Warum zwei Wüllener jeden Tag auf die Elbphilharmonie blicken können

dzDaniel und Sebastian Erning

Daniel und Sebastian Erning sind Brüder. Die beiden Wüllener leben seit einigen Jahren in Hamburg. Und nicht nur das, sie arbeiten auch noch bei demselben Unternehmen.

Ahaus

, 24.09.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 4 min

Sie arbeiten dort, wo andere Urlaub machen: Die Brüder Daniel und Sebastian Erning aus Wüllen leben seit einigen Jahren in Hamburg. Und noch eine Gemeinsamkeit gibt es, beide sind bei demselben Unternehmen tätig: der Exporo AG.

Das Start-Up ist eine sogenannte Crowdinvesting-Plattform. Exporo gibt Projektentwicklern im Immobilienbereich die Möglichkeit, Kapital übers Internet zu sammeln. Investoren können sich ab einer Summe von 500 Euro beteiligen.

Blick auf die Elbphilharmonie

Die Firma residiert am Sandtorkai in der HafenCity. Der Blick von der Dachterrasse ist fast unbezahlbar: Er geht direkt zur Elbphilharmonie.

Sebastian Erning ist 31 Jahre alt, der Jüngere der beiden und war doch als Erster im Unternehmen. Nach dem Besuch der Andreasschule in Wüllen und dem Abitur an der Bischöflichen Canisiusschule in Ahaus (2008) absolvierte er eine Ausbildung zum Kaufmann für Versicherungen und Finanzen.

Das Studium der Volkswirtschaftslehre schloss sich ab 2011 in Hamburg an. Parallel arbeitete er bei einem großen Versicherungskonzern im Finanzbereich. 2014 hörte er von dem damals frisch gegründeten Unternehmen Exporo. Als er dort zunächst als Werkstudent anfing, betrug die Zahl der Mitarbeiter sechs – inklusive dreier Vorstände.

Warum zwei Wüllener jeden Tag auf die Elbphilharmonie blicken können

Willkommener Treffpunkt für Mitarbeiter- und Kundentermine: die Dachterrasse am Sandtorkai in der Speicherstadt in Hamburg. © Exporo

„Aktuell sind wir 145, Ende des Jahres werden wir wohl die Zahl von 200 Mitarbeitern überschreiten“, sagt Sebastian Erning. Das Durchschnittsalter der Belegschaft liegt bei 36 Jahren.

Daniel Erning, 35 Jahre alt, studierte nach dem 2003 abgelegten Abitur in Münster Germanistik und Anglistik. Sein erster Berührungspunkt mit Medien war ein Praktikum bei der Münsterland Zeitung. „Als Team an Inhalten arbeiten, das hat mir schon damals imponiert.“

Berufswunsch: Werbetexter

Er wechselte den Studienort, ging nach Magdeburg, machte nebenbei PR für das Fraunhofer-Institut und schrieb für ein Stadtmagazin. „Dann reifte in mir die Überzeugung, Werbetexter zu werden.“

2013 bekam er die Möglichkeit, in Hamburg in einer Werbeagentur zu arbeiten. Die ersten zwei Wochen übernachtete er bei seinem Bruder. Sechs Monate später stieß er zu Exporo. „Sie suchten jemanden, der Content Marketing macht.“

Sebastian Ernings Aufgabe bestand zu Beginn darin, zusammen mit externen Anwälten Verträge für die Projekte zu erarbeiten, die die Crowdfunding-Plattform finanziert.

Warum zwei Wüllener jeden Tag auf die Elbphilharmonie blicken können

Zwischendurch eine Partie Tischtennis, auch das gehört zur Unternehmenskultur beim Start-Up Exporo. © Exporo

Heute leitet er eine Abteilung von Vertragsmanagern. „Unser Team erstellt für alle Projekte“ – bislang wurden über 200 finanziert – „die Verträge, sowohl für die Anleger- als auch die Projektentwicklerseite.“

Daniel Erning war anfangs dafür verantwortlich, die Internetseiten des Unternehmens mit Inhalten zu füllen. Er setzte unter anderem ein Blog und ein Glossar auf, in dem er Fachbegriffe erklärte. Später verschob sich das Aufgabengebiet.

Leiter eines Marketing-Teams

Heute leitet Daniel Erning das Content-Team und ist unter anderem dafür verantwortlich, dass für jedes Projekt ein Exposé erstellt wird. „Damals gab es alle drei Monate eines, mittlerweile sind es monatlich zehn Projekte“. In den Verkaufsunterlagen wird aufgezeigt, wer der Projektentwickler ist, was er macht und wer das Geld bekommt.

