.05.2019 / Lesedauer: 5 min

Eigentlich sollte Borussia Dortmund so etwas wie ein Neuanfang sein. Fast ihr ganzes Handballleben hatte Linda Mack nahe ihrer Heimat Bietigheim-Bissingen verbracht. Nach sportlich nicht immer leichten Zeiten und mehreren Verletzungen wechselte Mack im vergangenen Sommer zum BVB. Doch Anfang November, im Spiel gegen Buxtehude, riss der heute 27-Jährigen das Kreuzband im linken Knie.

Es war das jähe Ende eines zuvor vielversprechenden Neustarts. Im Interview mit Oliver Brand sprach Mack über ihre Entscheidung, die Verletzung und ihre Zukunft.

Frau Mack, wird es nach der dritten schweren Knieverletzung eine Zukunft für Sie im aktiven Handball geben?

Nein, ich werde aufhören. Und zwar komplett. Nicht nur hochklassig, sondern ich werde gar nicht mehr spielen. So ist leider der Stand.

Wie geht es Ihnen derzeit?

Eher nicht so gut. Die Reha läuft leider nicht so, wie man sich das erhofft und geplant hat. Zu dem Zeitpunkt, als ich eigentlich mit dem Joggen wieder hätte anfangen können, traten erneut Probleme mit dem Knie auf. Aufgrund dessen kann ich derzeit so gut wie gar nichts machen.

Nicht einmal joggen?

Nein, nicht einmal das, obwohl nun auch schon sechs Monate Verletzungspause hinter mir liegen. Das hat natürlich alles in meine Entscheidung mit reingespielt. Es geht jetzt erst einmal darum, das Knie wieder so weit zu stabilisieren, dass ich auch im Alltag beschwerdefrei bin. Das Problem ist, dass nicht genau klar ist, warum es im Moment einfach nicht besser wird.

Sie hatten bereits vorher zwei schwere Knieverletzungen …

Daher habe ich auch schon vor der Saison gesagt, dass ich aufgrund meiner Historie bei einer weiteren schlimmen Verletzung überlegen muss, wie und ob es weitergeht. Und diese Gedanken kamen zum Zeitpunkt des Kreuzbandrisses im November natürlich wieder auf. Wäre die Reha super verlaufen, hätte ich mir durchaus vorstellen können, noch einmal anzugreifen. Aber das war jetzt die Spitze des Eisbergs, es macht einfach keinen Sinn mehr. Dann muss man einfach mal auf den Körper hören.

Schwere Knieverletzung: BVB-Spielerin Linda Mack muss ihre Karriere vorzeitig beenden

Linda Mack (3.v.l.) wird nicht mehr Handball spielen können. © Peter Ludewig

Wie schwer fällt es, so eine endgültige Entscheidung zu treffen?

Sehr schwer. Ganz am Anfang, wenn das Absolute noch nicht so greifbar ist, verdrängt man es. Aber je näher man dem Ende kommt, das letzte Saisonspiel steht ja jetzt an, desto härter wird es. Das tut schon weh. Und das wird sicherlich auch ein paar Wochen oder Monate brauchen, bis ich damit abgeschlossen habe.

Zum Zeitpunkt der Verletzung hatten Sie sich gerade fest ins Team gespielt. Fragt man sich da: Warum ausgerechnet jetzt? Warum ich?

Es hat damals eigentlich alles gepasst. Ich habe mich wohlgefühlt, war so fit wie fast noch nie und war in Dortmund angekommen. Und dann passiert so etwas. Ich war selbst nicht im Stande, das wirklich zu verstehen. Man sucht nach dem Warum, nur gibt es das eben nicht.

„Zu Beginn herrschte völlige Leere in meinem Kopf. Ich habe die ganze Nacht nicht geschlafen.“

Was ging damals in Ihnen vor?

Zu Beginn herrschte völlige Leere in meinem Kopf. Ich habe die ganze Nacht nicht geschlafen, man macht sich so seine Gedanken. Einerseits war mir klar, dass das Kreuzband gerissen ist. Auf der anderen Seite hatte ich nachts allerdings auch nicht so schlimme Schmerzen. Da habe ich gedacht: Vielleicht habe ich ja doch Glück. Ich war hin- und hergerissen.

