Weniger Kunden durch Corona: Sawall schließt nach 33 Jahren in Ahaus

dzTraditions-Modehaus schließt

Nach 33 Jahren schließt Sawall, ein Modehaus für Übergrößen, seinen Standort am Markt in Ahaus. Inhaber Peter Wilhelm erinnert sich an den Beginn und nennt die Gründe für das Ende.

Ahaus

, 20.11.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nach 33 Jahren ist Schluss. Zum Ende des Jahres schließt Sawall, das Modegeschäft für Übergrößen, am Markt. Peter Wilhelm, Inhaber und Geschäftsführer des Modehauses mit weiteren Standorten in Münster und Emsdetten (diese bleiben bestehen), nennt dafür mehrere Gründe.

Zwei wesentliche Gründe für die Schließung in Ahaus

Zum einen wäre da der deutliche Rückgang der Besucher 2020. „Die Kundenfrequenz ist in diesem Jahr wegen Corona sehr eingebrochen“, muss Peter Wilhelm feststellen. Der Einzelhandel mit Textilien sei aus seiner Sicht von den Einschränkungen durch das Tragen von Masken besonders betroffen.

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Zum anderen hat der Inhaber mit 65 Jahren selbst schon ein fortgeschrittenes Alter erreicht. „Wir mussten uns entscheiden, ob wir weiter investieren oder die Reißleine ziehen. Wenn wir uns für die Investition entschieden hätten, hätte ich mit 70, 75 noch arbeiten müssen. Ich habe gesagt, das mache ich nicht mehr“, erklärt Peter Wilhelm.

Treue Kunden bringen Blumen oder Sekt vorbei

Nachfolger oder Kinder, die das Geschäft in Ahaus übernehmen könnten, gibt es nicht. „Das ist schade, aber nicht zu ändern. Man muss auch mal an sich denken“, seufzt der Münsteraner. Wenn das Geschäft so weitergelaufen wäre wie vor 2020, hätte Sawall laut Peter Wilhelm jetzt nicht geschlossen.

„33 Jahre in Ahaus, das ist ein halbes Leben. Man geht natürlich mit einem lachenden und einem weinenden Auge“, gibt der Sawall-Inhaber zu. Viele Kunden seien mit Sawall alt geworden. „Im Moment bringen einige mal Blumen oder eine Flasche Sekt vorbei“, spürt Peter Wilhelm die Anerkennung der treuen Kunden.

Noch kein Nachmieter gefunden

Gerade im Übergrößenbereich sei das Angebot vor Ort sehr eingeschränkt. „Wir sind quasi die letzten, die das in der Gegend noch anbieten“, berichtet er. Man biete den Kunden an, dass sie telefonisch Kleidung bestellen könnten. Wer vor Ort beraten werden will, muss jetzt aber bis nach Münster fahren.

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Seit dem 14. November läuft der Räumungsverkauf bei Sawall. Ein Nachmieter für die Immobilie ist noch nicht gefunden. Mindestens zwei Mal in der Woche war Peter Wilhelm vor Ort in Ahaus. Aktuell ist er fast jeden Tag da.

Stellenwert von Mode hat abgenommen

„Es war eine schöne Zeit mit netten Kunden“, meint er im Rückblick. Besonders gerne erinnert er sich an die Anfangszeiten: „Wir haben mit Modenschauen die ganze Stadthalle mit 400 Leuten gefüllt. Das hat richtig Spaß gemacht.“

Damals habe Mode generell noch einen höheren Stellenwert gehabt als heute. „Das Kaufverhalten ist ganz anders als vor 30 Jahren. Mode ist sekundär geworden. Früher haben sich die Leute zu Ostern oder Weihnachten schick gemacht, das ist nicht mehr so wichtig“, bemerkt Peter Wilhelm.

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