Dr. Stefanie Schmickler, Geschäftsführerin des Augen-Zentrum-Nordwest, und Peter Sommer, Projektentwickler bei den Tobit.Labs, vor dem Eingang zum Next. Ab Donnerstag sollen in der momentan geschlossenen Diskothek an der van-Delden-Straßen die Impfungen anlaufen. © Stephan Rape

Vier Ärzte starten Donnerstag im „Next“ mit Impfungen im großen Stil

Mit drei Ärzten will Dr. Stefanie Schmickler am Donnerstag bis zu 400 Menschen impfen. Dafür setzt sie auf die Hilfe der Tobit.Labs. Denn die Impfungen dort sind fast komplett digitalisiert.

Es kommt neues Leben in die Disko „Next“ in Ahaus. Nein, keine Konzerte oder Partys. Alle Zeichen stehen auf Impfen.

Vier Ärzte wollen dort am Donnerstag in zwei Räumen impfen. Wenn alles klappt bis zu 400 Personen, die vorab einen Termin bekommen haben.

Drei Ärzte aus dem Augenzentrum Nordwest, Dr. Stefanie Schmickler, Dr. Margret Engels, Dr. Philipp Al-Romhein sowie die Anästhesistin Dr. Doris Hillmann werden dort am Donnerstag impfen. Je nach Priorisierung und Alter der Impflinge mit Biontech/Pfizer oder Astrazeneca. Eine Auswahlmöglichkeit gibt es natürlich nicht. Die Impfstoffe sind genau wie die Termine fest vorgegeben.

Gespräche mit weiteren Ärzten aus Ahaus laufen, wie Stefanie Schmickler auf Nachfrage erklärt. „Das Interesse ist groß“, sagt sie. Erste mündliche Zusagen habe sie bereits. Noch sei das aber nicht spruchreif. Auf jeden Fall könne die Idee leicht vergrößert werden.

Letzte Absprachen sind noch zu treffen. Auch das Lichtkonzept im Next wird bis Donnerstag noch auf den Impf-Betrieb umgeschaltet. Die Impfungen dort werden zunächst von vier Ärzten durchgeführt und werden durch die Software Chayns abgewickelt, die sich schon bei hundertausenden Schnelltests bewährt hat.
Letzte Absprachen sind noch zu treffen. Auch das Lichtkonzept im Next wird bis Donnerstag noch auf den Impf-Betrieb umgeschaltet. Die Impfungen dort werden zunächst von vier Ärzten durchgeführt und werden durch die Software Chayns abgewickelt, die sich schon bei hundertausenden Schnelltests bewährt hat. © Stephan Rape © Stephan Rape

Bisher hat sie solche Impftermine im Augenzentrum Nordwest angeboten. Doch dort sei zu wenig Platz für Impfen im großen Stil. Das funktioniere in den Räumen der Disko einfach besser. Unabhängig davon ist sie vom digitalen Ablauf überzeugt und begeistert.

Telefone stehen nicht mehr still, E-Mail-Postfächer quellen über

Aus dem Alltag schildert auch sie die sonst üblichen Probleme in der Abwicklung: „Die Telefone stehen nicht mehr still und auch das E-Mail-Postfach quillt über. Die Menschen versuchen alles, um an einen Impftermin zu kommen“, sagt sie. Darunter leide zum Teil auch der normale Alltag im Augenzentrum. „Wenn unsere normalen Patienten am Telefon nicht mehr durchkommen, müssen wir etwas anders machen“, sagt sie.

Durch die digitale Lösung werde aber nicht nur die Terminvergabe entzerrt, sondern auch das Impfen selbst beschleunigt: Dadurch, dass die Impflinge bereits vorab und digital den Anamnesebogen ausfüllen und sich auch schon digital ein Aufklärungsgespräch ansehen.

Impfprozess so weit digitalisiert wie es geht

Peter Sommer, Projektentwickler bei den Tobit.Labs, vergleicht das Impfprojekt im Next mit einem Prozess in einer Fabrik: „Wir haben das so weit digitalisiert, dass sich die Menschen vorab durch Anmeldung und Aufklärung arbeiten und dann nur noch für die Spritze hier vorbei kommen müssen“, sagt er.

