Besonderes Wohnhaus in Ottenstein produziert mehr Energie als seine Bewohner verbrauchen

dzEnergieplus-Gebäude

An der Straße Padies in Ottenstein entsteht gerade ein ganz besonderes Wohnhaus: Armin Terhalle baut dort ein Energieplus-Haus. Das soll einmal mehr Energie produzieren, als es verbraucht.

Ahaus

, 24.02.2020, 15:41 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das neue Gebäude an der Straße Padies in Ottenstein hebt sich schon äußerlich von den anderen Häusern in der Nachbarschaft ab. So ziehen sich die Dachziegel bis zum Fundament hinunter. Die beiden Giebelseiten sind komplett verglast.

Doch das sind nur optische Unterschiede. Denn der eigentliche Clou des Gebäudes schlummert in seiner Technik: Wenn das Haus im kommenden Sommer einmal fertig und bezogen ist, soll es mehr Energie produzieren, als seine Bewohner für das tägliche Leben brauchen.

Bauherr ist Armin Terhalle, Sohn von Terhalle-Firmengründer Josef Terhalle. Das Unternehmen seines Vaters hat das Gebäude entwickelt.

Grauwasseraufbereitung und Heizung per Geothermie

So wird das Gebäude beispielsweise auch eine Grauwasseraufbereitung haben. Das bedeutet, dass das Abwasser aus Dusche, Badewanne oder Waschbecken aufgefangen, grob gereinigt und dann für die Toilettenspülung verwendet wird.

Beheizt oder gekühlt wird das Haus per Geothermie – also mit Energie aus dem Erdboden. „Inzwischen brauchen wir ja auch in unseren Breitengraden fast genauso viele Kühl- wie Heiztage“, sagt Josef Terhalle. Dazu trägt auch eine kontrollierte Wohnraumbe- und -entlüftung bei. „Die Fenster können jederzeit geöffnet werden, die Lüftung funktioniert aber besser, wenn man sie geschlossen lässt“, erklärt er.

Photovoltaik auf dem Dach und Akku im Keller

Elektrische Energie wird durch große Photovoltaikelemente auf dem Dach erzeugt. Durch einen großen Akku kann der Strom außerdem direkt im Haus gespeichert werden, so dass die Stromversorgung auch nachts oder an dunkleren Tagen gesichert ist.

„Die meisten Menschen wissen ja gar nicht, dass es solche Techniken schon gibt“, erklärt Firmengründer Josef Terhalle. Ganz zu schweigen davon, wie sie miteinander vernetzt und verknüpft werden kann. Über den gesamten Lebenszyklus des Gebäudes lasse sich so enorm viel Energie und Trinkwasser einsparen.

Zeigen, was möglich ist

Das Haus dient daher auch als eine Art Technologieträger. Es soll zeigen, was möglich ist. Die Kosten mögen Vater und Sohn nicht näher benennen. Josef Terhalle spricht von einem „gehobenem aber noch normalen Preis für ein Einfamilienhaus“. Das liege aber eben auch an der verwendeten Haustechnik.

Mit einem Vorurteil möchte er an der Stelle noch aufräumen: Häuser in Holzbauweise, wie sie von Terhalle seit Jahren produziert werden, seien nicht günstiger als die herkömmliche Alternative in Massivbauweise. „Das ist eher ein Unterschied in der Philosophie“, erklärt Josef Terhalle. Holz als nachwachsender Rohstoff sei dabei nicht nur nachhaltiger, sondern verschaffe auch ein besseres Wohnklima.

Gebäudehülle war nach vier Arbeitstagen fertig

Ganz klar unterscheiden sich aber die Bauarbeiten: Nur vier Tage dauerte es, bis aus den großen Fertigelementen der Rohbau fertiggestellt und die Gebäudehülle geschlossen wurde. „Wir setzen immer stärker auf die Vorfertigung in unserem Werk in Ottenstein“, erklärt Josef Terhalle. Damit konzentriere er sich einerseits auf den Standort Ottenstein. Gleichzeitig könnten die Arbeiten so mit Blick auf den Arbeitsschutz besser umgesetzt werden. „Das geht in einer Halle einfach besser als draußen auf einer Baustelle“, sagt der Ottensteiner.

Auch der Transport zur Baustelle halte sich dadurch im Rahmen: Das neue Gebäude liegt zwar nur wenige Minuten zu Fuß von der Firma Terhalle entfernt, doch genauso würde es auf jeder anderen Baustelle in ganz Deutschland auch funktionieren: „Die vorgefertigten Elemente werden auf vier Sattelschleppern angeliefert“, erklärt Josef Terhalle.

Einen Einblick in das Gebäude und die Haustechnik wollen Bauherr und die Firma Terhalle am Sonntag, 19. April, für alle Interessierten bieten. Die Besichtigung des Hauses ist dann von 10 bis 17 Uhr möglich. Eine Anmeldung dazu ist nicht notwendig.

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