Zehn-Cent-Briefmarken als Mangelware in Ahaus

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Seit dem 1. Juli kostet die Marke für einen Brief bei der Deutschen Post 80 Cent. Seitdem sind 10-Cent-Marken gefragt, um sie neben die 70er-Marken zu kleben. Doch es gab Engpässe in Ahaus.

Ahaus

, 18.07.2019, 19:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Es ist zweieinhalb Wochen her, dass die Deutsche Post das Standardbriefporto um 10 auf 80 Cent erhöht hat. Ein Besuch im Papermarkt in der Innenstadt mit Postfiliale. Ein Zehner-Pack selbstklebender 80er-Marken ist schnell gekauft. Die Frage „Haben Sie noch 10er-Marken?“ wird erst einmal mit einer Gegenfrage beantwortet: „Wie viele brauchen Sie denn?“

Zehn-Cent-Briefmarken als Mangelware

Die drei Kolleginnen berichten von täglichen Kundenanfragen, die sie oft nicht bedienen können. „Es liegt nicht daran, dass wir nicht genug bestellt haben“, sagt Claudine Klemt vom Papermarkt. Sie hätten gern mehr Marken bestellt, vor allem selbstklebende. Ging aber nicht. Ein Kunde wollte sogar 500 Zehner-Briefmarken kaufen – nur ein Bruchteil konnte ihm ausgehändigt werden.

„Wir würden lieber die Marken verkaufen als diskutieren“, meint Claudine Klemt. Denn mancher Geschäftskunde reagiere nicht so verständnisvoll, wenn es wenige oder sogar keine Zehner-Marken gibt. Und das in der dritten Woche nach der Portoerhöhung. Die privaten Kunden hätten schon eher Verständnis – ihnen kann aber auch im Papermarkt geholfen werden: Vor Ort kann das Team bei kleinen Mengen die Briefe nachfrankieren.

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Matthias Engels von der Goldschmiede Engels ist einer der verblüfften Kunden. In den ersten Tagen nach dem 1. Juli sollten Mitarbeiterinnen 20 Zehner-Marken kaufen. Und kamen mit zehn Fünfer-Marken wieder. Mehr gebe es nicht. „Das habe ich erst gar nicht geglaubt“, erinnert er sich im Gespräch mit der Redaktion. Die Portoerhöhung an sich sei ja gar nicht das Problem.

Aber ein halbes Jahr zu wissen, dass das Porto erhöht wird, und dann die Briefmarken nicht ausreichend vorrätig zu haben, „das ist doch der Hammer!“ meint Matthias Engels. Ein Kunde hat dagegen am Mittwoch Glück in der Ahauser Shop-in-Shop-Filiale an der Bahnhofstraße. Nach einem kurzen Blick auf seinen Notizzettel bestellt er 200 Zehn-Cent-Briefmarken. Und bekommt sie anstandslos. Sogar selbstklebende. Ob es da gerade eine Lieferung gegeben hat? Die Frage der Redaktion bleibt unbeantwortet. Die Mitarbeiterin verweist an die Pressestelle.

Deutsche Post: Logistischen Kraftakt hervorragend gemeistert

Dort gibt sich Rainer Ernzer, Pressesprecher Deutsche Post DHL Group, ganz entspannt. Die Deutsche Post habe den logistischen Kraftakt, innerhalb kurzer Zeit 940 Millionen Briefmarken drucken zu lassen und pünktlich zum 1. Juli an 26.000 Filialen und sonstige Ausgabestellen deutschlandweit auszuliefern, hervorragend gemeistert, teilt er auf Anfrage mit.

„Und dies trotz der viel kürzeren Zeitspanne zwischen Preisgenehmigung durch die Bundesnetzagentur am 19. Juni und Inkrafttreten der neuen Porti im Vergleich zu früheren Preisumstellungen“, betont Ernzer. Auch die flächendeckende Belieferung der Filialen mit Ergänzungsmarken sei sehr gut gelaufen, wie ihnen interne Rückmeldungen und Überprüfungen bestätigten.

Dass es in einigen Filialen zu Engpässen bei der Verfügbarkeit von bestimmten Postwertzeichen oder einzelnen Packungsgrößen gekommen sei, will er ja nicht grundsätzlich ausschließen. „In diesen Fällen tragen wir dafür Sorge, dass die betreffenden Filialen innerhalb von 24 Stunden die erforderlichen Mengen an Briefmarken erhalten“, sagt Rainer Ernzer dazu. Aber er betont: „Grundsätzlich gibt es keinen Engpass“. Einzelfälle könnten aber auch in Zukunft nicht gänzlich ausgeschlossen werden.

Mal keine 10er-Marken, mal nur ein kleines Kontingent erhalten

Dies ist nicht ganz nachvollziehbar, wenn man mit vielen Kunden spricht, die anderes erlebt haben. So wie Dr. Bernd Eich. Er ist der Kunde mit dem Notizzettel, der am Mittwoch gleich 200 Marken erhält. Er bestellt auch noch einige weitere Marken in hoher Stückzahl. Er hat eine radiologische Praxis in Ahaus und muss viele Briefe verschicken. So hatte er sich auch vor Monaten mit einem ordentlichen Vorrat an 70-Cent-Marken eingedeckt.

Als dann zum 1. Juli die Portoerhöhung wirksam war, wollte er zum ersten Mal Zehn-Cent-Marken kaufen. „Da waren sie ausverkauft.“ Beim zweiten Versuch gab es keine selbstklebenden Marken. Zwischendurch war ein Kollege in der Filiale – und bekam nur ein kleines Kontingent. Nun, zweieinhalb Wochen nach der Portoerhöhung, hat er 200 Zehner-Marken bekommen, die nun neben die 70er-Marken geklebt werden können.

Auch wenn sich die Lage am Donnerstag wohl entschärft hatte – Pressesprecher Rainer Ernzer hat noch einen Tipp: Bereits seit einigen Monaten können Ergänzungsmarken für die Darstellung der neuen Portowerte mit einem Wert von 5, 10, 15 und 20 Cent bundesweit und online erworben werden. Vorhandene Briefmarken wie auch noch vorhandene Ergänzungsmarken aus den Vorjahren könnten für die Frankierung von Sendungen mit der Deutschen Post weiter verwendet werden. Ein Umtausch sei nicht nötig.

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