Eine Weltmeisterin der BVB-Frauen hat das Handballspielen im Blut

BVB-Handball-Frauen

Delaila Amega ist eine von acht Niederländerinnen beim BVB und hat klare Ziele für die anstehende Saison. Die 22-Jährige freut eine Sache an ihrer neuen Heimat Dortmund ganz besonders.

Dortmund

, 01.09.2020, 19:05 Uhr / Lesedauer: 4 min
Delaila Amega wird in der kommenden Spielzeit für den BVB auf Torejagd gehen. Auf das Duell mit ihrem Ex-Verein Metzingen freut sich die Niederländerin besonders.

Delaila Amega wird in der kommenden Spielzeit für den BVB auf Torejagd gehen. Auf das Duell mit ihrem Ex-Verein Metzingen freut sich die Niederländerin besonders. © Ludewig

Das Wochenende hat Delaila Amega in den Niederlanden verbracht. „Ich“, erklärt die 22-Jährige mit dem wilden Lockenkopf, „war mit meinem Hund zuhause bei meiner Familie, die paar Tage haben echt gutgetan.“ Samstag, Sonntag und Montag. Nach sieben langen Wochen Saisonvorbereitung mit den BVB-Handball-Frauen hatten die Rückraumspielerin und ihre Kolleginnen drei Tage Freizeit, bevor es am Dienstag mit der Vorbereitung auf das erste Saisonspiel am Samstag losging.

Ich habe den Kopf frei bekommen und ein bisschen relaxt, jetzt bin ich bereit für die neue Saison“, erklärt die niederländische Nationalspielerin, die seit dem 1. Juli eine echte Borussin ist. Davor lief die Spielmacherin für Liga-Konkurrent TuS Metzingen auf – das Team, das es in der vergangenen Saison als einziges geschafft hat, den BVB zu schlagen. „Da haben wir ein richtig starkes Spiel gemacht“, erinnert Amega sich, die insgesamt vier Spielzeiten im pinken Trikot der „TuSsies“ auf Torejagd gegangen ist. In der Saison 2018/2019 sogar unter BVB-Coach André Fuhr, der die Metzingerinnen eine Saison lang trainierte.

Dass die Vorbereitung beim ihrem alten, neuen Trainer also kein Zuckerschlecken werden würde, war Amega schon vorher klar. Aber, auch wenn das Training hart sei, „wir haben als Mannschaft von Anfang an sehr gut zusammen trainiert, so macht das Ganze trotz aller Härte auch Spaß“, erklärt die 22-Jährige, für die die Eingewöhnung bei den Borussinnen alles andere als schwierig war. Nicht nur ihren Trainer und Torhüterin Isabell Roch, die 2019 von Metzingen zum BVB wechselte, kannte die Niederländerin schon: Mit Amega spielen in der kommenden Saison insgesamt acht Holländerinnen im schwarzgelben Trikot, mit Kelly Dulfer, Merel Freriks, Inger Smits und Rinka Duijndam ist die 20-fache Nationalspielerin im vergangenen Dezember Weltmeisterin in Japan geworden.

Delaila Amega hat kurze Wege in die holländische Heimat

„Ich habe viele Freundinnen und Bekannte hier, das macht es schon ein bisschen einfacher“, sagt Amega, die mit 18 Jahren aus ihrer Heimat nach Metzingen zog, mit starkem holländischen Akzent. Dass sie so viele Landsfrauen in ihrer neuen Mannschaft hat, „macht mein Deutsch bestimmt nicht besser“, sagt die Handballerin und lacht. Spaß beiseite: Natürlich sprechen Amega und die anderen Oranje-Spielerinnen Deutsch, wenn ihre Mitspielerinnen dabei sind.

Delaila Amega

Delaila Amega © Ludewig

Und nach vier Jahren in Deutschland beherrscht Amega die Sprache trotz Akzent perfekt, auch der Umzug nach Dortmund war kein Problem – immerhin hat die Niederländerin schon vier Jahre im baden-württembergischen Metzingen gewohnt. Auch wenn die 22-Jährige von ihrer neuen Heimat noch nicht so viel gesehen hat, Dortmund gefällt der Holländerin. Auch, weil Amega viel schneller bei ihrer Familie in den Niederlanden sein kann. Sieben Stunden waren es von Metzingen aus, aus dem Ruhrgebiet sind es nur knapp drei.

