Kreuzbandriss bei Delaila Amega - holen die BVB-Frauen eine neue Spielerin?

BVB-Handball-Frauen

Rückraumspielerin Delaila Amega wird den BVB-Handball-Frauen mit einem Kreuzbandriss mehrere Monate fehlen. Holt die Borussia jetzt einen Ersatz für die Niederländerin?

Dortmund

, 22.09.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 3 min
Delaila Amega (r.) hat sich im Spiel gegen Brest Bretagne das Kreuzband gerissen.

Delaila Amega (r.) hat sich im Spiel gegen Brest Bretagne das Kreuzband gerissen. © Stephan Schuetze

Delaila Amega läuft nach einem Pass von Alina Grijseels auf den Mittelblock des Gegners zu, springt an der Neun-Meter-Linie ab und trifft zum 23:37 aus BVB-Sicht. Die Uhr in der Helmut-Körnig-Halle zeigt 21 gespielte Minuten in der zweiten Hälfte der Champions-League-Partie der BVB-Frauen gegen Brest Bretagne an.

In diesem Moment hat sich das Handballspielen für Amega erstmal erledigt. Die Niederländerin knickt beim Aufkommen weg und fasst sich schon im Fallen an das rechte Knie. Die Rückraum-Spielerin, die im Sommer von der TuS Metzingen zum BVB gewechselt war, verlässt kurz darauf gestützt von Kelly Dulfer mit schmerzverzerrtem Gesicht das Feld.

Operation in Straubing

Einen Tag später bringt eine MRT-Untersuchung an Amegas 23. Geburtstag traurige Gewissheit: Die Borussin hat sich das Kreuzband im rechten Knie gerissen – Amega wird dem BVB mindestens sechs Monate fehlen. „Delaila wird am Donnerstag in Straubing operiert“, erklärt Andreas Bartels, stellvertretender Abteilungsvorstand.

André Fuhr beobachtete die Szene am Sonntagnachmittag in der Helmut-Körnig-Halle mit versteinerter Miene. Was sich da vor seinen Augen abgespielt hat, ist für den BVB-Coach leider nichts Neues: Im Februar vergangenen Jahres, Fuhr trug an der Seitenlinie noch die Farben der TuS Metzingen, verletzte sich Delaila Amega, zu diesem Zeitpunkt TuS-Spielerin, im Bundesligaspiel gegen Bietigheim. Die Diagnose damals: Kreuzbandriss im linken Knie. Heute, eineinhalb Jahre später, ist es die gleiche Verletzung im rechten Knie.

André Fuhr: „Delaila ist total niedergeschlagen“

„Das ist richtig bitter“, kommentiert Fuhr einen Tag nach der Schock-Diagnose, „Delaila ist natürlich total niedergeschlagen.“ Die 23-Jährige hatte bei der deutlichen Niederlage gegen Brest Bretagne bis zu ihrer Verletzung eine ordentliche Leistung gezeigt, die Niederländerin schien in ihrem vierten Pflichtspiel für Schwarzgelb endlich angekommen zu sein. „Das macht das Ganze natürlich umso bitterer“, sagt Fuhr, „bei sowas gibt es einfach keine tröstenden Worte“.

André Fuhr muss mindestens sechs Monate auf Delaila Amega verzichten.

André Fuhr muss mindestens sechs Monate auf Delaila Amega verzichten. © Stephan Schuetze

Die Verletzung von Amega nach nur vier Pflichtspielen setzt die Dortmunder jetzt eigentlich unter Zugzwang: Fuhr hatte schon vor der Saison erklärt, dass er sich noch eine weitere Spielerin gewünscht hätte, um seinen Kader in der Breite zu verstärken.

Bis zum Februar haben die Handballerinnen theoretisch Zeit noch „nachzujustieren“, wie es Andreas Bartels genannt hatte. Auf den BVB kommen bis in den November fast nur noch Englische Wochen zu, es gibt so gut wie keine Regenerationsphasen. „Wir müssen dringend etwas tun“, fordert Fuhr mit Blick auf seinen Kader.

Ist Andreas Bartels also schon aktiv auf der Suche nach einer neuen Borussin? „Nein, ich glaube nicht, dass es zeitnah eine Verpflichtung geben wird“, so das Vorstandsmitglied. Bartels habe Vertrauen in den Kader, Spielerinnen wie Alina Grijseels und Inger Smits könnten den Verlust von Amega ausgleichen. Dass der BVB bis zum Februar noch eine weitere Spielerin verpflichte, sei zwar nicht ausgeschlossen, „wir halten immer die Augen und Ohren offen“, aktiv auf der Suche sei Bartels aber nicht.

BVB steht vor seinem dritten Bundesligaspiel gegen den Buxtehuder SV

Neben den Diskussionen um eine mögliche neue Spielerin haben die Borussen eigentlich keine Zeit, um den Verlust von Delaila Amega zu betrauern: Nach dem Königsklassen-Spiel am Sonntag steht am morgigen Mittwoch schon das nächste Bundesliga-Spiel für Schwarzgelb auf dem Plan. Um 19.30 Uhr empfangen die BVB-Frauen in der Halle Wellinghofen den Buxtehuder SV mit Ex-Borussin Caroline Müller-Korn.

Ein Ersatz für Amega wird nicht auf der Bank sitzen, André Fuhr hatte schon vor Saisonbeginn erklärt, dass aktuell niemand aus der Jugend für die erste Mannschaft in Frage komme. Und gerade nach der empfindlichen 29:41-Niederlage in der Champions League braucht der BVB mehr denn je einen Sieg – trotz der schlechte Nachrichten.

Wie sehr die Spielerinnen die Diagnose mitgenommen habe, werde man am Mittwoch auf dem Spielfeld sehen, so Bartels. Natürlich beschäftige das Team die Verletzung von Amega noch, aber die Mannschaft müsse sich unbedingt auf das Buxtehude-Spiel konzentrieren, so Fuhr, der neben Amega immer noch auf Torhüterin Rinka Duijndam verzichten muss.

Trotzdem: „Wir haben in der Bundesliga eine ganz andere Rolle als am Wochenende in der Champions League, wir wollen und müssen unbedingt die beiden Punkte holen“, erklärt André Fuhr. Denn anders als in der Königsklasse, in der der BVB vor allem Erfahrung sammeln will, ist das Ziel in der Bundesliga klar: Jedes Spiel gewinnen und am Ende ganz oben stehen.

Genau das sollen die Borussinnen am Mittwochabend gegen Buxtehude, das bisher einen Sieg und zwei Niederlagen auf dem Konto hat, auf die Platte bringen. Auch wenn Delaila Amega in den kommenden Monaten nicht dabei sein wird.

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