Zeit für Hendrik, Zeit für Mama

Ahaus "Christel, Christel!" Hendrik winkt begeistert und rennt auch schon los - in die ausgebreiteten Arme der blonden Frau, die seine Mutter sein könnte. Ist sie aber nicht: Christel Kemper ist Freizeitassistentin der FuD, des Familien unterstützenden Dienstes der Caritas, und sie springt immer dann ein, wenn Hendriks Mama einmal eine Pause braucht.

25.07.2008, 19:11 Uhr / Lesedauer: 1 min

<p>Christel Kemper und Hendrik Stange sind ein gutes Team. Der FuD der Caritas hat sie zusammen geführt.  MLZ Fotos (2) Lüttich-Gür</p>

<p>Christel Kemper und Hendrik Stange sind ein gutes Team. Der FuD der Caritas hat sie zusammen geführt. MLZ Fotos (2) Lüttich-Gür</p>

Und das ist nicht selten der Fall: "Man muss Hendrik aushalten, wenn er bockig wird", sagt Ingrid Stange über ihren Jüngsten. Etwa wenn der Neunjährige nicht noch eines von seinen geliebten Broten mit Wurst bekommt, wenn er die Musik leiser drehen soll - kurz: wenn er nicht seinen Willen bekommt. Ingrid Stange, streicht über Hendriks Blondschopf, während sich der kräftige Junge mit dem Down-Syndrom an Christel Kemper drückt: "Ich bin wirklich froh, dass die Chemie zwischen den beiden so gut ist."

So kann sich die Krankenschwester nach der Nachtwache im Krankenhaus mittags beruhigt ein paar Stunden hinlegen, sich ihrer 14-jährigen Tochter widmen, die sonst häufig zurückstecken muss, "oder ich habe mal einfach etwas Zeit für mich", sagt sie.

Hilfe wagen

Rund 45 andere Familien nehmen auch noch das ambulante Angebot des 1997 ins Leben gerufenen Familien unterstützenden Dienstes in Anspruch. Dass der Bedarf in Ahaus und Umgebung größer ist, vermutet nicht nur Ingrid Stange, sondern auch ihre Arbeitskollegin Andrea Jansen, die selbst einen geistig behinderten Sohn hat: den achtjährigen Jeroen "Viele wagen es gar nicht", bekräftigt die Mutter von Hendriks bestem Freund. Zum einen wollten sie sich und anderen nicht eingestehen, dass Hilfe durchaus willkommen sei - "dabei ist das bei jeder Mutter so, erst recht bei einer, die ein behindertes Kind hat, das doch anstrengender ist" - , zum anderen hätten sie Angst, dass der Betreuer mit ihrem Sohn oder ihrer Tochter nicht zurecht komme, mutmaßt sie. Dabei seien die Mitarbeiter des FuD eben keine "normalen Babysitter": "Die kennen sich aus."

Christel Kemper schubst Hendrik auf der Schaukel an. "Höher", ruft der Junge. "Wenn wir zusammen sind", sagt die gelernte Industriekauffrau, die selbst zwei Kinder hat, "habe ich mindestens genauso viel Spaß wie er." sy-

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