Haben die Gestalter dieses Werbeflyers betrügerische Absichten im Hinterkopf? Das ist weiterhin unklar. © Stephan Rape
Steinreinigung

Werbeflyer wirft Fragen auf: Abzocke oder seriöses Unternehmen?

Ein Werbeflyer für eine Ahauser Stein- und Gebäudereinigungsfirma sorgt für Fragezeichen. Der Verdacht: Es handelt sich dabei um eine Abzocker-Firma. Beweise gibt es dafür (noch) nicht.

Ein Flyer, der unter anderem der Montagsausgabe (26. April) der Münsterland Zeitung beilag und angeblich für Dienstleistungen des Unternehmens „Stein- und Gebäudereinigung Ahaus“ wirbt, sorgt für Fragezeichen. Gleich mehrere Leserinnen und Leser haben sich an die Redaktion gewandt.

Mit dem Verdacht, dass hier womöglich betrügerische Absichten dahinterstecken könnten. Immer wieder wurde auf eine Dokumentation von „Der Spiegel“ verwiesen, die Ende März im TV ausgestrahlt wurde. Hierin geht es um dreiste Abzocker, die mit Steinreinigung werben, aber nur auf das schnelle Geld aus sind. Ihre Opfer: vor allem Rentner und ihr Erspartes.

Die Parallelen zum Werbeflyer der „Stein- und Gebäudereinigung Ahaus“ gehen über die Branche hinaus. Auch im vorliegenden Fall wird zum Beispiel eine Firmenadresse angegeben, die es in der Stadt nicht gibt: „Wessomer Straße 222“. Gemeint ist offenbar die Wessumer Straße, doch eine Hausnummer 222 sucht man hier vergebens. Weitere Auffälligkeit: In den nächsten sieben Tagen gebe es 30 Prozent auf alle Dienstleistungen.

Solche Aktionen sind nicht verboten, aber bei seriösen Betrieben äußerst selten. Der Hinweis auf einen Ansprechpartner oder Firmeninhaber fehlt im Übrigen komplett. Ansonsten wirkt der Flyer seriös, von einigen Rechtschreibfehlern einmal abgesehen. Die Stadt Ahaus berichtet allerdings, dass ein Gewerbe mit diesem Namen in Ahaus nicht angemeldet sei. Weder in der Wessumer Straße noch sonst irgendwo.

Redaktion gibt sich als Interessent aus

Um zu testen, was sich hinter dem Unternehmen verbirgt, gibt sich die Redaktion als Interessent aus. Merkwürdig: Schon in dem Augenblick, wo die Mobilfunknummer angewählt wird, erklingt eine Stimme am anderen Ende der Leitung. Ein Freizeichen gibt es nicht. „Hallo?“, meldet sich eine Dame. Sie nennt weder ihren Namen noch den des Unternehmens. Erst auf Nachfrage bestätigt sie, dass es sich um „Stein- und Gebäudereinigung Ahaus“ handelt.

Sollte Interesse an einer Dienstleistung bestehen, könnte schon am nächsten Tag ein Mitarbeiter vorbeischauen. Über Preise möchte die Mitarbeiterin am Telefon nicht sprechen. Auf die Frage, warum der Werbeflyer eine falsche Adresse enthält, antwortet sie: „Da haben uns schon viele Kunden drauf hingewiesen. Es ist ein Druckfehler, da steht eine zwei zu viel.“ Auf weitere Nachfrage wimmelt die Dame den Redakteur ab. „Melden Sie sich wieder, wenn Sie einen Termin haben möchten.“

Polizei: „Es ist erst einmal sauber, was dort gemacht wird“

Die Polizei erklärt auf Anfrage, dass sie in Borken wegen eines ähnlich gelagerten Falls die Ermittlungen aufgenommen hat. Auch hier gab es Hinweise aus der Bevölkerung. Weil weder Staatsanwaltschaft noch Polizei Anzeigen vorliegen, ist die Sache allerdings kompliziert. „Es spricht zwar einiges dafür, dass es sich um kein seriöses Angebot handelt, aber beweisen können wir es nicht. Bisher liegt uns kein Hinweis vor, dass die genannten Unternehmen ihre Arbeiten minderwertig ausführen oder deutlich zu hohe Preise verlangen“, berichtet Dietmar Brüning von der Pressestelle der Kreispolizei Borken.

Die Verbraucherzentrale NRW gibt gleich mehrere Tipps, um seriöse von unseriösen Dienstleistern zu unterscheiden. Ein gutes Indiz sei zum Beispiel Preistransparenz und die Angabe von vollständigen Firmendaten (Anschrift, Geschäftsführer, etc.). Skepsis sei hingegen dann angebracht, wenn auf die Kunden Druck ausgeübt wird, das Angebot anzunehmen oder einen großen Teil des Preises im Voraus in bar zu bezahlen.

Info:

Die Verteilung des Werbeflyers wurde über die überregionale Anzeigenabteilung in Dortmund gebucht und regulär abgewickelt. „Es ist sehr schwierig zu beurteilen, ob jemand mit seinem Unternehmen unseriöse Geschäfte tätigen möchte“, erklärt Christoph Winck, Verlagsleiter der Münsterland Zeitung.

Über den Autor
1991 in Ahaus geboren, in Münster studiert, seit April 2016 bei Lensing Media. Mag es, Menschen in den Fokus zu rücken, die sonst im Verborgenen agieren.
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Johannes Schmittmann
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