Ahaus und die Ortsteile sind mit Hausärzten im Moment noch gut versorgt – auch wenn es in Wessum und Graes keine Praxen gibt. Wie das in ein paar Jahren aussieht, ist eine andere Frage. Denn elf Ärzte in Ahaus und den Ortsteilen stehen relativ kurz vor dem Ruhestand. © picture alliance / Maurizio Gamb
Versorgungsquote

Vorerst sind Ahaus und die Ortsteile gut mit Hausärzten versorgt

Auch wenn es in zwei Ortsteilen keine Hausarztpraxis gibt, ist Ahaus insgesamt gut versorgt. Doch das könnte sich in den nächsten Jahren ändern. Denn einige Ärzte sind kurz vor dem Ruhestand.

Die gute Nachricht: Was Hausärzte angeht, sind Ahaus und die Ortsteile im Moment noch gut versorgt. Die schlechteren: Wessum und Graes werden weiter ohne eigene Hausarztpraxis auskommen müssen. Und in ein paar Jahren sieht alles sowieso noch einmal ganz anders aus, denn etliche Ärzte gehen in den kommenden Jahren in den Ruhestand.

Die SPD-Fraktion hatte nach einem Stand der Dinge rund um die ärztliche Versorgung in der Stadt und den Ortsteilen gefragt. Und Beigeordneter Werner Leuker antwortete im Ausschuss für Soziales und Arbeit, Familien und Senioren am Mittwochabend mit einem großen Rundum-Schlag.

Kassenärztliche Vereinigung fasst vier Kommunen zusammen

Zunächst zur Erklärung: Für die Verteilung der Hausärzte in und um Ahaus ist die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe verantwortlich. Sie betrachtet allerdings nicht die Kernstadt oder die Ortsteile im Detail, sondern fasst ein größeres Gebiet zusammen. Einen sogenannten Mittelbereich: Für Ahaus bedeutet das, dass neben den Ortsteilen auch die Kommunen Heek, Legden und Schöppingen mit in die Berechnung einbezogen werden.

In diesem Gebiet gibt es insgesamt 45 Hausärztinnen und -ärzte. Das entspricht einer Versorgungsquote von 110,9 Prozent. „Wir sind im Westmünsterland vergleichsweise gut versorgt“, erklärte Werner Leuker. Die Kassenärztliche Vereinigung differenziere aber eben nicht nach einzelnen Ortsteilen. „Im Moment können wir nichts geltend machen“, sagte er.

Elf Ärzte gehen bald in den Ruhestand

Das ändere sich vielleicht in einigen Jahren: So seien allein in Ahaus elf Ärzte über 60 Jahre alt. „Sie gehen also in den nächsten fünf bis sieben Jahren in den Ruhestand“, erklärte Werner Leuker. Damit würden sich dann die Verhältnisse verschieben.

Beatrix Wantia (CDU sowie Ortsvorsteherin von Wessum) hakte nach: Es gebe also keine Chance, einen Arzt in den Ortsteil Wessum zu holen? „Das ist Thema in wirklich sehr vielen Gesprächen gewesen“, sagte sie. Werner Leuker blieb nichts anderes übrig, als mit dem Kopf zu schütteln. Im Moment sei schlicht nichts machbar.

Trend geht von der Landarztpraxis zum Versorgungszentrum

Und auch auf lange Sicht werde sich die Versorgung mit Ärzten im ländlichen Raum wohl grundlegend ändern. „Der Trend geht hin zu Medizinischen Versorgungszentren“, erklärte er. Die typische Landarztpraxis sei ein Auslaufmodell. Die Wege würden dadurch etwas länger, die Versorgung würde an einzelnen Zentren konzentriert – könne aber langfristig gesichert werden.

Junge Ärzte würden lieber im Team arbeiten, als sich mit einer eigenen Praxis selbstständig zu machen. So könnten sie nicht nur verlässlichere Arbeitszeiten erreichen, sondern auch viel Bürokratie und das wirtschaftliche Risiko einer eigenen Praxis in Selbstständigkeit vermeiden. „Das ist aber kein Phänomen für den Kreis Borken, sondern ein bundesweiter Trend“, sagte er.

Schwierigkeiten, Ärzte für das Leben auf dem Land zu begeistern

Insgesamt sei es schwierig, junge Ärzte für eine Karriere im ländlichen Raum zu begeistern. „Gemeinden und Ortsteile, die kleiner als 8000 Einwohner sind, haben da das größte Problem“, erklärte er. Auch da sei der Kreis Borken schon tätig geworden und versuche etwa über Praktika junge Ärzte für den Dienst auf dem Land zu begeistern.

Übrigens sieht es auch bei der Versorgung mit Fachärzten für Ahaus und die Ortsteile ähnlich gut aus. Spitzenreiter sind die Augenärzte: Hier liegt die Versorgungsquote für Ahaus bei 419,1 Prozent. „Das überrascht wohl niemanden“, sagte Werner Leuker lachend. Aber auch bei Chirurgen und Orthopäden (155,9), Frauenärzten (159,3), Hautärzten (152,5), HNO-Ärzten (225,2), Kinderärzten (114,3), Psychotherapeuten (134,2) und Urologen (237,4) stehe die Stadt gut da. Einzig bei Neurologen (59,6) gebe es im Moment eine Unterversorgung in der Stadt. Mit Blick auf den Kreis Borken gleiche sich das aber schon wieder aus: Kreisweit liege die Quote in diesem Bereich bei 110,7 Prozent.

Über den Autor
Redaktion Ahaus
Ursprünglich Münsteraner aber seit 2014 Wahl-Ahauser und hier zuhause. Ist gerne auch mal ungewöhnlich unterwegs und liebt den Blick hinter Kulissen oder normalerweise verschlossene Türen. Scheut keinen Konflikt, lässt sich aber mit guten Argumenten auch von einer anderen Meinung überzeugen.
Zur Autorenseite
Stephan Rape
Lesen Sie jetzt