Gesund und glücklich: Carolin Schmele ist zurück

Comeback in Leipzig

Es war am Samstag in Leipzig, als das Ende der langen Leidenszeit der Rückraumspielerin von Borussia Dortmund endgültig besiegelt wurde. Und diesen kleinen Blick in ihr Gefühlsleben wollte sie dann doch gestatten. „Ich liebe Handball“, sagt Carolin Schmele, „und deshalb war ich auch am Wochenende überglücklich, endlich wieder auf dem Parkett stehen zu können“.

DORTMUND

, 12.04.2017, 09:45 Uhr / Lesedauer: 2 min
Gesund und glücklich: Carolin Schmele ist zurück

Carolin Schmele (r.) wird den BVB verlassen.

Schon am Abend vorher sei sie mit dem Gedanken zu Bett gegangen, „oh je, morgen darfst du wirklich wieder spielen“, ja, sie sei wirklich wieder nervös gewesen, das altbekannte und auch beliebte Kribbeln war wieder da, „ich habe mich einfach unheimlich gefreut, wieder dabei zu sein“.

Hartnäckige Schambeinentzündung

Fünf Monate hatte sie zuschauen müssen, viel länger als sie je befürchtet hatte. Die Schambeinentzündung war hartnäckiger als vorausgesagt, es ist müßig zu fragen, ob in der Zeit immer alles richtig gelaufen ist. Sie hat gezweifelt, war manchmal auch verzweifelt, es hat sie natürlich gewurmt, sie wollte nicht als „ständige Verletzte“ gelten. „Es war eine harte Zeit, ich habe schon gelitten“ sagt sie heute, auch wenn es ihr meist gelang, ihre Emotionen zu verbergen, ihre Wut über die Zwangspause zu verstecken.

Aufgeben galt nicht, „ich habe einfach immer Lust, bin immer motiviert, Handball zu spielen“, sagt die 26-Jährige. Es machte die ganze Sache nicht einfacher, immer wieder zu spüren, auch immer wieder zu hören, wie sehr sie vermisst wurde. Eine Shooterin, die aus dem Rückraum auch mal ein paar sogenannte einfache Tore wirft, die ihrem Team in engen Situationen hilft. Vielleicht auch eine Leaderin, die vorangeht.

Vier Tore in 20 Minuten

Nun also das Comeback. „Ich habe jetzt auch wirklich genug Pech gehabt“, sagt sie, sie hat schon das Gefühl, dass sie es jetzt einfach mal verdient hat, gesund zu bleiben. Mehr als 20 Minuten war sie schon wieder auf dem Feld, versenkte den Ball viermal im gegnerischen Tor, bewies bei einem Siebenmeter auch schon wieder gute Nerven. Sie habe nicht die geringsten Schmerzen mehr verspürt, sagt sie, und es klingt so, als sei sie selbst darüber ein wenig überrascht. Sie habe sich gut gefühlt, und fühle sich auch jetzt so, und der kleine Muskelkater, der ist eher eine Auszeichnung.

Natürlich sei sie von der Topform noch ein Stück entfernt, „aber das ist ja selbstverständlich beim ersten Spiel nach einer solchen Pause“. Aber unter dem Strich war sie zufrieden, so „kann es weitergehen“. Und sie war gleich wieder mittendrin statt nur irgendwie dabei. Die 23:27-Niederlage in Leipzig fuchst sie auch Tage später noch, „nötig war das nun wirklich nicht, wir hatten so große Ambitionen“. Aber dann haben die BVB-Frauen nicht die mögliche Leistung aufs Parkett gebracht, „das ist uns auswärts leider nicht zum ersten Mal passiert“.

Vertragsgespräche nach Ostern

Am Ostersamstag, gegen Neckarsulm in heimischer Halle, soll alles wieder besser werden. Carolin Schmele will eine „ordentliche Leistung“ abliefern, sie will in der Endphase der Saison schon zeigen, wie wertvoll sie sein kann. Sie gehört zu den mündigen Spielerinnen, zu denen, die auch bereit sind, ihre Meinung zu sagen, auch wenn es nicht allen gerade so passt. In der Woche nach Ostern werde es voraussichtlich Gespräche mit der Trainerin und der Abteilung geben, ob sie weiter das schwarzgelbe Trikot tragen wird. Natürlich könne sie sich gut vorstellen, „hier beim BVB zu bleiben“, natürlich freut es sie, dass Ildiko Barna sich für eine Vertragsverlängerung stark macht, „sie kennt meine Qualitäten“. 

Sie hat hier einen Job als Produktmanagerin, das passt. Aber passt sie auch in die Personalplanungen, in den Finanzrahmen? „Ich bin ergebnisoffen“, sagt die 26-Jährige, und will auch gar nicht verhehlen, dass sie auch Kontakte zu anderen Vereinen hat. Aber nichts drängt sie – Carolin Schmele hat es gelernt, geduldig zu sein.

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