Der BVB um Mia Zschocke trägt sein Heim-Champions-League-Spiel gegen Rostov nicht in Dortmund aus © Ludewig
BVB Handball

Der BVB hat endlich eine Halle für die Champions League gefunden – nicht in Dortmund

Gibt‘s keinen Platz für den Deutschen Meister? In Dortmund offensichtlich nicht. Das Champions League-Spiel der BVB-Handballerinnen gegen Dortmunds Partnerstadt Rostov/Don findet aber statt.

Die Handballerinnen von Borussia Dortmund, immerhin amtierender Deutscher Meister und aktuell mit großen Chancen, zu den zehn besten Teams Europas zu gehören, verlassen die Stadt. Nicht freiwillig, sondern notgedrungen. Kaum zu glauben. Aber für Deutschlands erfolgreichste Frauenhandball-Mannschaft ist es seitens der Stadt Dortmund offensichtlich nicht möglich, einen Hallentermin für das Champions League-Spiel gegen Rostov/Don zu finden.

Jetzt zog BVB-Abteilungsleiter Andreas Heiermann die Reißleine. Er verlässt die Stadt und wird das Champions League-Spiel gegen Dortmunds Partnerstadt am 15. Januar in Wuppertal austragen lassen. „Ich empfinde die abweisende Art in Dortmund als unzumutbar, in Wuppertal wurden wir freundlichst aufgenommen“, ließ Heiermann seinem Frust freien Lauf.

Worum geht‘s eigentlich? Es geht um ein Thema, das schon monatelang im Raum steht. Und sechs Wochen vor dem geplanten Anpfiff noch immer nicht gelöst ist. Andererseits geht‘s auch um mehr, um das Grundsätzliche. Die Handballerinnen des BVB fühlen sich von der Verwaltung der Stadt gegängelt. Vordergründig geht es um diesen Termin in der höchsten europäischen Spielklasse, aber auch um verschlossene Hallentüren in Wellinghofen, um Harz auf dem Hallenboden, um fehlende Wertschätzung seitens der Stadtverwaltung für eine Mannschaft, die den Namen Dortmund in Europa vertritt.

Und auch um den Wert der Städtepartnerschaft mit Rostov am Don. Heiermann: „Beim Hinspiel in Russland wurden wir extrem freundlich und herzlich aufgenommen, das war nicht selbstverständlich. Und in Dortmund ist es nicht möglich, einen Termin in der Körnig-Halle zu bekommen.“

Es gibt einen langen Mail-Verkehr zwischen Andreas Heiermann und der Verwaltung, in Person von Sportdirektor André Knoche und Friedrich Dieck, Leiter Sportstätten. Dort gäbe es zahlreiche Vorschläge, aber wenig Entgegenkommen.

Fakt ist. Die Partie gegen Rostov am Don war für den 15. Januar langfristig in der Helmut-Körnig-Halle terminiert. Dann kam das BVB-Spiel gegen Freiburg (14. Januar) dazwischen, die Dortmunder Hallenfußball-Stadtmeisterschaft musste ausweichen – und die Handballerinnen standen plötzlich ohne Halle da.

Seitens der Stadt Dortmund wurde daraufhin Mittwoch, der 5. Januar, als Alternative angeboten. Das wiederum lehnte der Europäische Handball-Verband ab. Die ins Spiel gebrachten Termine 12. oder 26. Januar wurden seitens der Stadt negiert. Begründung: Das Training der Leichtathleten. Das bestätige auch LGO-Trainer Pierre Ayadi: „Wir haben uns mit den Handballerinnen immer gut verstanden und möchten das auch weiter. Es stimmt natürlich, dass wir genau dann in der heißen Phase der Vorbereitung sind.“

Auf einen Vergleich mit den Leichtathleten möchte sich Andreas Heiermann nicht einlassen, er wolle sich nicht ausspielen lassen, hier der Handball, dort die Leichtathleten. Es müsse beides möglich sein, bei gutem Willen. „Auf der einen Seite fordert die EHF Planungssicherheit von uns ein, auf der anderen Seite fühlen wir uns als Bittsteller. Ich frage mich immer mehr, wie man so mit Leistungssportlerinnen umgehen kann. Wir spielen in der Handball-Champions League, sind Deutscher Meister und finden keinen Spieltermin gegen Dortmunds Partnerstadt? Das kann doch nicht wahr sein. Das spüren auch unsere Sportlerinnen und der Trainer. Sie haben das Gefühl, dass sie hier nicht willkommen sind“, hielt Heiermann mit seinem Frust nicht hinterm Berg. Und verlässt die Stadt. Nach Wuppertal.

„Wir haben gute Gespräche mit der Stadt Wuppertal geführt, wir gehen dort hin. Am 14. Dezember findet in der Uni Halle eine Ortsbegehung statt“, so der Abteilungs-Chef des BVB. An der Spielstätte des Handball-Bundesligisten Bergischer HC freue man sich schon auf den Besuch aus Dortmund. „Das war für mich eine völlig neue Erfahrung. Nach einer Stunde wurde ich ganz freundlich zurückgerufen und hatte ein Angebot vorliegen, das preislich weit unter dem für die Körnig-Halle liegt“, so Heiermann.

Und dann noch etwas. „Einen Schlüssel, um in die Halle Wellinghofen zu kommen, hat Borussen-Coach André Fuhr noch immer nicht. Kann also gut möglich sein, dass demnächst erneut eine Profi-Handballmannschaft vor verschlossenen Türen steht“, so der BVB-Handball-Chef.

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Ein waschechter Dortmunder, Jahrgang 1957. Vor dem Journalismus lange Jahre Radprofi, danach fast 30 Jahre lang Redakteur bei Dortmunder Tageszeitungen, seit 2015 bei den Ruhr Nachrichten, natürlich im Sport.
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Peter Kehl

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