„Miststück“ - BVB-Neuzugang erhält nach Wechsel mehr als 200 Nachrichten und wird beleidigt

Borussia Dortmund

Borussia Dortmund hat Mia Zschocke als Neuzugang für das Handball-Team vorgestellt. Bei der Verkündung des Transfers bekam sie mehr als 200 Nachrichten, darunter auch viele Beleidigungen.

Dortmund

, 20.03.2021, 10:00 Uhr / Lesedauer: 4 min
Wird kommende Spielzeit für Borussia Dortmund spielen: Mia Zschocke.

Wird kommende Spielzeit für Borussia Dortmund spielen: Mia Zschocke. © BVB

22 Jahre jung, souverän, abgeklärt und kühn. Mia Zschocke weiß, was sie möchte. Die deutsche Nationalspielerin wird im Sommer zu Borussia Dortmund wechseln und dort den Rückraum verstärken.

Dass die talentierte Rechtshänderin den TSV Bayer 04 Leverkusen nach sieben Jahren verlassen wird, hat ihr Klub vor rund einem Monat selbst bekanntgegeben, als der Wechsel noch nicht fix war. Den einen Monat habe sie ganz schön in der Luft gehangen, sagt sie selber. Jetzt ist der Deal abgeschlossen. Doch mit der Verkündung bekam Zschocke viele Nachrichten über die Sozialen Medien.

Etwas mehr als 200 seien in ihr Postfach beispielsweise auf der Foto- und Video-Plattform Instagram eingegangen.

„Vielen Dank für die vielen lieben Nachrichten!“

„Du bist viel zu schlecht. Eigentlich gehört scheiße zu scheiße. Dann hättest du bei den Pillen bleiben sollen. Hoffe der Groener (Henk Groener, Trainer der Handball-Nationalmannschaft; Anm. d. Red.) wird abgelöst und du nie wieder in die DHB-Elf berufen. Miststück“, schrieb ihr dort jemand. Zschocke blieb cool und antwortete ironisch: „Vielen Dank für die vielen lieben Nachrichten!“

Im Interview erklärt sie, was solche Nachrichten mit ihr machen, wieso sie zu Borussia Dortmund wechselt und wie sie die vorzeitige Bekanntmachung Leverkusens wahrgenommen hat.

Mia Zschocke, sieben Jahre waren Sie in Leverkusen, jetzt geht es zu Borussia Dortmund. Wie kam es zu dieser Entscheidung?

Sportlich gesehen ist es einfach der richtige Zeitpunkt. Es bietet sich an, den nächsten Schritt zu machen. Ich merke, dass ich auf einem höheren Niveau spielen möchte und auch kann. Von daher war es ein naheliegender Schritt nach Dortmund zu gehen.

Die offizielle Verkündung des Wechsels hat sich etwas hingezogen. Vor einem Monat hat Leverkusen Ihren Wechsel bekannt gegeben, obwohl dieser zu dem Zeitpunkt noch nicht perfekt war. Wie haben Sie das erlebt?

Leider hat Leverkusen meinen Wechsel zu Dortmund ein bisschen vorweggenommen. Ich wollte immer ehrlich und transparent gegenüber Leverkusen sein, weil ich lange da war. Es ist schade, dass sie mir mit der Pressemitteilung zuvorgekommen sind, es ist aber auch nicht mehr zu ändern. Ich bin froh, dass jetzt alles sicher ist. Den einen Monat habe ich nämlich ganz schön in der Luft gehangen.

„Miststück“ - BVB-Neuzugang erhält nach Wechsel mehr als 200 Nachrichten und wird beleidigt

© Instagram/Screenshot

Ihr Wechsel hat auch viele unschöne Reaktionen hervorgerufen. Es gab Beleidigungen und Anfeindungen. Haben Sie mit solch heftigen Reaktionen gerechnet?

Ich hätte nicht gedacht, dass es solche Reaktionen hervorruft. Mir haben bestimmt über 200 Leute, die mich nicht kennen, bei Instagram geschrieben. Und das waren nicht nur Freunde.

Offensichtlich waren es nicht nur Freunde. Sie wurden auch als „Miststück“ bezeichnet.

Klar ist es nicht schön, beleidigt zu werden. Aber ich denke mir dann nur, dass es Neid ist und die auch gerne auf dem Niveau spielen würden. Vielleicht schlägt auch ein bisschen der Hass vom Fußball über. Dort kennt man es ja auch von Teilen von Fans aus Dortmund oder Köln, die die Leverkusener als „Pillen“ bezeichnen.