Aber das Glück blieb aus …

Das hat mich schon sehr getroffen, und ich habe viel geweint. Aber danach ging es dann ganz schnell. Es gab die OP-Vorbesprechung, drei Tage später bin ich operiert worden. Man denkt sich, dass es ab jetzt nur noch vorwärts geht. Die ersten drei Monate der Reha liefen dann ja auch super gut – bis zu dem Zeitpunkt, als ich das erste Mal auf dem Laufband stand. Plötzlich traten Probleme auf.

Sie haben gesagt, dass diese Sie selbst im Alltag behindern. Wie schwierig ist das?

Ich kann schon ganz normal gehen oder Auto fahren. Aber wenn ich länger auf den Beinen bin, beim Treppenlaufen oder wenn ich schwere Sachen trage, dann merke ich es schon. Wenn ich zu viel mache, habe ich Schmerzen im Knie.

Wird einem in solchen Momenten noch mehr bewusst, dass der Körper unser Kapital ist?

Zu hundert Prozent. Im Moment kann ich mich nicht einmal beschwerdefrei hinknien. Da mache ich mir natürlich auch Gedanken um meine Zukunft. Es ist ja nicht nur das linke Knie. Ich hatte ja schon mehrere Verletzungen. Da zwickt es mal hier und mal da.

„Der Wechsel zum BVB war mit die beste Entscheidung, die ich getroffen habe.“

Sie haben den Schritt nach Dortmund damals bewusst gemacht, um aus Ihrem gewohnten Umfeld auszubrechen und etwas Neues kennenzulernen. War die Entscheidung trotz der Verletzung die richtige?

Es war mit die beste Entscheidung, die ich getroffen habe. Ich bereue es keine Sekunde und bin superglücklich, dass ich es gemacht habe. Und total traurig, dass es so schnell vorbei war.

Sie sind dann nach Süddeutschland zurückgekehrt.

Ich bin ziemlich zeitnah zurück, und ich werde dort nun gemeinsam mit meinem Freund sesshaft (lacht). Zumal ich bereits eine Arbeitsstelle in der Nähe gefunden habe. Ich sehe einfach, dass es bei mir jetzt auch anders weitergeht. Auch wenn es ein anderer Lebensrhythmus sein wird.

Sie haben Handball gespielt, seit Sie sechs Jahre alt sind …

Seit jetzt 21 Jahren …

Wie sehr werden Sie es vermissen, ständig in der Halle zu sein?

Ich vermisse es schon jetzt, und ich freue mich immer, wenn ich bei einem unserer Spiele dabei war. Ich freue mich auch heute schon darauf, die Mädels am Samstag (18.00 Uhr gegen SV Union Halle-Neustadt, Anm. d. Red.) beim letzten Spiel zu sehen.

„Dieses Zusammengehörigkeitsgefühl mit den Mitspielerinnen fehlt mir schon sehr.“

Kann man so ein Spiel genießen, wenn man weiß, dass es selbst nicht weitergeht?

Nicht wirklich. Ich wäre schon lieber dabei als daneben zu sitzen. Und ich bin schon ein wenig wehmütig, dass es so ist. Und dass ich zu keiner Mannschaft mehr gehöre. Dieses Zusammengehörigkeitsgefühl mit den Mitspielerinnen fehlt mir schon sehr.

Wie schwierig wird der Abschied am Samstag?

Es wird mir schon schwerfallen. Aber da gibt es sicherlich noch andere, für die es noch viel schwerer werden wird, weil sie eben schon länger in Dortmund gespielt haben. Clara (Woltering) oder Anne (Müller) zum Beispiel. Grundsätzlich freue ich mich aber erst einmal, alle wieder zu sehen. Ich möchte mich einfach für die tolle Zeit bedanken, die wir trotz allem hatten. Alle haben mir so viel Wertschätzung und Respekt entgegengebracht – auch nach der Verletzung.

Wird Ihr neues Leben ein Leben komplett ohne Handball sein?

Ich hoffe nicht. Es gibt zwar noch keine konkreten Überlegungen. Aber dass ich irgendwann mal wieder in der Halle stehe, kann ich mich sehr gut vorstellen. Vielleicht werde ich eine Trainerlizenz machen und dann hier in der Region mal eine C- oder eine D-Jugend trainieren und das Wissen, das ich mir in der ersten und zweiten Liga angeeignet habe, weitergeben. Aber kurzfristig werde ich erstmal etwas Abstand vom Handball brauchen.

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