Zeugenaussagen überzeugen nicht, Prozess wegen Körperverletzung wird eingestellt

dzAmtsgericht Ahaus

Ein 37-Jähriger soll laut Anklage eine Frau geschlagen und einen Hund getreten haben. Doch Richter und Staatsanwaltschaft hatten Zweifel an der Aussage der Zeugin.

Ahaus

, 24.04.2019 / Lesedauer: 3 min

Alkoholisiert war der 37-jährige Angeklagte in einer Nacht im Dezember 2018 auf jeden Fall, das steht fest. Ob er aber auch wie in der Anklage beschrieben eine Frau und ihre beiden Hunde geschlagen hat, konnte das Amtsgericht Ahaus in der Verhandlung nicht klären. Das Verfahren wurde eingestellt.

Im Schlossgarten in Ahaus soll es zu der angeklagten gefährlichen Körperverletzung gekommen sein. Damals lebte der Angeklagte noch in Ahaus. Mittlerweile befindet er sich auf freiwilliger Basis in stationärer Behandlung wegen seiner Alkoholsucht. Seit Beginn der Therapie habe er keinen Tropfen Alkohol mehr angerührt. „Ich habe in meinem Leben genug gesoffen. Ich habe vor, in Zukunft abstinent zu leben“, so der Angeklagte. Danach möchte er wieder in seinem erlernten Handwerksberuf Fuß fassen.

Polizei hält Promillegehalt von 1,8 fest

Laut seiner Aussage habe er am vermeintlichen Tattag bereits in seiner Wohnung mit dem Alkoholkonsum begonnen, den er an verschiedenen Orten in Ahaus fortsetzte. Unterwegs sei er von der Polizei angesprochen worden, die den Promillegehalt von 1,8 festgestellt habe. „Danach habe ich weiter getrunken. Die Sache im Schlossgarten weiß ich nicht mehr. Da habe ich einen kompletten Filmriss“, so der Angeklagte.

Keine Klarheit brachte auch die Vernehmung des Geschwisterpaares. Die 30-jährige Zeugin berichtete, wie sie und ihr Bruder ihre Terrierhunde ausgeführt hätten. Der Angeklagte sei dann auf sie zugekommen, habe einen ihrer Hunde getreten und irgendetwas Unverständliches gesagt. „Mein Bruder hat ihm eine geballert, dann sind wir mit den Hunden weggelaufen“, sagte die Zeugin. Das Geschwisterpaar brachte die Hunde in ihrer Wohnung in Sicherheit. Der Angeklagte habe sie dabei verfolgt.

Frau trifft vor dem Haus auf den Angeklagten

Die Hunde und der Bruder waren im Haus, während die junge Frau vor der Tür stand, um ein Eindringen des Angeklagten ins Haus zu verhindern. Dort sei sie vom Angeklagten ins Gesicht geschlagen worden und gestürzt. Wegen Kopfschmerzen und Prellungen wurde sie ärztlich versorgt. „Im Polizeibericht steht nichts davon, dass Ihr Hund getreten wurde. Es steht dort auch nichts davon, dass Sie gestürzt sind. Kann es sein, dass Sie das im Nachhinein glauben?“, fragte der Verteidiger die Zeugin, die bei ihrer Aussage blieb.

Die gestreuten Zweifel wirkten beim Staatsanwalt und beim Richter nach. Das Verfahren wurde eingestellt mit der Auflage, die Alkoholentzugstherapie fortzusetzen.

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