BVB-Handballerinnen aufgebracht über Liga-Abbruch: „Das kann einfach nicht sein“

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Die Handball-Bundesliga der Frauen wurde abgebrochen. Beim Liga-Spitzenreiter Borussia Dortmund ist man entsetzt über den Entscheidungprozess der Liga - und macht der HBF Vorwürfe.

Dortmund

, 20.03.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Auch einen Tag nach dem Abbruch der Handball-Bundesliga Frauen (HBF) kann Andreas Heiermann es immer noch nicht fassen. „Ich“, sagt der Abteilungsvorstand der BVB-Handballerinnen, „kann das wirklich nicht nachvollziehen. Warum kam diese Entscheidung jetzt? Warum so kurzfristig?“

Nachdem die HBF in der vergangenen Woche entschieden hatte, den Spielbetrieb aufgrund der Coronavirus-Krise bis zum 19. April auszusetzen, veröffentlichte die Liga am Mittwoch um 17 Uhr eine Pressemitteilung, die den sofortigen Abbruch der ersten und zweiten Handball-Bundesliga bekanntgab.

Andreas Heiermann: „Es ist sehr schade und unprofessionell“

Viel eher wusste auch Andreas Heiermann nichts davon. BVB-Trainer André Fuhr war es, der auf der Facebook-Seite von Zweitligist SV Union Halle-Neustadt gegen 15.30 Uhr einen Beitrag entdeckte, der die Nachricht verkündete. Fuhr informierte umgehend Heiermann, der völlig überrascht war – und nicht nur das: „Ich bin mehr als enttäuscht. Es ist sehr schade und unprofessionell“, so der BVB-Handball-Chef, „dass Spielerinnen und Vorstand so etwas über den dritten Weg erfahren müssen“.

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Auf Nachfrage dieser Redaktion erklärte sich die Presseabteilung des HBF am Donnerstag. „Im ersten Schritt wurden am Mittwoch natürlich die Vereine per Mail über den Abbruch der Saison informiert“, sagt HBF-Sprecher Christoph Wendt. Besagte Mail sei um 15.15 Uhr an alle Vereine einschließlich des BVB verschickt worden.

Heiermann: „Wir wurden überhaupt nicht in den Entscheidungsprozess miteinbezogen“

Diese Nachricht sei auch um etwa 15.30 Uhr auf dem allgemeinen Mailaccount der Handball-Abteilung eingegangen, bestätigt Andreas Heiermann. Das ganze allerdings ohne eine Erklärung - auf die wartet der BVB-Vorstand bis heute. Natürlich sei das Coronavirus hochgradig gefährlich, „aber das wussten wir auch schon vor 14 Tagen“, sagt Heiermann, der den Entscheidungsprozess der HBF nicht nachvollziehen kann.

„Wir wurden überhaupt nicht mit einbezogen, ich weiß auch von keinem anderen Verein, dass er in irgendeiner Weise ein Mitspracherecht hatte, das kann einfach nicht sein.“

BVB-Abteilungsvorstand Andreas Heiermann (r.), hier mit BVB-Präsident Reinhard Rauball, ist mit der Vorgehensweise der HBF nicht einverstanden.

BVB-Abteilungsvorstand Andreas Heiermann (r.), hier mit BVB-Präsident Reinhard Rauball, ist mit der Vorgehensweise der HBF nicht einverstanden. © Ludewig

Die HBF sieht das anders. „Es gab einen Austausch mit den Vereinen“, sagt Christoph Wendt, „allerdings nicht in einer Konferenz mit allen, sondern in diversen Gesprächen.“ Stimmt das aus BVB-Sicht? „Nein“, sagt Andreas Heiermann. Es sei nie um das Thema Saisonabbruch gegangen. „Außerdem“, so der Borusse, „sind wir mit dem BVB proaktiv auf die HBF zugegangen und wollten von uns aus besprechen, wie es weitergehen könnte.“

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Intern habe Heiermann beim BVB einen möglichen Ablaufplan erarbeitet. „Wir dachten eigentlich, dass die Saison bis in den Juni noch ausgesetzt wird und dann je nach den Umständen zu diesem Zeitpunkt zu Ende gespielt wird.“ Das Final Four, das von der HBF auf unbestimmte Zeit verschoben wurde, hätte dann im August oder September stattgefunden, so das Gedankenspiel beim BVB – das mittlerweile hinfällig ist.

HBF hat noch nicht über die Vergabe der internationalen Plätze entschieden

Bei der Borussia herrscht aktuell nur eines: Frust. Am Donnerstag traf sich der Vorstand mit der Mannschaft. „Ich habe unseren Spielerinnen nochmal gesagt, dass die aktuelle Situation natürlich die gesamte Gesellschaft trifft, das verstehen die Mädels natürlich auch und das wissen wir alle – die Gesundheit ist das Wichtigste“, erklärt Heiermann.

„Aber trotzdem ist das am Ende ein schwacher Trost. Wir hätten nunmal Deutscher Meister werden können.“ Bekommt der BVB, der ja mit nur zwei Minuspunkten auf dem Konto kontinuierlich an der Bundesliga-Spitze gethront hatte, denn den Titel zugesprochen? „Keine Ahnung“, sagt Heiermann, „ich habe keine Ahnung.“

Beim BVB wisse man immer noch nicht, wie es weitergeht. „Das ist Wahnsinn“, sagt der BVB-Abteilungsvorstand. Wovon man bei den Schwarzgelben aber fest ausgehe? „Wir sehen es als gegeben an, dass wir den Champions-League-Platz bekommen“, so Heiermann.

Danach hört es sich bei der HBF noch nicht an. „Fragen wie diese werden aktuell vom Vorstand geklärt“, sagt Christoph Wendt. Einen Zeitpunkt wollte die HBF am Donnerstag noch nicht nennen. Klar ist bisher nur, dass es keine sportlichen Absteiger aus der ersten und zweiten Bundesliga gibt.

„Ob die Entscheidung richtig war“, so der Vorstand der BVB-Handballerinnen, „das wissen wir erst in zwei Wochen“. Er sei sich aber sicher, dass dieser Schritt das Aus für einige Bundesligisten bedeuten wird. Über die konkreten Konsequenzen für seinen Verein und die anderen Mannschaften will der BVB sich in der kommenden Woche äußern, eines sei aber klar, sagt Heiermann: „Die Konsequenzen dieser Entscheidung für den Frauenhandball sind brutal.“

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