Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Rentsch spricht nach BVB-Abschied von fehlender Vertrauensbasis

dzBVB-Handballfrauen

Zwei Tage dem 21:23 in Leverkusen steht der BVB plötzlich ohne Cheftrainer da. Norman Rentsch verlässt den Bundesligisten auf eigenen Wunsch und spricht von nicht eingehaltenen Absprachen.

Dortmund

, 19.09.2018 / Lesedauer: 4 min

Es sollte die große Liebe sein, am Ende wurde es doch nur eine kurze Affäre: Trainer Norman Rentsch und Borussia Dortmund gehen nach nicht einmal drei Monaten gemeinsamer Arbeit ab sofort getrennte Wege.

Rentsch habe die Abteilungsvorstände Andreas Heiermann und Andreas Bartels „um sofortige Vertragsauflösung“ gebeten, so heißt es in einer Mitteilung des Vereins. Als Grund für die Bitte des Trainers nannte der BVB die Entfernung zwischen dessen Hauptwohnsitz im Erzgebirge und dem Arbeitsplatz in Dortmund.

„Ein für alle Seiten tragfähiger Kompromiss, was das Thema Heimfahrten anbelangt, konnte nicht gefunden werden. Aus sportlicher und menschlicher Sicht bedauerlich, aus organisatorischer Sicht am Ende alternativlos“, erklärte der Verein.

Rentsch widerspricht Darstellung

Der Abteilungsvorstand um Heiermann und Bartels stand am Dienstag für weitere Nachfragen nicht zur Verfügung. Dafür äußerte sich Norman Rentsch. Der 38 Jahre alte Trainer widersprach der Darstellung des Vereins, er habe aufgrund der Entfernung beim BVB aufgehört. „Die Reisestrapazen waren mir bewusst, und meine Familie stand hinter mir. Daher gibt es keinen Kündigungsgrund aus familiärer Sicht, sondern eher aus der Nichterfüllung von Absprachen.“

Rentsch, der den Verein am Montag von seinem Schritt in Kenntnis setzte, monierte, „dass eine Vertrauensbasis aufgrund nicht eingehaltener Vertragsabsprachen weg war“. Dazu kommt: „Ich habe bis heute noch keinen von beiden Seiten unterschriebenen Vertrag vorliegen, daher kam es zwangsläufig zu einem unbefristeten Arbeitsvertrag. Dies war auf keinen Fall mein Anliegen. Da sich daraus Rechte, Pflichten und bestehende Absprachen neu gestalten.“ Diesen Vertrag habe er nun „fristgerecht gekündigt“.

Emotionaler Abschied von der Mannschaft

Abteilungsvorstand und Trainer informierten die Mannschaft unabhängig voneinander am Dienstagvormittag. „Das hat niemand von uns Spielerinnen kommen sehen“, sagte Svenja Huber und bezeichnete die Trennung als „riesigen Schock. Das muss man erstmal sacken lassen.“ Auch Nadja Mansson zeigte sich „überrascht“ von der Entscheidung. „Das war zu keinem Zeitpunkt ein Thema bei uns und kam wie aus dem Nichts.“

Ohnehin galt das Verhältnis zwischen Spielerinnen und Trainer als absolut intakt. „Für die Mannschaft tut es mir sehr leid“, sagte der scheidende Trainer. „Ich hatte bislang noch nie ein so emotionales Verhältnis zu einem Team nach so kurzer Zeit, und ich bin sehr dankbar dafür, dass ich mit diesen Mädels arbeiten durfte.“

Rentsch, so heißt es aus der Mannschaft, sei immer offen und ehrlich mit den Spielerinnen umgegangen. Auch sein Training und seine Spielphilosophie seien durchweg positiv angenommen worden. „Er ist ein emotionaler und engagierter Trainer, der mit Herz, Leib und Seele dabei ist“, sagte Nadja Mansson. Und Huber erklärte: „Die Bindung zwischen Mannschaft und Trainer war trotz der kurzen Zeit, die wir zusammenarbeiten, bereits sehr eng.“

