Wohnungssuche kann für Familie mit drei Kindern in Ahaus schwierig sein

dzWohnungssuche in Ahaus

Familie Dessenes/Junker hat drei Kinder, Haustiere – und sucht eine größere Wohnung. Drei Kinder – da sei man schnell raus bei Angeboten. Makler stellen fest, dass Wohnraum für Familien fehlt.

Ahaus

, 25.10.2020, 07:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Es geht quirlig zu bei Familie Dessenes/Junker. Dafür sorgen schon Mia-Lou (5), Maya-Sophie (3) und Nesthäkchen Mats (1). Die Kinder sind fröhlich, und in ihr Lachen und Quietschen mischt sich das Singen der vier Kanarienvögel und das Krächzen eines Minipapageis. Hündin Nala ist sogar einer der eher stillen Sorte, die Geckos in den Terrarien sowieso.

Eine Familie mit drei Kindern und Haustieren, die in Wüllen wohnt – und eine neue, größere Wohnung zu mieten sucht. Eher zufällig kommt beim Besuch der Redaktion wegen eines Mauerseglerkükens, das die Familie aufgezogen hat, das Gespräch auf die Wohnungssuche. Denn Lara (14) ist zu Besuch, die Tochter von Thorsten Junkers erster Beziehung. Sie muss in den Ferien in Wüllen auf dem Sofa schlafen, die Wohnung hat nur zwei kleine Schlafzimmer.

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Etwas mehr Platz – das wäre schön. Eine Wohnung, die gut geschnitten ist für die Bedürfnisse einer Familie. Aber was die beiden Eltern erleben, wenn sie sich auf Wohnungsangebote melden, lässt aufhorchen. Die Haustiere sind da oft noch nicht mal das Problem. „Drei Kinder?“ Das scheint abschreckend. „Meistens kommt man nicht mal zum Vorstellungstermin“, erzählt Thorsten Junker (45).

Familie sucht ohne Druck eine größere Wohnung

Seine Frau Fabiana Dessenes pflichtet ihm bei: „Wir hören so oft: ,Kinder wollen wir nicht, lieber ein ruhiges Paar‘'.“ Von der vielgepriesenen Familien- und Kinderfreundlichkeit haben die beiden bislang bei der Wohnungssuche nicht so viel mitbekommen. Sie sind froh, dass sie eine Wohnung haben. „Wir haben ja jetzt nicht den Druck“, sagt die Wüllenerin.

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Aber auch das ist den beiden nicht unbekannt: Zwei Mal schon hatte die Familie in den vergangenen fünf Jahren das Pech, wegen Eigenbedarfs des Eigentümers auf Wohnungssuche gehen zu müssen. Die Familie würde aber sogar am liebsten jetzt in Wüllen bleiben, sie fühlen sich dort wohl. Mia-Lou ist in der Grundschule angemeldet, Maya-Sophie geht gerne in den Kindergarten.

Oft kommt nicht mal eine Antwort auf eine schriftliche Bewerbung

Fabiana Dessenes (40), die vor der Geburt der Kinder als Arzthelferin in Ahaus gearbeitet hat, antwortet oft schriftlich auf Wohnungsangebote. „Ich habe da ein Standardschreiben, wo ich uns vorstelle. Oft kommt nicht mal eine Antwort.“ Und der Wohnungsmarkt ist nicht gerade entspannt, wie sie weiß. „Und wenn man dann eine Anzeige sieht, dass eine 150-Quadratmeter-Wohnung für ein solventes, ruhiges Paar angeboten wird...“, lässt ihr Mann einen Satz unvollendet.

Er arbeitet als Schweißer in fester Anstellung, würde für eine Wohnung eine Warmmiete von 800 bis 900 Euro aufbringen können. Jetzt zahlen sie 730 Euro inklusive für 86 Quadratmeter. Für sie erschwinglich, aber zu wenig Platz auf Dauer, wenn die Kinder größer werden.

Ein Baugrundstück in Ahaus zu bekommen, liegt für sie in weiter Ferne. Zwar ist Fabiana Dessenes gebürtige Ahauserin, aber ihr Mann kommt aus dem Norden. „Keine Chance, da sind zu viele vor uns auf der Liste“, sagt er. Die Familie würde sich über einen längerfristigen Mietvertrag über 10 oder 15 Jahre freuen. Denn auch eins ist Fabiana Dessenes wichtig: „Wir möchten auch mal ankommen.“

Wohnungssuche kann für Familien in Ahaus schwierig sein

Eine Anfrage bei Maklern und Hausverwaltern in Ahaus bringt eines zutage: Passend große Mietwohnungen für Familien mit mehr als zwei Kindern gibt es offenbar nicht genügend in Ahaus. Das betont Karin Päseler von der Effing Immobilien und Hausverwaltung, die seit 30 Jahren im Immobiliengeschäft tätig ist. Und auch Familien mit Vermietern zusammenbringt.

„Nur manchmal muss man auch ein bisschen Überzeugungsarbeit leisten“, sagt Karin Päseler auf die Frage, ob manche Vermieter von vornherein nicht so gern an kinderreiche Paare vermieten. Ein generelles Problem sieht sie da nicht.

Sie habe Familien und Alleinerziehende als Kunden und setze sich für sie ein. Und dabei stellt sie eben fest, „dass es einen Mangel an Wohnungen in passender Größe, also mit zwei Kinderzimmern“, gibt.

Vorbehalte hier und da schon mal wahrgenommen

Christian Decker vom Grundbesitz Immo-Service in Ahaus kann das aus seinen Erfahrungen heraus bestätigen. „Es fehlen Wohnungen, auch freie, nicht nur geförderte“, sagt der Ahauser. Für Familien mit zwei bis drei Kindern sei „der Markt gerade überspannt“. Ebenfalls aber gebe es sehr, sehr viele Anfragen für kleinere oder Singlewohnungen: „Auch da kann ich die Nachfrage nicht bedienen.“

Vorbehalte von Eigentümern und Vermietern gegen Familien mit mehreren Kindern und Haustieren hat er schon hier und da wahrgenommen, und sogar von Nachbarn, im Anschluss an Besichtigungstermine. Hunde seien, unabhängig von der Größe, ein schwieriges Thema. „Wenn es einer Partei im Haus erlaubt wird, dann kann man es der anderen auch nicht verwehren.“

Manche Vermieter lehnten es auch einfach rigoros von vorneherein ab, dass in ihre neu gebauten Wohnungen Haustiere mit einziehen können. Und das sei auch ihr Recht als Eigentümer. Um Ärger unter den Nachbarn wegen Gebells zu vermeiden oder auch wegen befürchteter Schäden in der Wohnung.

Jede Vermietung sei als Einzelfall zu sehen. Die Solvenz müsse einwandfrei nachgewiesen werden. Manche Mietinteressenten scheuten die kostenpflichtige Schufa-Auskunft – die aber könne helfen, so Christian Decker.

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