Erstes BVB-Champions-League-Spiel in Dortmund: „Passiert das wirklich gerade?“

BVB-Handball-Frauen

Für die BVB-Frauen steht gegen Brest Bretagne das zweite Champions-League-Spiel an. Borussin Tessa van Zijl wollte zum Spiel eigentlich ihren Vater begrüßen - Corona hat den Plan aber durchkreuzt.

Dortmund

, 19.09.2020, 11:00 Uhr / Lesedauer: 3 min
Tessa van Zijl hat gegen Odense ihr erstes Champions-League-Spiel bestritten.

Tessa van Zijl hat gegen Odense ihr erstes Champions-League-Spiel bestritten. © BVB/Stummbillig

Nach der Niederlage im ersten Champions-League-Spiel der Vereinsgeschichte im dänischen Odense (27:32) haben die BVB-Frauen schon am Sonntag die Chance auf den ersten Sieg in der Königsklasse. Um 16 Uhr erwarten die Borussinnen in der Helmut-Körnig-Halle neben 300 Zuschauern die Handballerinnen aus dem französischen Brest zum zweiten CL-Spieltag. „Brest hat vor allem starke Einzelspielerinnen“, erklärt Andreas Bartels, stellvertretender Abteilungsleiter, und spielt damit unter anderem auf die dänische Nationaltorhüterin Sandra Toft und Spielmacherin Isabelle Gulldén (Schweden) an.

Die Französinnen sind gut in die Saison gestartet und kommen mit weißer Weste nach Dortmund: Brest hat seine ersten beiden Ligaspiele in Frankreich genauso wie das erste CL-Spiel gegen Ramnicu Valcea (28:21) gewonnen. Für Bartels gilt bei der Königsklassen-Heimpremiere trotzdem das gleiche wie schon gegen Odense: „Wenn wir 60 Minuten das zeigen, was wir können, dann können wir auch Brest schlagen.“

Für BVB-Torhüterin Rinka Duijndam (Oberschenkel) kommt das Spiel wahrscheinlich immer noch zu früh, ansonsten stehen Trainer André Fuhr alle Spielerinnen zur Verfügung. Gute Chancen auf die Startsieben wird dabei wieder Tessa van Zijl (24) haben. Die Niederländerin, die im Sommer von Fuhrs Ex-Verein Blomberg zum BVB wechselte, startete bisher in allen drei Pflichtspielen auf Halbrechts. Auch für die Linkshänderin war es gegen Odense die Champions-League-Premiere – mit dabei eine große Portion Nervosität.

Frau van Zijl, was war es für ein Gefühl, das erste Mal in Ihrem Leben bei einem Champions-League-Spiel auf dem Feld zu stehen?

Ich glaube, wir waren alle aufgeregt, ich war es auf jeden Fall viel mehr als vor einem Bundesligaspiel. (lacht) Das war einfach ein geiles Gefühl.

Es war auch in der Vereinsgeschichte von Borussia Dortmund das erste Königsklassen-Spiel – und Sie standen dabei in der Startsieben.

Das war wirklich mega cool, das zeigt mir, dass der Trainer Vertrauen in mich hat, das ist wirklich schön.

Sie standen auch bei den beiden Bundesliga-Siegen gegen Rosengarten und Oldenburg von Anfang an auf der Platte. Haben Sie bei Ihrem Wechsel nach Dortmund damit gerechnet, dass sie regelmäßig in der Startsieben stehen werden?

Nein, eigentlich nicht. Wir haben einen megaguten Kader, die Unterschiede zwischen den Spielerinnen sind nicht groß. Ob André (Fuhr, Anm. d. Red.) jetzt mit mir startet oder jemand anderem, macht leistungsmäßig nicht viel aus.

Tessa van Zijl spielt seit dieser Saison für den BVB und startete vorher drei Jahre für die HSG Blomberg-Lippe.

Tessa van Zijl spielt seit dieser Saison für den BVB und startete vorher drei Jahre für die HSG Blomberg-Lippe. © Ludewig

Auf Halbrechts stehen dem BVB mit Jennifer Rode und Inger Smits zwei weitere starke Spielerinnen zur Verfügung. Wir stark ist der Konkurrenzkampf innerhalb des Teams?

Natürlich willst du immer gut trainieren und dem Trainer so zeigen, dass du im nächsten Spiel anfangen willst und kannst. Aber wenn es mal nicht mein Tag ist, dann hoffe ich, dass die anderen gut drauf sind und die Tore machen. Am Ende geht es darum, dass wir zusammen unsere Spiele gewinnen.

Im ersten Champions-League-Spiel gab es eine Niederlage gegen Odense – Sie waren allerdings alles andere als chancenlos...

Ja, das ist natürlich mega schade gewesen, wir hätten die Punkte eigentlich holen können. Aber wir haben so viele Spiele, da bleibt keine Zeit, sich zu ärgern. Es ist einfach richtig cool, gegen so starke Teams zu spielen, und ich hoffe, dass wir noch ein paar Punkte holen können.

Am Sonntag kommt mit Brest Bretagne gleich der nächste Gegner in der Königsklasse.

Genau, die sind wirklich stark. Wir haben uns unter der Woche schon vorbereitet, machen am Freitag noch eine detaillierte Videoanalyse und trainieren am Samstag schonmal in der Helmut-Körnig-Halle.

Noch etwas, was die internationalen Spiele mit sich bringen: Sie werden aktuell zwei Mal in der Woche auf das Coronavirus getestet, ist das für Sie schon Normalität?

Mittlerweile ja. Am Anfang hatte man wirklich ein bisschen Angst, aber wir achten in der Mannschaft alle sehr darauf, uns von Menschenmassen fernzuhalten. Angst habe ich jetzt keine mehr und eigentlich auch immer ein gutes Gefühl.

Das Virus macht auch vor Ihrer Heimat keinen Halt: Gerade hat das Auswärtige Amt eine Reisewarnung für die niederländischen Provinzen Nord- und Südholland ausgesprochen. Davon ist auch Ihre Familie betroffen.

Genau, jetzt gerade könnte ich meine Familie nicht besuchen. Mein Papa wollte am Wochenende eigentlich zum Spiel gegen Brest nach Dortmund kommen, aber ich musste ihm absagen. Es ist einfach zu gefährlich für ihn, aber auch für uns, das ist jetzt leider so. Sonst kommen Familie und Freunde oft zu meinen Spielen.

Dabei kommen Sie gar nicht aus einer Handballer-Familie.

(lacht) Nein, gar nicht. Wir sind aber alle sportlich, mein Bruder hat gerne Fußball gespielt, meine Eltern sind gerne gelaufen und Rennrad gefahren. Ich wollte auch immer laufen wie meine Eltern, aber meine Mutter hat mich irgendwann zum Handballtraining geschickt. In der Straße, in der wir gewohnt haben, gab es einen Verein. Seitdem bin ich verliebt in den Handball.

Und mittlerweile spielen Sie um die Meisterschaft, den DHB-Pokal und in der Champions League...

Ja, das ist wirklich alles unglaublich. Ich habe es auch noch gar nicht so bewusst realisiert, dass wir in der Champions League spielen und nach dem Odense-Spiel gedacht: Ist das jetzt gerade wirklich passiert? (lacht)

Gegen Brest steht am Sonntag schon das nächste Königsklassen-Spiel an. Was haben Sie sich persönlich vorgenommen – abgesehen von einem Sieg?

Ich habe gegen Odense leider nicht getroffen, ich möchte gerne mein erstes Champions-League-Tor machen.

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