Gino Smits übernimmt als Interimstrainer

Am Dienstagvormittag fand diese innige Beziehung nun ihr jähes Ende. Das Training am Abend leitete bereits Interimscoach Gino Smits. Der Abteilungsvorstand habe ihn am Montagabend gefragt, ob er im Falle einer möglichen Trennung zur Verfügung stünde. Smits stand zur Verfügung und sagte kurzerhand zu. „Ich bin Arbeitnehmer des BVB, natürlich helfe ich da der Mannschaft.“

Rentsch spricht nach BVB-Abschied von fehlender Vertrauensbasis

Gino Smits übernimmt vorerst das Traineramt bei den BVB-Handballerinnen. Für den Niederländer geht es nun vorerst darum, die Mannschaft auf Kurs zu bringen. © Schuetze

Wie die Spielerinnen wurde auch Smits überrascht von den Ereignissen der vergangenen Tage, die er sehr bedauert. „Ich habe sehr gerne mit Norman zusammengearbeitet, weil wir die gleiche Philosophie haben und es auch menschlich gut gepasst hat.“ Für den Niederländer geht es nun vorerst darum, die Mannschaft auf Kurs zu bringen.

BVB trifft auf Metzingen

Am Samstag steht das wichtige Heimspiel gegen die TuSsies Metzingen an. Nach dem Start mit 1:3 Punkten aus den ersten beiden Partien stehen die Schwarzgelben zumindest ein wenig unter Druck. „Wir müssen jetzt erst einmal die Emotionen rauskriegen“, sagte Smits. Erst in den kommenden Tagen will er spielerische und taktische Elemente in den Fokus rücken. „Wir werden schauen, dass wir unseren Rhythmus zeitnah finden. An ein langfristiges Engagement als Trainer der ersten Mannschaft denkt er derweil nicht. „Ich habe im Sommer einen Vertrag über zwei Jahre als Leiter des Nachwuchszentrums unterschrieben. Das ist meine Aufgabe.“

BVB-Frauen wollen Fokus aufs Wesentliche legen

Auch die Mannschaft versucht, sich vorerst auf dass Wesentliche zu konzentrieren. Leicht fällt es nicht. „Wir haben am Samstag ein wichtiges Spiel, und natürlich müssen wir da professionell herangehen“, sagte Svenja Huber. „Aber im Moment muss man uns aus zugestehen, dass es uns auf der menschlichen Ebene extrem trifft.“ Denn auch bei einer Affäre kann ein Abschied durchaus schwerfallen.

Standpunkt von Oliver Brand: Verein steckt im Dilemma: Nach einer turbulenten Spielzeit, die mit der Trennung von Ildiko Barna im März ihren Höhepunkt gefunden hatte, hegten sie beim BVB nur einen Wunsch fürs neue Jahr: Ruhe. Damit dürfte es seit Dienstagnachmittag und dem Abschied von Trainer Norman Rentsch vorerst allerdings vorbei sein. In Rentsch verlässt nun ausgerechnet der Mann den Verein, der ihn in ruhigere Gewässer und eine erfolgreiche Zukunft hätte führen sollen. Der BVB steckt im Dilemma. Einen Nachfolger, der den eingeschlagenen Weg fortsetzen kann, dürfte auf die Schnelle nur schwerlich zu finden sein. Ob wirklich die Entfernung am Ende der ausschlaggebende Grund für das Aus gewesen ist, dürfte in der Tat fraglich sein. Denn dass das Erzgebirge und Dortmund nicht gerade um die Ecke liegen, war auch schon vor der Saison bekannt. Rentsch nannte andere Beweggründe – und so ist es mit der Ruhe vorerst auch schon wieder vorbei.
Lesen Sie jetzt

BVB-Jugendabteilung

Gino Smits ist der neue starke Mann im Handball-Nachwuchs von Borussia Dortmund

Als Leiter des Nachwuchszentrums beginnt der Niederländer Gino Smits in der Handballabteilung des BVB. Die erfolgreiche Jugendarbeit soll noch besser werden - mit Ideen aus der Heimat.

Lesen Sie jetzt