Wenn ich in Metzingen mal spontan einen oder zwei Tage frei hatte“, erklärt die Neu-Borussin, „dann bin ich nicht sofort nach Hause gefahren, weil das viel zu weit war. Aber jetzt ist das schon möglich, das ist echt schön.“ Alleine ist die Niederländerin aber sowieso nicht in Dortmund. Immer dabei ist nämlich Nola. Seit zwei Jahren begleitet die kleine Hündin Amega, „sie ist meine beste Freundin“, erklärt die Profisportlerin, die ihre Freizeit am liebsten mit langen Spaziergängen mit ihrer treuen Begleiterin verbringt. Auch sonst mag es die Niederländerin abseits der Sporthalle lieber ruhig, trifft sich gerne mit ihren neuen Kolleginnen zum Kochen.

Delaila Amega ist im Rückraum flexibel einsetzbar

Auf dem Feld sieht es ganz anders aus. Amega geht als Mittelspielerin auch gerne mal dahin, wo es wehtut, trifft aber auch bei Würfen aus dem Rückraum. „Ich bin, was meine Position angeht, sowieso flexibel“, erklärt die niederländische Nationalspielerin, „ich fange immer in der Mitte an und lande dann im Laufe eines Angriffs irgendwo im Rückraum.“ Das ist auch genau das, was BVB-Trainer André Fuhr von seinen Spielerinnen verlangt – oder mit Blick auf die lange Saison und die vielen Spiele auch verlangen muss.

Delaila kann mit ihrer Beweglichkeit und ihren technischen Möglichkeiten im Wurf jede Position spielen“, erklärt der BVB-Trainer, der die Niederländerin grundsätzlich aber zusammen mit Alina Grijseels auf der Mitte einplant. „In der Vorbereitung war mal Delaila besser, dann wieder Alina“, erzählt Fuhr, so eine Konstellation würde den Borussinnen auch in der Saison weiterhelfen. Hat eine der beiden mal einen schlechten Tag, könne die andere einspringen. Bei über 40 Spielen natürlich das, was sich ein Trainer wünscht.

Das Spiel gegen die TuS Metzingen wird besonders für Delaila Amega

Delaila Amega geht währenddessen mit einem ganz klaren Ziel in die Spielzeit: „Ich glaube, unser Ziel sollte es sein, immer das Beste rauszuholen“, erklärt die Weltmeisterin mit Blick auf die Champions League, geht dann aber noch einen Schritt weiter: „In der Bundesliga sollte es schon unser Ziel sein, alles zu gewinnen, aber da wird es auch schwierige Spiele geben.“ Amega denkt da natürlich an Bietigheim aber auch an Thüringen und ihren Ex-Verein Metzingen – auf das Spiel freut sich die Niederländerin ganz besonders.

Vor allem hofft Amega, dass die Corona-Situation es irgendwann wieder zulässt, dass wieder mehr Zuschauer dabei sein dürfen, denn ihre Familie ist eigentlich so oft es geht dabei. „Die sind natürlich alle sehr stolz“, erklärt Amega, der das Handballspielen im Blut liegt. „Meine Mutter, meine Großeltern und viele meiner Tanten haben selbst Handball gespielt“, erklärt die 22-Jährige, die mit sieben Jahren das erste Mal auf der Platte stand.

Trotzdem wird es aufgrund der Corona-Situation wahrscheinlich erstmal dauern, bis Familie Amega ihre Tochter das erste Mal im schwarzgelben Trikot spielen sehen wird – stattdessen werden sich die Niederländer mit normalen Besuchen begnügen müssen, und auch die werden knapp bemessen sein: Nach der nächsten freien Woche im ihrem Kalender sucht Delaila Amega erst gar nicht. „An freie Tage sollte man jetzt erstmal nicht denken“, erklärt die Niederländerin. Sollte André Fuhr seinen Schützlingen in der Saison aber doch mal ein Tag Pause gönnen, nimmt Amega die drei Stunden Autofahrt sicher gerne auf sich.

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