Wie die Firma Bark tonnenschwere Lasten grammgenau wiegt

dzWaagenmanufaktur Bark

Die Firma Bark an der Kruppstraße in Ahaus hat sich auf mobile Wiegetechnik spezialisiert. Das Unternehmen baut seine Waagen deutschlandweit zum Beispiel in Radlader ein.

Ahaus

, 21.10.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Bark? Der erste Gedanke kreist um einen Segelschiffstyp mit mindestens drei Masten. Die Zahl drei und drei Segel spielen auch bei der Waagenmanufaktur Bark in Ahaus eine Rolle. Das Unternehmen mit Sitz an der Kruppstraße hat sich auf die System- und Wiegetechnik spezialisiert.

2003 startete die Firma im Südkreis Borken, in Raesfeld-Erle. Zu den drei Gründern gehört Uwe Tomischat aus Stadtlohn, der das Unternehmen heute zusammen mit Georg Bröker führt.

Jetzt lesen

2010 zog Bark nach Ahaus, einer drei Geschäftsführer schied damals aus dem Unternehmen aus. Was Bark nach Ahaus führte? „Wir haben geschaut, wo es von der Anfahrt her passt“ erklärt der 54-jährige Uwe Tomischat. Von Stadtlohn sei es für ihn nicht weit nach Ahaus, von Rosendahl-Osterwick, wo Georg Bröker wohnt, ebenfalls nicht.

„Am Standort sehr zufrieden“

Die Firma siedelte sich in einer Halle in einem Ahauser Industriegebiet an. „2012 bot uns die Stadt ein Grundstück an der Kruppstraße an. Das war für uns eine gute Gelegenheit, eine eigene Halle und Büroräume aufzubauen“, sagt Uwe Tomischat.

Die Fläche bietet zudem Erweiterungsmöglichkeiten. „Wir sind hier am Standort sehr zufrieden.“ Nicht nur mit dem Platz an der Kruppstraße, sondern auch mit dem Wirtschaftsstandort Ahaus.

„Der ist aus unserer Sicht genial“, nicht zuletzt wegen der Autobahnnähe. „Wir sind hier zwar am Rande der Bundesrepublik, aber trotzdem zu allen Seiten mobil.“ Sämtliche Kunden seien in wenigen Stunden zu erreichen.

Zurück zum Firmennamen. „Viele gaben ihren Firmen damals Namen mit der Endung „tech“, das wollten wir nicht“, blickt der Geschäftsführer zurück. Eine der Ehefrauen brachte das Wort „Bark“ ins Spiel, damals waren die Geschäftsführer noch zu dritt.

„Wir fanden das gut und haben auch drei stilisierte Segel im Firmenlogo.“ Dabei ist es bis heute geblieben.

Schließlich habe der Name einige Vorteile, sagt Tomischat. „Er ist im Deutschen und im Englischen gut aussprechbar. B ist der zweite Buchstabe im Alphabet, wir stehen auf Ausstellerlisten recht weit oben.“

Die Firma Bark zählt heute insgesamt acht Mitarbeiter. Spezialisiert hat sich das Ahauser Unternehmen auf hydraulisch basierte Waagen. Sie baut ihrer Systeme zum Beispiel in Radlader ein.

Technik passt in einen Schuhkarton

Die Technik dahinter: Während die Schaufel des Radladers hochfährt, wird das Gewicht über Druckaufnehmer am Hubzylinder ermittelt. Ab einer bestimmten Hubstrecke wird die Elektronik aktiv. Das ermittelte Gewicht wird drahtlos zum Beispiel auf ein Display oder ein Notebook in die Fahrerkabine übertragen.

Uwe Tomischat: „Unsere Produkte bauen wir in große Baumaschinen ein, zum Beispiel in Teleskoplader, aber sie passen von der Größe her in einen Schuhkarton.“ Die Elektronik macht‘s möglich.

Haupteinsatzgebiet ist die Gewinnungsindustrie, zum Beispiel Sandgruben und Kiesgruben. Hinzu kommen Baustoffhändler, Recyclingbetriebe und andere Firmen, die ihre Waren wiegen und erfassen müssen.

Uwe Tomischat nennt ein Beispiel aus dem Baustoffhandel. „Wer als Endkunde eine Tonne Sand braucht, will auch sichergehen, dass er eine Tonne bekommt.“ Das ist in Deutschland dadurch sichergestellt, dass nach einer geeichten Waage abgerechnet wird.

