200 Jahre Zigarrenfabrik: Als die Industrie nach Ahaus kam

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Die Familie Oldenkott etablierte die Tabak-Industrie in Ahaus und sorgte für einen Aufschwung. Nun jährt sich die Gründung des Unternehmens zum 200. Mal. Ein Blick in die Vergangenheit.

Ahaus

, 14.10.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ahaus vor 200 Jahren: Ein Dorf, das unter wechselnder Herrschaft stand und ab 1815 zu Preußen gehörte. Zum Bild des Ortes trugen eine Schmiede und ein Bäcker bei – sonst war eher wenig los.

Bis sich der Tabakwarenhersteller Oldenkott im Oktober 1819 entschied, eine Fabrik im Schloss zu errichten. „Ohne diesen Schub durch die Industrie wäre Ahaus ein Dorf geblieben. Mit der Tabak-Produktionsstätte stieg die Bevölkerung“, berichtet Ralf Büscher vom Heimatverein Ahaus.

In der Nachbetrachtung bewundert Büscher den Mut des Unternehmers, eine Filiale in Ahaus aufzubauen. „Der Standort konnte einem Industriellen nicht viel bieten und die Stadt hatte ja keine großen Möglichkeiten, Firmen unterzubringen.“

Nach der Etablierung der Tabakfabrik folgten im 19. Jahrhundert noch Gründungen der Zündwarenfabrik und der Westfälischen Jutespinnerei und Weberei.

Erweiterung der Produktion

Herrmann Oldenkott, Sohn des gleichnamigen Gründers Herrmann, kam mit seinen Arbeitern zunächst im Nordflügel des Schlosses unter, das zum damaligen Zeitpunkt den Fürsten Salm-Salm und Salm-Kyrburg gehörte.

Wenig später kam es zu einer Erweiterung: Im Jahr 1829 erwarb das Unternehmen das Barockschloss vom Fürsten Salm-Kyrburg und es folgte ein deutlicher Ausbau der Produktion.

Die Herstellung des Tabaks war vor allem für die Kaufmänner vor Ort gedacht, die dann die Produkte vertrieben. Auch damals waren Zigarren für eine besondere Klientel vorgesehen.

„Bei sogenannten Kolonialwarenhändlern konnte man die Tabakwaren kaufen. Meist waren es Menschen aus der Bürgerschicht, die sich Zigarren zulegten“, sagt der Vorsitzende des Heimatvereins.

Weltwirtschaftskrise sorgt für Ende des Standortes

Zum Ende des 19. Jahrhunderts nahm der neue Unternehmenschef Jakob Oldenkott eine entscheidende Änderung vor: Röst-, Sieb- und Paketiermaschinen wurden eingeführt und somit wurde die Handarbeit ersetzt.

„Die Anzahl der Beschäftigten stieg regelmäßig und zum hundertjährigen Bestehen waren etwa 80 Mitarbeiter angestellt“, erzählt Büscher.

In der Folgezeit diente das Schloss bis 1929 als Produktionsstätte. Dann ereignete sich die Weltwirtschaftskrise und die Tabakproduktion in Ahaus wurde aufgegeben. Heutzutage werden Zigarren vor allem in der Dominikanischen Republik und in Kuba hergestellt.

Führung durch das Schloss

Damit die Geschichte des Unternehmens und die Installation der Industrie in Ahaus präsent bleibt, bieten der Heimatverein und Ahaus Marketing Touristik seit dem vergangenen Jahr eine Schlossführung rund ums Thema Zigarrenproduktion an. Andreas Kosmann, dessen Vater und Großvater in der Tabakfabrik gearbeitet haben, leitet die Tour.

Dabei tritt Kosmann verkleidet als „Oldenkotts Natz“ auf - Frack und Zylinder gehören zum Outfit. „Die Führungen wurden gut angenommen und bereits 30 mal in diesem Jahr gebucht“, sagt der Vorsitzende des Heimatvereins.

Der Streifzug durch die Vergangenheit, zu dem auch die Produktion nach der alten Vorgehensweise gehört, kann über Ahaus Marketing Touristik gebucht werden.

Termine können individuell am Wochenende abgestimmt werden und sind als Gruppenführung mit maximal 15 Personen gedacht.

Informationen: Dauer der Führung: eine Stunde Preis bis 15 Personen: 69 Euro, jede weitere Person 3 Euro. Telefon Ahaus Marketing Touristik, Tel. (02561) 44 44 44
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