Weltbürger und Ur-Ahauser Bernd Oldenkott verstirbt mit 95 Jahren

Nachruf

Er hat als Botschafter weite Teile der Welt gesehen, aber immer den Kontakt in die Heimat beibehalten: Der gebürtige Ahauser Bernd Oldenkott ist im Alter von 95 Jahren vor Kurzem verstorben.

Ahaus

, 02.11.2020, 17:04 Uhr / Lesedauer: 2 min
Bernd Oldenkott vor seinem Elternhaus, dem Ahauser Schloss.

Bernd Oldenkott vor seinem Elternhaus, dem Ahauser Schloss. © Stefan Grothues

Der Botschafter a. D. Bernd Oldenkott ist, wie jetzt bekannt wurde, bereits am 21. Oktober im Alter von 95 Jahren in Köln verstorben. Geboren wurde Bernd Oldenkott in Ahaus als Spross der gleichnamigen, ehemaligen Tabakdynastie. Schon sein Urgroßvater Hermann Oldenkott war Tabakfabrikant und hatte sich als Mieter im Schloss seine Pfeifentabakfabrik eingerichtet.

Tabakmanufaktur im Schloss

Großvater Jacob Oldenkott kaufte schließlich im Jahre 1829 das Ahauser Schloss und vergrößerte die Tabakmanufaktur. Um 1919 beschäftigte die Fabrik schon rund 80 Mitarbeiter.

Mit dem Boom der Zigarettenindustrie sank die Nachfrage nach Pfeifentabak und 1929 musste die Familie den Betrieb stilllegen. Bis zur Bombardierung des markanten Gebäudes im März 1945 blieb die Familie jedoch weiterhin im Barockschloss ansässig. Die Trümmer kaufte anschließend der Landkreis Ahaus, um es nach alten Plänen wieder aufzubauen. „Ich kann sagen, mein Elternhaus steht noch“, sagt Bernd Oldenkott einst.

Erlebnisse im Krieg

Bernd war das zweite von vier Kindern von Paul und Annemarie Oldenkott und verband schöne Kindheitserinnerungen mit seiner alten Heimat.

Der gebürtige Ahauser hat den Zweiten Weltkrieg als Soldat an der Ostfront miterlebt, ehe er in amerikanische Kriegsgefangenschaft kam. Auch sein Vater und sein Bruder Theo zogen in den Krieg. „Mein Vater ist Ende 1945 wiedergekommen, da hatte ich einen ganz fremden Menschen vor mir stehen“, erinnerte der Diplomat sich einmal.

Auswärtiger Dienst

Nach seiner Heimkehr absolvierte er ein Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Köln. Von 1954 bis 1955 war er in Ahaus als Rechtsanwalt tätig.

Noch im gleichen Jahr trat er in den Auswärtigen Dienst ein und war von 1957 bis 1959 Vizekonsul am Konsulat in Houston sowie bis 1962 Legationsrat in der Zentrale des Auswärtigen Amtes in Bonn.

Weit gereister Diplomat

Seine Karrierestationen umfassten Anstellungen an den Botschaften von Indien und Indonesien sowie als Botschafter in Nigeria und Äthiopien.

1983 wurde Oldenkott, der immer einen guten Draht in seine alte Heimat hatte, eine besondere Ehre zuteil: Er erhielt das Verdienstkreuz erster Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.

Spenden für die Hungernden gesammelt

Als Botschafter in Äthiopien hatte er 1984 und 1985 im Altkreis Ahaus zu Spenden für die hungernde, äthiopische Bevölkerung aufgerufen und über eine halbe Million Mark gesammelt. Ein großer Erfolg für Oldenkott.

Ab 1988 war zuletzt als Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in Thailand tätig, ehe er 1990 in den Ruhestand ging.

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