Aufgrund des Verbots von Großveranstaltungen bis mindestens Ende Oktober sind in Ahaus bereits zwei verkaufsoffene Sonntage ausgefallen. Aus Düsseldorf gibt es nun Signale, dass es bis Jahresende vier zusätzliche Shopping-Sonntage pro Stadt oder Gemeinde geben kann. Diese müssen dann nicht anlassbezogen sein, ein Sachgrund reicht als Veranstaltungszweck aus. © Anna-Lena Haget (Archiv)
Corona-Krise

Zusätzliche Shopping-Sonntage: Einzelhändler begrüßen es

Vier zusätzliche verkaufsoffene Sonntage soll es laut Landesregierung bis Jahresende geben. Die Ahauser Einzelhändler stehen dem positiv gegenüber. Die Gewerkschaft Verdi lehnt dies strikt ab.

Die Corona-Krise hat viele Unternehmer hart getroffen, auch die Einzelhändler. Sie mussten nicht nur für Wochen ihre Türen komplett schließen, auch aktuell gibt es Einschränkungen wie die Begrenzung von Kundenzahlen, auch wenn vielfach eine gewisse Normalität zurückgekehrt ist.

Eine „Entschädigung“ – auch für abgesagte verkaufsoffene Sonntage wie den Ostermarkt oder das Stadtfest in Ahaus – könnte es nun aus Düsseldorf geben: Die Landesregierung NRW plant vier zusätzliche Shopping-Sonntage pro Stadt oder Gemeinde bis zum Ende des Jahres. Und diese sollen auch ohne die übliche Verbindung mit einer Großveranstaltung möglich werden. Wobei die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi) in NRW dieses Vorhaben konsequent ablehnt.

Weiterer Schub neben Mehrwertsteuersenkung

Am vergangenen Sonntag luden unter anderem Essen oder auch Enschede und Winterswijk zu verkaufsoffenen Sonntagen in der Corona-Zeit ein. Dazu stellten die Städte umfangreiche Hygienekonzepte auf.

Auf dieser Basis soll der Einzelhandel nun einen Schub verliehen bekommen. Denn neben der temporären Senkung der Mehrwertsteuer sollen die zusätzlichen Einkaufsmöglichkeiten an Sonntagen Anreize zum Umsatz bieten.

„Das Signal haben wir aufgenommen, wir begrüßen das natürlich“, erklärt dazu die Vorsitzende des Ahauser Gewerbevereins, Petra Steingrube-Rittmann. Dass der Vorstand beschlossen hätte, dieses Angebot zu nutzen, bestätigt Mathias Engels: „Ob man in der Kürze der Zeit gleich vier Sonntage durchführen kann, das muss man dann abwägen. Grundsätzlich stehen wir dem positiv gegenüber.” Man hoffe natürlich, dass dann auch alle Einzelhändler, die öffnen wollen, in den Genuss kommen können.

Zuletzt war die Öffnung auf ein bestimmtes Einzugsgebiet beschränkt. Gespräche mit dem Gewerbeverein kündigte diesbezüglich auch Claudia Platte von Ahaus Marketing und Touristik an.

„Sachgründe“ sollen als Anlass ausreichen

Grund zur Hoffnung liefert eben die Ankündigung von NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart, die anlassbezogene Regelung für verkaufsoffene Sonntage zu lockern. So sollen bis Ende 2020 schon sogenannte „Sachgründe“ ausreichen, um Shopping-Sonntage zuzulassen. Ein Sachgrund wäre zum Beispiel das öffentliche Interesse, um ausgefallene Umsätze und Käufe nachzuholen.

Petra Steingrube-Rittmann, die Vorsitzende des Ahauser Gewerbevereins, steht dem Angebot positiv gegenüber. Die Einzelhändler warten auf weitere Signale von der Landesregierung.
Petra Steingrube-Rittmann, die Vorsitzende des Ahauser Gewerbevereins, steht dem Angebot positiv gegenüber. Die Einzelhändler warten auf weitere Signale von der Landesregierung. © Anna-Lena Haget © Anna-Lena Haget

Pinkwart führt als Argument nicht nur die Förderung des Umsatzes an. Mit der einmaligen Maßnahme sollen Verkaufsströme in den Herbstmonaten von den Samstagen auch auf Sonntage umgelenkt werden – ganz im Sinne des Schutzes vor dem Coronavirus.

„Das ist sinnvoll. Bei uns ist es aber erfahrungsgemäß auch nicht so voll, dass man dies nicht steuern könnte“, ergänzt die Gewerbevereinsvorsitzende. Die Kunden brächten eine hohe Eigenverantwortung mit.

Bürgermeisterkonferenz hatte Initiative ergriffen

Die Initiative der Landesregierung stößt auch im Ahauser Rathaus auf positives Echo. „Im Rahmen einer Telefonkonferenz hatte die Bürgermeisterkonferenz im Kreis Borken mit Ministerin Ina Scharrenbach schon vor dieser Ankündigung eine Erleichterung von Ladenöffnungszeiten angeregt“, berichtet Pressesprecherin Anna Reehuis.

Das Thema sei „seit Wochen in der Pipeline“. Das Landeskabinett habe bereits beschlossen, eine entsprechende Verwaltungsvorschrift zu erlassen, so Pinkwart.

Gewerkschaft Verdi lehnt Vorschlag kategorisch ab

Die Gewerkschaft Verdi betonte ihre ablehnende Haltung zum Thema umgehend in einer Pressemitteilung, die laut Pressesprecherin Lisa Isabell Wiese auch noch den aktuellen Sachstand widerspiegelt. Verkaufsoffene Sonntage dürften demnach nicht allein aus wirtschaftlichen Aspekten durchgeführt werden.

„Verkaufsoffene Sonntage dürfen nur stattfinden, wenn sie anlassbezogen terminiert sind. Das ist aber in Zeiten von Corona untersagt, um die Bevölkerung zu schützen”, erklärt Gabriele Schmidt, Landesbezirksleiterin Verdi NRW.

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