In welchen Branchen im Kreis Borken sind Arbeitnehmer Mangelware? Welchen Berufszweig sollte man anstreben, wenn man im Kreis bleiben möchte? Wir zeigen, welche Fachkräfte gesucht werden.

Ahaus

, 22.06.2019 / Lesedauer: 4 min

Die Europawahl hat es vor Augen geführt: Deutschlands Regionen entwickeln sich auseinander. Städte wählen anders als das Land, der Osten anders als der Westen. Aktuell steht das Thema Fachkräftemangel auf der politischen Agenda. Die Arbeitserlaubnis von Einwanderern wird jetzt per Gesetz geregelt. Wir haben in einer gemeinsamen Kooperation von CORRECTIV und Münsterland Zeitung regionalisierte Daten analysiert, wie sich der Fachkräftemangel im Kreis Borken auswirkt und wie die Arbeitsmarktsituation im Vergleich zu den anderen Ausbildungsstufen aussieht.

Wenn Sie mit der Maus auf einen NRW-Kreis klicken, wird unter der interaktiven Karte jeweils ein Kasten sichtbar, der die zehn Branchen mit den meisten unbesetzten Stellen in dem jeweiligen Kreis in Nordrhein-Westfalen anzeigt. Die Daten beziehen sich auf das Jahr 2018 und werden als Monatsdurchschnitt angegeben.

Über die vier Kästen können verschiedene Qualifikationsstufen der Arbeitnehmer, darunter Fachkräfte, angewählt werden. Die Arbeitsämter unterteilen Arbeitssuchende anhand deren Qualifikation in vier aufsteigende Niveaustufen: Helfer, Fachkraft, Spezialist und Experte. So fallen ungelernte Berufe wie Reinigungskräfte immer unter Helfer, während sich Fachärzte in der Spezialisten- und Experten-Gruppe wiederfinden.

Offene Stellen für Helfer

Aus der Karte geht zum Beispiel hervor, dass es im Kreis Borken die meisten offenen Helfer-Stellen in der Branche „Lagerwirtschaft, Post, Zustellung, Güterumschlag“ gab. Hier waren im vergangenen Jahr 126 Stellen nicht besetzt. In der Branche „Lebensmittel- und Genussmittelherstellung“ gab es 62 offene Helfer-Stellen, in der Branche „Bau- und Transportgeräteführung waren 53 Helfer-Stellen unbesetzt. Die nachfolgende interaktive Karte zeigt deutschlandweit die zehn Branchen mit den meisten unbesetzten Stellen im Jahr 2018.

Bei den Fachkräften gab es im vergangenen Jahr im Kreis Borken 483 offene Stellen in der Branche „Fahrzeugführung im Straßenverkehr“. Dem standen 248 Fachkräfte in der Branche gegenüber, die auf Jobsuche waren.

Kraftfahrer gesucht

Laut Arbeitsagentur werden viele der freien Arbeitsstellen (Berufskraftfahrer im Güterverkehr) für Fernfahrten gemeldet, die Arbeitslosen wünschen aber vorrangig Tätigkeiten im Auslieferungsverkehr. Diese Differenz führt häufig zu Schwierigkeiten bei der Stellenbesetzung. Ebenfalls viele offene Fachkräfte-Stellen gab es in der „Maschinenbau- und Betriebstechnik“ (153) sowie in der Branche „Metallbau und Schweißtechnik“ (125 offene Stellen).

Bei den Spezialisten gab es im vergangenen Jahr im Kreis Borken 49 offene Stellen in der Branche „Einkauf und Vertrieb“, in der Branche „Rechnungswesen, Controlling und Revision“ waren es 17 offene Stellen, in der Branche „Nicht ärztliche Therapie und Heilkunde waren 16 Spezialisten-Stellen nicht besetzt.

