Video vom Diebstahl und 16.600 Euro im Keller – trotzdem Freispruch für den Angeklagten

dzDiebstahl in Ahaus

Das Ahauser Gastwirte-Ehepaar war sich sicher, auf der Videoaufzeichnung seinen ehemaligen Angestellten als Dieb von 18.600 Euro Tageseinnahmen erkannt zu haben. Der Richter sah das anders.

Ahaus

, 25.07.2019, 17:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Nicht mal eine halbe Stunde dauerte es am Donnerstag bis zum Freispruch beim Fortsetzungstermin wegen Diebstahls in einem besonders schweren Fall gegen einen 28-jährigen Angeklagten aus Ahaus. Den Angeklagten will ein Gastwirte-Ehepaar auf einer Videoaufzeichnung eindeutig erkannt haben.

Das Video zeigt unter anderem, wie ein Mann, der in der Nacht nach dem 7. Oktober in den Hotel- und Gastronomiebetrieb eingebrochen ist, sich im Flur den Schlüssel aus der Kommode nimmt, um die Tür zum Laden aufzuschließen. Auch im Büro ist der Einbrecher und Dieb bei der Tat gefilmt worden.

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18.600 Euro hatte der Gastwirt, wie er als Zeuge beim ersten Verhandlungstermin erzählte, nachts nach der Abrechnung in verschiedenen Umschlägen abgedeckt auf dem Tisch liegen lassen. Gegen seine Gewohnheit, aber weil wegen des vorangegangenen Oktoberfests auch noch Security vor Ort war, schilderte er.

Dieses Video lag dem Gericht beim ersten Verhandlungstermin nicht vor, aber am Donnerstag schauten sich an einem Laptop am Richtertisch der Richter, die Staatsanwältin, die Verteidigerin des Angeklagten und der Angeklagte ein paar Minuten lang die Aufzeichnungen an. Um es vorwegzunehmen: Richter, Staatsanwältin und Verteidigerin waren sich einig, dass man darauf den Angeklagten nicht eindeutig als Dieb identifizieren konnte – das Gesicht des Diebs, so sagte der Richter später, war nicht zu sehen.

Vater sah Sohn schlafend in dessen Zimmer

Auch hatte beim ersten Verhandlungstermin der Vater des Verdächtigen nicht als Zeuge aussagen können. Am Donnerstag sagte er aus, dass er, als er nach der Hochzeitsfeier seines anderen Sohnes so gegen 5 Uhr nach Hause gekommen war, seinen Sohn in der gemeinsamen Wohnung in dessen Zimmer schlafen gesehen habe. „Warum haben Sie gerade in der Nacht geguckt, ob Ihr Sohn da ist“, hakte die Staatsanwältin noch einmal nach. Gegenüber dem Richter hatte der Vater zuvor ausgesagt, dass er seinen Sohn nicht immer kontrolliere. Aber in der Nacht habe er geschaut, wiederholte der Vater, um beruhigt zu sein. Wie sein Sohn überhaupt nach Hause gekommen sei, habe er nicht gewusst.

Dies war aber ausführlich Thema in der ersten Verhandlung gewesen, und am zweiten Verhandlungstag war auch klar, warum: Zwei Cousins und eine Freundin des älteren Cousins des Angeklagten hatten übereinstimmend ausgesagt, dass sie den Angeklagten um kurz vor 4 Uhr zuhause abgeliefert hätten, dieser sei alkoholbedingt sehr angeschlagen gewesen. Ab 4 Uhr hätten sie dann gemeinsam in ihrer eigenen Wohnung in Ahaus im Internetstream einen Boxkampf verfolgt, sagten die Drei aus. Dies war dann, wie auch die Verteidigerin in ihrem Plädoyer ausführte, genau zur Tatzeit, die das Video des Einbruchsdiebstahls angab.

Bevor aber die Plädoyers gehalten wurden, verlas der Richter das Vorstrafenregister, das seit der Jugendzeit des 28j-ährigen Angeklagten immer mal wieder mit verschieden schweren Diebstahlsdelikten angereichert war. Einige Strafen waren zur Bewährung ausgesetzt gewesen, dann war er schließlich auch einige Zeit in Haft gewesen. Sein Bewährungshelfer sprach von einem pflichtgemäß regelmäßigen Kontakt zum Angeklagten, die auferlegten Auflagen wie Sozialstunden seien abgeleistet.

Trotzdem Freispruch für den Angeklagten

Die Plädoyers gingen dann zügig vonstatten: Der Angeklagte sei zur Tatzeit auf der Hochzeit oder auf dem Heimweg gewesen, die 16.600 Euro, die im Keller der Wohnung des Angeklagten gefunden worden waren, stammten laut Aussage eines Zeugen als Leihgeld von ihm. Dazu das Video, das keine Sicherheit für eine Verurteilung biete, so die Staatsanwältin: „Freispruch“. Die Verteidigerin schloss sich an. Der Angeklagte selbst sagte in seinem letzten Wort, dass er es schade und traurig finde, dass man so schnell beschuldigt werden könnte. Dass bei der Durchsuchung sogar das Schlafzimmer seiner Eltern durchsucht worden sei, finde er auch sehr traurig.

Der Richter sprach deutliche Worte: „Es wäre grundsätzlich möglich, dass es sich in dem Video um sie handelt. Sie sind aber nicht zu erkennen.“ Das Video reiche nicht als überzeugender Beweis für eine Verurteilung aus. Auch habe ein Zeuge glaubhaft bestätigt, dass er dem Angeklagten das im Keller aufgefundene Geld geliehen habe. Dazu die Angaben der anderen Zeugen zur Tatzeit: Der Angeklagte wurde freigesprochen, die Kosten trägt die Allgemeinheit.

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