Arbeiteten die Brüder in der ersten Zeit noch eng zusammen, verschob sich das mit der zunehmenden Unternehmensgröße. Mittlerweile liegen auch ihre Büros mehrere Hundert Meter voneinander entfernt, in unterschiedlichen Flügeln des Gebäudes in der Speicherstadt.

So weit wie der Weg, so lang ist auch der Arbeitstag der beiden. Sie arbeiten von morgens 8 bis abends um 7, manchmal auch länger. Vielleicht alle zwei, drei Wochenenden unternehmen sie etwas gemeinsam, ihre Freundinnen sind dann dabei.

Fußball-Fans

In der Stadt des HSV und des FC St. Pauli könnte Fußball dazugehören. Allerdings ist Daniel Erning Dortmund-Fan, sein Bruder Bayern-Fan. „Wir haben aber schon Spiele des HSV und von St. Pauli gesehen“, berichten beide im Gespräch mit unserer Redaktion.

Einen Besuch wert ist in Hamburg neben den Fußballarenen auch die Elbphilharmonie. Von der Dachterrasse und aus Büroräumen schauen die beiden Brüder auf eines der Hamburger Wahrzeichen.

„Um schlaue Köpfe ins Unternehmen zu holen, reicht es heutzutage nicht mehr, sein Büro irgendwo im Hinterhof zu haben“, erklärt Sebastian Erning. Gute Leute bekommt man einfacher, wenn man ein gutes Umfeld bietet.“

2014, als das Unternehmen loslegte, malten die Chefs noch auf Papptafeln an der Wand, wenn sie etwas visualisieren wollten. Weil die Firma aus allen Nähten platzte, wurden Räume gesucht, die potenziell dreistellige Mitarbeiterzahlen ermöglichen.

Warum zwei Wüllener jeden Tag auf die Elbphilharmonie blicken können

Sebastian (l.) und Daniel Erning in den Räumen von Exporo. Das Unternehmen ist eine Crowdfunding-Plattform in der Immobilienwirtschaft. © Privat

„Da haben unsere Chefs sicherlich ein glückliches Händchen gehabt“, berichten die Brüder. Fast jeder Kunde spreche die außergewöhnliche Lage an. Daniel Erning: „Wir haben viele Team- und Kundenveranstaltungen auf unserer Dachterrasse, da müssen wir keine Locations mieten.“

Exporo hat sich seit 2014 nicht nur in der Größe verändert, auch die Unternehmenskultur hat sich ein wenig gewandelt. Die Gründer waren in ihren alten Jobs gewohnt, einen Anzug zu tragen. Einer hatte eine Versicherungsmaklerei, ein anderer war Unternehmensberater, der Dritte Geschäftsführer eines Herstellers für sportmedizinische Produkte.

„Am Anfang haben wir alle, auch Daniel und ich, Jackett und Hemd getragen“, erzählt Sebastian Erning. „Aber je digitaler Exporo wurde, je mehr technikaffine Leute kamen, desto weniger konnte man eine Kleiderordnung vorgeben.“

Früher gab es einen freaky friday, da konnte jeder am Freitag tragen, was er wollte. „Heute müsste man eher mal einen Business friday machen.“ Einen Tag, an dem Anzug getragen wird. Diskutiert werde immer noch über das Tragen von kurzen Hosen am Arbeitsplatz, „aber die braucht man in Hamburg im Sommer eher weniger“, sagt Daniel Erning.

Zum mitunter kühlen Hamburger Wetter kommt, dass die Hanseaten an sich als unterkühlt gelten – die Münsterländer eher als bräsig. Wie verträgt sich das? Gut, sagen die Brüder. „Humor und Optimismus spielen eine große Rolle“, erklärt Daniel Erning. Bei den Unternehmenswerten sei der Spaß an der Arbeit ein Eckpfeiler. Die Mentalität spiele eine nur untergeordnete Rolle, „wir sind ein internationales Team.“ Zwar ist Exporo noch nicht so weit, als Unternehmenssprache Englisch einzuführen, „aber darüber nachgedacht wurde schon.“ Hanseatisch sei auf jeden Fall, wie das Unternehmen Projekte auswähle und prüfe.

Ins Münsterland zieht es die Brüder vier, fünf Mal im Jahr. An Weihnachten und zu Geburtstagen sind sie in Wüllen, im Gegenzug gibt es Besuche aus der Heimat in ähnlicher Anzahl. Ein Abstecher in die HafenCity gehört dann natürlich dazu, schließlich lohnt sich immer ein Blick auf die Elbphilharmonie – nicht nur aus dem Büro.

Lesen Sie jetzt