Stellen für Experten

Bei den Experten gab es im vergangenen Jahr im Kreis Borken die meisten offenen Stellen in der Branche „Bauplanung und -überwachung, Architektur“ (126), in der Branche „Softwareentwicklung und Programmierung“ waren 22 Stellen nicht besetzt, ebenfalls 22 offene Stellen gab es in der Branche „Informatik“.

Auf dieser interaktiven Karte sehen Sie, welche zehn Branchen in den NRW-Kreisen im vergangenen Jahr am meisten von Arbeitnehmern nachgefragt wurden. Klicken Sie dazu mit der Maus auf die Karte.

Bei den Helfern gab es im Kreis Borken die meisten Stellen-Gesuche (957) in der Branche „Lagerwirtschaft, Post, Zustellung, Güterumschlag“. Diese Branche verzeichnete auch die meisten offenen Stellen (126). Im Kreis Borken kamen im vergangenen Jahr statistisch auf jede offene Helfer-Stelle 8,45 arbeitssuchende Helfer.

Fachkräfte suchen eine Stelle

Bei den Fachkräften gab es im vergangenen Jahr 457 Stellen-Gesuche in der Branche „Verkauf“, in der Branche „Büro und Sekretariat“ suchten 415 Fachkräfte eine Stelle und 407 Fachkräfte suchten eine Stelle in der Branche „Objekt-, Personen-, Brandschutz, Arbeitssicherheit“. Im Kreis Borken kamen im vergangenen Jahr statistisch auf jede offene Fachkräfte-Stelle 1,90 arbeitssuchende Fachkräfte. Auf der folgenden interaktiven Karte sehen Sie, welche zehn Branchen deutschlandweit im vergangenen Jahr am meisten von Arbeitnehmern nachgefragt wurden.

Bei den Spezialisten gab es die meisten Gesuche der Arbeitnehmer in der Branche „Einkauf und Vertrieb“ (59), gefolgt von 58 Gesuchen in der Branche „Rechnungswesen, Controlling und Revision“ sowie 42 Gesuchen in der Branche „Erziehung, Sozialarbeit, Heilerziehungspflege“.

Bei den Experten suchten die meisten Arbeitnehmer eine Stelle in der Branche „Einkauf und Vertrieb (47), in der Branche „Erziehung, Sozialarbeit, Heilerziehungspflege“, sowie eine „Lehrtätigkeit an allgemeinbildenden Schulen (38).

Berufsgruppen mit Fachkräfte-Engpass

Laut der Fachkräfte-Engpassanalyse NRW der Arbeitsagentur für das Frühjahr 2019 ist das Münsterland die Arbeitsmarktregion mit der geringsten Arbeitslosigkeit in NRW. Engpässe gibt es bei Fachkräften der Energietechnik. In dieser Branche kommen auf 100 Arbeitsstellen nur 37 Arbeitslose; mit sinkender Tendenz. Bei den Fachkräften für Bodenverlegung kommen auf 100 Arbeitsstellen im Münsterland 96 Arbeitslose.

Berufsgruppen mit Fachkräftemangel

Ebenfalls Engpässe gibt es bei Fachkräften der Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik. Auf 100 Arbeitsstellen kommen 49 Arbeitslose, 21 weniger als im Vorjahr. Weitere Berufsgruppen, bei denen im Münsterland ein Fachkräftemangel herrscht: Fachkräfte der Ver- und Entsorgung, Experten der Softwareentwicklung, Examinierte Altenpfleger und Meisterinnen des Friseurgewerbes.

Die Karte bietet eine Übersicht über die Zahl der Arbeitssuchenden im zeitlichen Verlauf. Über die drei Kästen über der Karte können die Jahre 2011, 2015 und 2018 angewählt werden. 2011 kamen im Kreis Borken auf jede Stelle statistisch 4,96 arbeitssuchende Menschen, 2015 waren es 5,56 arbeitssuchende Menschen und 2018 kamen auf jede Stelle statistisch 5,64 arbeitssuchende Menschen.

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