Vier Prozent Dividende für die Windkraft

dzEnergiegenossenschaft Ahaus-Heek-Legden

Im dritten Jahr gibt es die erste Dividende. Vier Prozent Gewinn machen die Mitglieder der Energiegenossenschaft. Wer jetzt noch einsteigen will, muss Eintrittsgeld zahlen.

Ahaus, Heek, Legden

, 28.06.2019, 04:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

„Wir sind ausverkauft“: Am Mittwoch, am Tag der Generalversammlung, hat die Energiegenossenschaft Ahaus-Heek-Legden die letzten der 15.300 Anteile verkauft. Da konnten sich die 241 Mitglieder, die in die Stadthalle gekommen waren, gratulieren. Sie erhalten nach dem erfolgreichen Geschäftsjahr 2018 erstmals eine Dividende in Höhe von vier Prozent.

Neben dem wirtschaftlichen Erfolg ist das gute Gefühl nicht zu unterschätzen, etwas gegen den Klimawandel getan zu haben. Das erläuterte eindrucksvoll Heinz Thiel, der am Ende aus der Sicht des Projektbegleiters auf das Bürgerwindprojekt schaute.

Vier Prozent Dividende für die Windkraft

241 Mitglieder der Energiegenossenschaft Ahaus-Heek-Legden besuchten die Generalversammlung. © Ronny von Wangenheim

Doch bis dahin ging es erstmal um Bilanzen, Erträge und viele Zahlen zur Energiegenossenschaft, die eine der größten in Deutschland ist. Zufrieden zeigten sich die Mitglieder mit der Dividende in Höhe von vier Prozent. Sie wird im August ausgezahlt. Der Antrag eines Mitglieds, der fünf Prozent forderte, fand nur zwölf Stimmen.

Eintrittsgeld für neue Mitglieder

Fast einstimmig beschlossen wurde auch der Vorschlag, künftig ein Eintrittsgeld in Höhe von vier Prozent der Einlage einzuführen. „Sie haben Mut bewiesen und Anteile gekauft, als es noch keine Dividende gab“, sagte Vorstandsmitglied Heinz Bendfeld. Die Altmitglieder sollten nicht bestraft werden. „Heute ist die Entscheidung leichter und der Erfolg ist absehbar.“ Wer sich jetzt für eine Beteiligung meldet, kommt auf eine Warteliste. Aufsichtsratsmitglied Michael Kersting erläuterte: „In der Höhe haben wir uns an der Dividende orientiert.“ Altmitglieder können sich bis 31. Juli auf die Warteliste setzen und zahlen dann keinen Zuschlag.

Zu Beginn der Generalversammlung zog Vorstandsmitglied Karl-Heinz Siekhaus Bilanz. 2018 lief es gut für die Energiegenossenschaft Ahaus-Heek-Legden mit ihren drei eigenen Anlagen und Beteiligung an weiteren Windenergieanlagen. Insgesamt gehören 19 Anlagen zur wachsenden „Ahleg-Familie“.

Vier Prozent Dividende für die Windkraft

Gregor Ahler stellte die Bilanz vor uns konnte von einem Jahresüberschuss berichten. © Ronny von Wangenheim

„Alle Anlagen außer einer, und das wegen technischer Probleme, sind termingerecht in Betrieb gegangen“, erläuterte Siekhaus. Bei einer Anlage in Quantwick stehe eine Abnahme kurz bevor. Erfreulich sei, dass mit dem Windenergieanlagen-Hersteller Enercon eine gute Regelung getroffen wurde. 2018 waren Risse in den Türmen von Windanlagen der Reihe E 141 aufgetreten. Sanierung und Ertragsausfall werden von Enercon übernommen.

Jetzt lesen

Ansonsten seien die Anlagen sehr zuverlässig gelaufen, so Siekhaus. Die drei Anlagen im Isingort in Legden beispielsweise, von der eine der Energiegenossenschaft gehört, haben 26,4 Millionen Kilowattstunden Strom erzeugt. Das entspricht der Versorgung von 7452 Haushalten. „Unsere Prognose wurde in den meisten Monaten übertroffen“, so Karl-Heinz Siekhaus. In Quantwick wurden 71,5 Millionen Kilowattstunden verzeichnet, wobei hier die Entschädigungen von Enercon umgerechnet wurden. „In Zukunft werden noch bessere Erträge kommen.“

14.341 Haushalte mit regenerativem Strom versorgt

2018 wurden insgesamt 150,6 Millionen Kilowattstunden in den 19 Windkraftanlagen eingespeist, mit denen 43.025 Durchschnittshaushalte versorgt werden könnten. Der Anteil der Energiegenossenschaft liegt bei 50,2 Millionen Kilowattstunden, was einer rechnerischen Versogung von 14.341 Haushalten entspricht. „Pro Anteil wird mehr als ein Haushalt mit regenerativem Strom versorgt“, so Siekhaus: „Wir sind sehr nahe an unserem Ziel.“

Heinz Thier, Geschäftsführer der BB-Wind, beleuchtete am Ende das Bürgerwindprojekt Ahaus-Heek-Legden mit Blick auf den Klimawandel. „Die fossile Energiewelt geht zu Ende“, sagt er und belegte eindrucksvoll, wie Windkraft zu einer sehr großen regionalen Wertschöpfung führe. 2018/19 habe es eine Einbruch beim Bau von neuen Anlagen gegeben. „Das wird in zwei Jahren weitergehen“, ist er überzeugt.

Enercon kostete eine Menge Nerven

Offen sprach er auch über die Probleme mit den Enercon-Anlagen E 14 und beschrieb die Mängel und die Sanierung, die im August beginnen soll. „Das hat uns eine Menge Nerven gekostet.“ Auch die Insolvenz der Herstellerfirma Senvion machte Sorgen. Heinz Thier geht davon aus, dass ein amerikanisches oder ein asiatisches Industrieunternehmen das Unternehmen Senvion übernehmen wird.

Für die Teilnehmer der Versammlung hatte er noch eine gute Nachricht: Jedes Mitglied verbessere seinen CO2-Fußabdruck. 9 Tonnen pro Jahr beträgt er für jeden Menschen. Für die 1100 Mitglieder verbessere er sich um minus 17 Tonnen. Thier augenzwinkernd: „Da können sie noch mal nach Malle fliegen oder eine Kreuzfahrt machen.“

Zahlen

  • Positive Zahlen hatte Vorstandsmitglied Gregor Ahler. Die Bilanzsumme stieg von 22,2 Millionen Euro auf 25,2 Millionen Euro.
  • Bei Umsatzerlösen von 2,481 Millionen Euro, zu denen auch die Beteiligungen der Mitglieder gehören, blieb ein Jahresüberschuss von 729.000 Euro.
  • Zu den Ausgaben gehören auch Gewerbesteuern in Höhe von 135.000 Euro, was Bürgermeisterin Karola Voß gerne hörte. Die Stadt Ahaus ist Sitz der Energiegenossenschaft.
  • 2018 wurden 141 neue Mitglieder gewonnen, damit waren es 1071 am Ende des Jahres.
  • Am Donnerstag traf sich der Aufsichtsrat der Genossenschaft zur konstituierenden Sitzung. Michael Kersting wurde zum Vorsitzenden des Aufsichtsrates gewählt hat. Zu seinem Stellvertreter wurde Wolfgang Niehues gewählt, der bis Dienstag der Vorsitzende war.
Schlagworte:
Lesen Sie jetzt