Nationalspielerin geht, keine Berufung gegen EHF-Urteil

Wie am Donnerstagmittag bekannt wurde, wird Jennifer Rode Borussia Dortmund zum Saisonende verlassen und sich dem Thüringer HC anschließen. Das gab der THC bekannt. Rode wechselte erst vergangene Saison nach Dortmund, kam im Rückraum aber nur wenig zum Zug. Der BVB hat sich mit ihr auf eine Vertragsauflösung des bis 2022 gültigen Kontrakts geeinigt. Außerdem wird Borussia Dortmund keine Berufung gegen das Urteil der Europäischen Handballföderation (EHF) einlegen, teilten die Verantwortlichen mit. Die EHF hatte entschieden, dass der BVB aus dem Achtelfinale der Champions League rausgeflogen ist, da die Schwarzgelben nicht zu den Spielen gegen Metz Handball angetreten sind. Die Hintergründe dazu gibt es hier.

Sie stehen da drüber höre ich heraus.

Es macht mich noch ehrgeiziger.

Lassen Sie uns über das Sportliche sprechen. Sie sind Rückraum-Spezialistin. Auf welcher Position sehen Sie sich bei Borussia Dortmund?

Mit dem Trainer war verabredet, dass ich eher für den linken Rückraum komme. Ich bin da aber völlig frei, da ich fast jede Position besetzen kann und sie auch gerne spiele. In der Abwehr bin ich sowieso eine Bank und kann alles spielen.

Im linken Rückraum würden Sie in die Fußstapfen von Weltmeisterin Kelly Dulfer treten, die Borussia Dortmund im Sommer verlässt. Ein großes Erbe, das sie da antreten.

Es ist natürlich schwer so eine Spielerin zu ersetzen. Sie spielt auf Weltklasse-Niveau. Es wäre schön, wenn ich das irgendwie schaffen würde, aber ich bin nicht unbedingt der gleiche Spielertyp. Ich versuche so gut es geht in das Puzzle zu passen.

Welche Ziele haben Sie sich für die kommende Spielzeit selbst gesetzt – national wie international?

Wenn man auf die Bundesliga-Tabelle blickt, spielt der BVB ja schon oben mit. Ich will Titel holen. Das ist ein persönliches Ziel von mir. Was in der Champions League geht, weiß ich nicht. Das werden wir dann sehen. Wir sind ein junges Team und müssen von Spiel zu Spiel schauen. Es wäre schön dort das Viertelfinale zu erreichen.

In den vergangenen Wochen hat der BVB einige Abgänge für die kommende Spielzeit vermeldet. Wie hat das auf Sie gewirkt?

Dass viele Spielerinnen gehen, habe ich natürlich auch mitbekommen. Aber es kommen auch viele Leute. Das Team wird verjüngt. Das ist noch mal ein ganz neuer Schritt für die Mannschaft.

Sportlich gesehen ist Borussia Dortmund die Nummer eins in Deutschland in dieser Spielzeit. Wie viel Eindruck hat die aktuelle BVB-Saison auf Sie gemacht? Sie blicken aktuell ja noch von außen auf die Leistung.

Der BVB ist in dieser Saison die Über-Mannschaft. Sie werden Deutscher Meister. Da gibt es für mich kein Bietigheim. Denn sie kommen nur ansatzweise an die Leistung des BVB in dieser Saison heran. Über die ganze Saison hinweg hat Dortmund superklasse gespielt.

Welche Rolle hat Borussia Dortmunds Trainer André Fuhr bei Ihrem Wechsel gespielt?

Er war beim Lehrgang der Nationalmannschaft ein paar Tage unser Trainer. Ich hatte mich dort leider verletzt, habe aber noch unter ihm trainieren können. Er ist ein guter Trainer, der viel individuell arbeiten lässt. Ich konnte mir in der kurzen Zeit viele Tipps einholen. Er kann mich persönlich noch mal richtig weiterentwickeln. Ich glaube, ich war seine Wunschkandidatin. Das freut mich natürlich.


Wie war das Training unter seiner Leitung?

Es war ein sehr hartes und anstrengendes Training. Das gefällt mir aber sehr gut.

Kurz vor der Europameisterschaft im vergangenen Jahr haben Sie sich einen Riss des Syndesmosebandes zugezogen. Wie geht es Ihnen damit mittlerweile?

Ich bin mittlerweile vier Monate verletzt, aber seit ein paar Wochen wieder im Mannschaftstraining dabei. Gerade fehlen noch die letzten Prozente, um ins Spiel einzusteigen, aber in zwei bis drei Wochen bin ich bereit und freue mich auf die letzten Spiele mit Leverkusen.

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