„Wir stellen nur den Raum und die Plattform“, erklärt Peter Sommer. Der Raum der Disko sei einfach da und werde ja im Moment sowieso nicht genutzt. Und die Software sei bewährt und auch verbreitet: Spätestens seit Eröffnung der diversen Schnelltestzentren in der Region: „Wir haben über 600.000 Tests durchgeführt. Ich möchte mal sagen, das System ist etabliert“, erklärt er.

Und im Vergleich zum Testen sei das Impfen fast noch schneller und einfacher umzusetzen.

Gespräche auch unmittelbar vor der Impfung noch möglich

Natürlich sei auch unmittelbar vor der Impfung noch ein Gespräch mit einem Arzt möglich. „Da bekomme ich dann aber direkt alle Informationen, die ich brauche und muss mich zum Beispiel nicht mehr mit Papierkram herumschlagen“, erklärt Stefanie Schmickler. Im Ernstfall sei auch denkbar, dass eine Impfung unmittelbar beim Termin noch abgebrochen werde. „Wenn etwas dagegen sprechen würde“, sagt sie.

Insgesamt sei ein digitaler Ablauf, wie er jetzt im Next geplant ist, in ihren Augen der einzige Weg aus der Pandemie. „Wir müssen tausende Menschen impfen. Der eigentliche Ansturm kommt wohl erst ab Anfang Juni“, glaubt sie. Diese Menschenmenge zu kanalisieren, sei nur über digitale Prozesse möglich. „das funktioniert am Telefon einfach nicht“, da ist sich die Augenärztin sicher.

Analoge Verwaltung bremst den Impferfolg

Allein wegen der Verwaltung auf Papier. Sie nennt ein Beispiel: „Am vergangenen Samstag habe ich 117 Personen geimpft“, sagt sie. Im herkömmlichen, also analogen, Verfahren. Das allein ist eine große Leistung. „Mit der Aufarbeitung der Dokumentation war ich dann am Sonntag aber noch einmal vier Stunden beschäftigt“, fügt sie hinzu. Im großen Maßstab, wie er auf die Ärzte zurollt, sei das nicht denkbar.

Termine für die Impfungen im Next werden ausschließlich über die Plattform corona.chayns.de oder die entsprechende Smartphone-App vergeben. Auch vor Ort können am Donnerstag oder den folgenden Tagen keine Termine gemacht werden. Das betont Stefanie Schmickler ausdrücklich: Zutritt zum Next bekommt nur, wer sich über Chayns für einen Termin registriert hat und das Anmeldeverfahren dort abgeschlossen hat. „Wer lieber telefonisch einen Termin vereinbaren möchte, ist hier falsch“, sagt Peter Sommer. Dafür gebe es zahlreiche andere Wege – etwa im Impfzentrum in Velen oder in den Hausarzt-Praxen.

Das digitale Impfprojekt im Next sei eben nur einer von vielen Wegen zur Impfung. „Jeder muss für sich entscheiden, ob das für ihn oder sie funktioniert oder nicht“, erklärt er.

Der Ablauf sei simpel: Wer einen Termin bekommen hat, kann sich per QR-Code am Eingang einchecken und wird dann in den richtigen Raum geleitet. Nach kurzem Gespräch mit dem Arzt und der eigentlichen Impfung geht es dann auch schon wieder weiter. In der Mainstage – dem größten Raum im Next – warten die Impflinge dann nach der Impfung noch kurz, um mögliche Probleme auszuschließen. Natürlich unter Aufsicht durch medizinisches Personal.

Danach verlassen sie das Next schon wieder. Den Nachweis für die Impfung gibt es einerseits digital – wieder in der Chayns-App und natürlich auch als Eintrag im Impfpass: „Hier in der Region würde das digitale Zertifikat sicherlich akzeptiert“, ist sich Peter Sommer sicher. An einem Grenzübergang ins Ausland sehe das aber schon wieder anders aus.

Über den Autor
Redaktion Ahaus
Ursprünglich Münsteraner aber seit 2014 Wahl-Ahauser und hier zuhause. Ist gerne auch mal ungewöhnlich unterwegs und liebt den Blick hinter Kulissen oder normalerweise verschlossene Türen. Scheut keinen Konflikt, lässt sich aber mit guten Argumenten auch von einer anderen Meinung überzeugen.
Zur Autorenseite
Stephan Rape

Dorsten am Abend

Täglich um 19:00 Uhr berichten unsere Redakteure für Sie im Newsletter über die wichtigsten Ereignisse des Tages.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.

Lesen Sie jetzt