Wie die Firma Bark tonnenschwere Lasten grammgenau wiegt

Bark-Geschäftsführer Uwe Tomischat © Christian Bödding

Bark verfügt über eine Eichzulassung. „Ein Prozess, der ungefähr ein Jahr dauert. Die Geräte werden auf Herz und Nieren geprüft.“ Die Bark-Waagen werden bei der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt in Braunschweig zugelassen.

„Die sogenannte Erstinverkehrbringung dürfen wir selber vornehmen, weil wir entsprechende Schulungen und Zertifizierungen haben“, erläutert der Geschäftsführer. Die Eichung sei zwei Jahre gültig. „Danach prüft das Eichamt die Waage alle zwei Jahre.“

Für die Eichung verfügt Bark über Eichgewichte in der Größe eines 50-Liter-Bierfasses – aber 500 Kilogramm schwer. Die Gewichte dürfen nur um wenige Gramm davon abweichen, das wird jährlich geprüft.

Wenn ein Radlader beispielsweise 14 Tonnen heben kann, dann werden 28 Gewichte zu 500 Kilogramm in die Schaufel gepackt. „Dieser Wert wird fünf Mal hintereinander gefahren. Bei der Messung sind enge Grenzen einzuhalten.“

Die gewonnenen Daten können dank des Bark-Systems windowsbasiert drahtlos übertragen werden. Sei es in die Fahrerkabine, sei es zum für die Auftragsbearbeitung zuständigen Mitarbeiter auf dem Gelände.

Mehrere Radlader im Einsatz

Doch funktioniert die Datenübertragung dank Bark auch in die andere Richtung. Uwe Tomischat nennt noch ein Beispiel. „Wenn in einer Sandgrube zum Beispiel mehrere Radlader im Einsatz sind, dann können die Aufträge effizient verteilt werden. Just-in-time. Derjenige Radlader, der gerade frei ist, bekommt die Auftragsdaten zugespielt.“

Die Firma Bark sieht sich dabei als Hersteller. Hard- und Software wird an der Kruppstraße nicht produziert, sondern zusammengetragen. Entwickelt werden die Komponenten von Ingenieurbüros. Nichts wird von der Stange gekauft.

„Wir sehen uns als Allrounder“, sagt Uwe Tomischat. An der Kruppstraße steht die Ideenschmiede für die Wiegesysteme, dort wird koordiniert.

Dabei wollen nur wenige Kunden eine Standardlösung. „Jeder hat seine Arbeitsabläufe und möchte sich nicht durch seine Maschinen vorgeben lassen, diesen Ablauf zu ändern“, sagt Uwe Tomischat. „Es sei denn, es bringt Vorteile.“

Vorteile sah auch das Klinkerwerk Hagemeister in Nottuln im Wiegesystem der Ahauser Waagenmanufaktur. Die Bark-Radlader-Waagen können dort über eine Schnittstelle auf sämtliche vorhandenen Klinker-Rezepte zugreifen.

Wie die Firma Bark tonnenschwere Lasten grammgenau wiegt

Das Klinkerwerk Hagemeister in Nottuln setzt auf die Bark-Wiegesysteme. Das Foto zeigt (v.l.) Christoph Fliß (Produktionsleiter Hagemeister), Tobias Busch (Projektleiter Bark) und Thomas Jasper (Abteilungsleiter Hagemeister). © Bark

Ausgehend von diesen Rezepten und dem Gesamtvolumen, das für die Produktion eines solchen Rezeptes vorab in die Waage eingegeben wird, errechnet das System die exakten Tonnagen für die jeweils erforderlichen Einzelkomponenten.

Zudem erfasst die Waage jeden Arbeitsschritt und jede Verwiegung. Über eine digitale Schnittstelle werden alle Daten in Echtzeit an die Arbeitsplaner übertragen und auch die Kollegen auf den Radladern können zu jedem Zeitpunkt nachvollziehen, ob sie die Gesamtmenge für eine Komponente bereits erreicht haben oder nicht.

Das Klinkerwerk in Nottuln lag als Kunde fast vor der Tür, dabei ist Bark deutschlandweit sowie in den Niederlanden, der Schweiz, Österreich und Bulgarien unterwegs.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt