Felix Ruwe – hier bei der Übergabe der Unterschriften der Ahauser Erklärung – erinnert sich an die Katastrophe von Fukushima vor zehn Jahren. Den Protest gegen Atommüll und Atomkraft will der 69-Jährige weiter fortführen. © Stephan Rape
Anti-Atombewegung

Zehn Jahre nach Fukushima: Der BI in Ahaus fehlen junge Menschen

Zehn Jahre ist das Reaktorunglück von Fukushima her. Felix Ruwe, Sprecher der BI Kein Atommüll in Ahaus, blickt zurück. Den Protest gegen Kernkraft und Atommüll will er noch lange fortführen.

Es ist 14.47 Uhr Ortszeit, als am 11. März 2011 vor der japanischen Küste die Erde bebt. Wenig später treffen riesige Tsunami-Wellen das Festland. Direkt an der Küste steht das Kernkraftwerk, dessen Name genau wie Tschernobyl in die Geschichte eingeht: Fukushima.

„Wir haben davon aus den Nachrichten erfahren“, sagt Felix Ruwe (69), Sprecher der Ahauser Bürgerinitiative Kein Atommüll in Ahaus. Als in Japan die Erde bebt, ist es in Deutschland gerade früher Morgen. Acht Stunden liegen zwischen Ahaus und Japan. Wann genau er von dem Unglück erfahren hat, kann er heute, zehn Jahre später, nicht mehr sagen.

Das Kernkraftwerk Fukushima Daiichi der Tokyo Electric Power Co. in der Präfektur Fukushima, wurde bei dem Beben 2011 schwer beschädigt. Die Gegend ist weiter unbewohnbar.
Das Kernkraftwerk Fukushima Daiichi der Tokyo Electric Power Co. in der Präfektur Fukushima wurde bei dem Beben 2011 schwer beschädigt. Die Gegend ist weiter unbewohnbar. © picture alliance/dpa/kyodo © picture alliance/dpa/kyodo

Drei der sechs Reaktorblöcke werden zerstört. Genau wie die Notstromversorgung. In den kommenden Tagen entwickelt sich eins der größten Reaktorunglücke in der Geschichte. Zwischen 120.000 und 170.000 Menschen müssen evakuiert werden. Die Zahlen schwanken. Genau wie die der Opfer.

Nachrichten aus erster Hand in Japan

Felix Ruwe schrieb damals eine Bekannte in Japan per E-Mail an. „Da haben die japanische Regierung und die Betreiber noch abgewiegelt“, sagt er heute. Auch in Deutschland habe es nur die übersetzten Meldungen der japanischen Regierung gegeben. Die Nachrichten seiner Bekannten waren deutlicher: „Sie hat mir relativ früh geschrieben, dass es wohl eine Kernschmelze gegeben hat“, erinnert er sich.

Eine Tatsache, die erst deutlich später auch von offizieller Stelle bestätigt wird. „Da ist viel Vertrauen verloren gegangen“, erklärt er. In die japanischen, aber auch deutsche und internationale Behörden.

„Trotz allem kann man sagen, dass die Menschen in Japan riesiges Glück gehabt haben“, sagt Felix Ruwe heute. Nur durch günstige Wetterbedingungen sei die Radioaktivität von der Millionenmetropole Tokio weggeweht worden.

Unglück verhalf der BI zu neuer Aufmerksamkeit

Der Anti-Atomkraft-Bewegung habe das Unglück auch in Ahaus mehr Aufmerksamkeit gebracht. „Das konnte man merken: Plötzlich hatten wir bei den Sonntagsspaziergängen wieder mehr Zulauf“, erinnert sich Felix Ruwe.

Klar, das Unglück in Asien habe ja in Deutschland auch den Atomausstieg ausgelöst. „Angela Merkel hat als Physikerin erkannt, dass die Technik einfach nicht sicher betrieben werden kann, und gesagt ‚Wir steigen aus‘“, sagt Felix Ruwe. Wenn man so wolle also ein positiver Effekt einer riesigen Katastrophe.

Er ist in der Ahauser BI ein Urgestein und einer der Sprecher. Auch nach seinem 70. Geburtstag will er aber noch nicht darüber nachdenken, mit dem Protest gegen den Atommüll aufzuhören oder auch nur kürzer zu treten. „Was sonst sollte ich in Ahaus machen?“, fragt er und lacht.

Es gebe viele, die sich gut in der Materie auskennen würden. In Ahaus, aber auch darüber hinaus. Durch Vernetzung mit anderen Initiativen will die BI dieses Wissen weitertragen. „Allein unser Archiv reicht ja schon 40 Jahre zurück“, erklärt er. Das müsse bewahrt werden.

Und es gebe auch andere Akteure in der Stadt: „Die KFD beispielsweise hat eigene Fukushima-Mahnwachen organisiert“, sagt Felix Ruwe.

Nicht leicht, den Protest fortzuführen

Doch er räumt auch ein: Es sei schwierig, den Protest gegen die Atommülllagerung in Ahaus fortzuführen. Klar, es gebe auch jüngere Menschen in der BI. „Aber nicht so, wie ich mir das vorstelle“, fügt er hinzu.

Gerade die 20- bis 30-Jährigen würden fehlen. Jene, die sich tief in die Materie einarbeiten wollen und können. „Viele Jüngere gehen nach dem Abitur zum Studium weg“, sagt er. Dennoch strebe die BI eine enge Vernetzung mit der Fridays-for-Future-Bewegung an. Erste Zusammenarbeit oder gemeinsame Demonstrationen hat es gegeben.

Der BI gehe es darum, langfristig zu denken. „Ich werde nicht erleben, dass ein Endlager in Betrieb geht“, sagt er. Das sei schließlich das erste Projekt der Regierung, das über viele Generationen geplant und in Betrieb gehen werde. „So etwas hat es noch nicht gegeben“, macht er deutlich.

Mahnwache Fukushima

Die BI veranstaltet am Sonntag, 21. März, um 14 Uhr eine Mahnwache zum Thema Fukushima am Mahner in der Ahauser Innenstadt.

Über den Autor
Redaktion Ahaus
Ursprünglich Münsteraner aber seit 2014 Wahl-Ahauser und hier zuhause. Ist gerne auch mal ungewöhnlich unterwegs und liebt den Blick hinter Kulissen oder normalerweise verschlossene Türen. Scheut keinen Konflikt, lässt sich aber mit guten Argumenten auch von einer anderen Meinung überzeugen.
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Stephan Rape
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