Die Trümmer der ehemaligen Turmarkaden gegenüber vom Bergkamener Rathaus sind noch nicht beseitigt. Trotzdem gibt es jetzt schon viele Menschen, die genau dort wohnen möchten. © Stefan Milk
Stadtplanung

Berg Karree: In der Trümmerwüste suchen jetzt schon viele eine Wohnung

Noch ist die Fläche, auf der das „Berg Karree“ entstehen soll, nur eine öde Trümmerwüste mit Geröllbergen und Betonresten. Schon jetzt aber wollen viele genau dort wohnen.

Peter Dietrich ist immer noch ein wenig überrascht, wenn er von dem Interesse vieler Bergkamener am neuen Wohn- und Geschäftsviertel „Berg Karree“ berichtet, das auf der Fläche des ehemaligen Einkaufszentrums Turmarkaden gegenüber vom Rathaus entstehen soll. Wenn Dietrich, Geschäftsführer der Firma „Hilee B“ aus Nauen bei Berlin, nicht schon einige Computeranimationen von der Planung gezeigt hätte – es wäre fast unvorstellbar, was an dieser Stelle entstehen soll.

Bisher türmen sich auf der Fläche noch Berge von kleingemahlenem Beton. Hier und dort ragt noch das Eisen aus Betonbrocken, die sich über die Fläche verteilen, und am Zentrumsplatz steht noch ein Fassadenrest, der aussieht, als sei er nach einem Bombenangriff übrig geblieben.

Der Beton ist zum Teil schon kleingemahlen und liegt in Hügeln auf dem Gelände. © Stefan Milk © Stefan Milk

Genau an diese Stelle wollen viele Menschen ziehen. Hilee B und ihr Partner, die Firma „Interra Immobilien“ aus Düsseldorf, planen auf der Fläche Häuser mit Geschäften im Erdgeschoss und über 100 Wohnungen in den Obergeschossen. Nicht ganz freiwillig übrigens: Ursprünglich sollte auf der Fläche ein „Hybrid-Center“ entstehen, eine Art Discounter-Zentrum in extra groß. Das Veto der Stadt verhinderte das: Sie wollte weniger Einzelhandel, aber dafür Wohnungen.

Das Interesse an diesen Wohnungen ist schon riesengroß. „Wir haben erst gedacht, dass wir die Wohnungen vermarkten, wenn es absehbar ist, wann die Häuser fertig sind“, sagt Dietrich.

Am Zentrumsplatz stehen noch Fassadenreste des ehemaligen Einkaufszentrums. © Stefan Milk © Stefan Milk

Das muss er nicht. Schon jetzt haben sich zu seiner Überraschung viele gemeldet, die unbedingt eine Wohnung im „Berg Karree“ möchten. „Wir sammeln mittlerweile die Adressen und stellen eine Interessentenliste zusammen“, sagt Dietrich.

Mittlerweile kann er sich sogar gut mit der Planung anfreunden, zu der die Stadt die Investoren gezwungen hat. „Das war gar nicht so schlecht für uns“, sagt er.

Gleichzeitig bemüht sich die Interra AG, die für die Vermarktung zuständig ist, um Mieter für die Einzelhandelsflächen. Ein großer Edeka, der allein 3000 Quadratmeter Fläche einnehmen soll, steht schon fest. Er wird von der Firma Stroetmann betrieben, die im Münsterland schon mehrere große Edeka-Märkte hat. Auch ein DM-Drogeriemarkt steht bereits als Mieter fest. Für die restlichen Flächen, auf die auch Cafés und andere Gastronomie ziehen sollen, gebe es aussichtsreiche Verhandlungen, sagt Dietrich. Er hofft, dass die Mietverträge in den nächsten Wochen unterschrieben werden.

Zwischen dem Schutt sprießt schon der Löwenzahn. Bald soll der Abriss aber beendet werden. © Stefan Milk © Stefan Milk

Auch die Trümmerwüste soll bald verschwinden. Sobald die Mieter für die Einzelhandelsflächen und das geplante Ärztehaus feststehen, will Hilee B einen Bauantrag stellen. Parallel dazu sollen die Reste der Turmarkaden abgerissen und das Gelände für die Neubebauung vorbereitet werden.

So soll das Berg Karree aussehen, wenn es fertig ist. In die Erdgeschosse sollen Geschäfte, Cafés und andere Gastronomie einziehen. In den Obergeschossen sind barrierefreie Mietwohnungen geplant. © 3dpixel © 3dpixel

Wie viele Ärzte in das geplante Ärztehaus einziehen, steht noch nicht fest. Die Investoren suchen noch Mediziner, die dort Praxisräume mieten wollen. Es soll auf jeden Fall auch Wohnungen für betreutes Wohnen im Berg Karree geben, kündigte Dietrich an. Die Investoren sind sich bereits mit einem Anbieter einig. Die Frage ist nur noch, ob die Wohnungen ein Teil des Ärztehauses werden oder ob sie in einem der anderen Gebäude vorgesehen werden.

Eigentumswohnungen sind im Berg Karree übrigens nicht vorgesehen. Es soll sich ausschließlich um barrierefreie Mietwohnungen handeln.

Über den Autor
Redaktion Bergkamen
Geboren 1960 im Münsterland. Nach dem Raumplanungsstudium gleich in den Journalismus. Mag Laufen, Lesen, Fußball und den BVB ganz besonders. An den Bergkamenern liebt er ihre Offenheit. Die Stadt ist spannend, weil sie sich im Strukturwandel ganz neu erfinden muss und sich viel mehr ändert als in anderen Städten.
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