Die Polizei Dortmund hat am Mittwochabend (4.11.) einen Hubschrauber im Dortmunder Westen eingesetzt. © dpa (Symbolfoto)
Vermisstensuche

Vermisstenfall – wann entscheidet die Polizei welche Maßnahme und wer bezahlt sie?

Mehrere Stunden galt ein 13-jähriges Mädchen aus Wüllen als vermisst. Die Polizei fand sie schließlich wohlbehalten. Doch was geschieht bei so einem Einsatz hinter den Kulissen?

Mit einem Polizeihubschrauber und einem Spürhund hat die Polizei in der Nacht zu Mittwoch (13. Januar) nach einem vermissten 13-jährigen Mädchen aus Wüllen gesucht. Die Suche hatte gegen 15.30 Uhr begonnen, gegen 22.30 Uhr wurde auch die Öffentlichkeit eingeschaltet.

Am Mittwochmorgen teilte die Polizei dann die erlösende Nachricht mit: Das Kind wurde nach einem Zeugenhinweis wohlbehalten gefunden. Wir haben Frank Rentmeister, Pressesprecher der Polizei im Kreis Borken, Fragen zur Vermisstensuche gestellt.

Ab wann gilt eine Person als vermisst?

Personen gelten als vermisst, wenn sie ihren gewohnten Lebenskreis verlassen haben, ihr Aufenthalt unbekannt ist und für sie eine Gefahr für Leib oder Leben angenommen werden kann. Diese Entscheidung macht sich die Polizei nicht leicht und prüft jeden Einzelfall genau. Minderjährige, die ihren gewohnten Lebenskreis verlassen haben und deren Aufenthalt unbekannt ist, werden zunächst grundsätzlich als vermisste Person eingestuft.

Wie schnell löst die Polizei eine Suche aus?

Das hängt vom Einzelfall, speziell vom Gefahrengrad ab. Der Begriff „Suche“ greift aber zu kurz: Neben der Suche im engeren Sinne – etwa der Suche aus der Luft, mit Mantrailer-Hunden oder durch den Öffentlichen Nahverkehr – ermittelt die Polizei: Um Hinweise auf Aufenthaltsort, Motiv und Umstände des „Verschwindens“ zu klären. Der Polizei werden sehr unterschiedliche Fälle gemeldet – zum Beispiel Jugendliche, die ihre Wohngruppe verlassen haben, vermisste Kinder auf einer Großveranstaltung oder die vom Spielen nicht nach Hause kommen bis hin zu orientierungslosen Senioren oder auch suizidgefährdeten Personen. Wir fangen so schnell und so intensiv mit unseren Maßnahmen an, wie die Beurteilung der Gefährdungslage es gebietet und die Einsatzmittel es ermöglichen. Gerade Unterstützungskräfte, wie Mantrailer-Hunde, Polizeihubschrauber oder Hundertschaften, brauchen einen gewissen Vorlauf.

Wer entscheidet darüber, dass die Öffentlichkeit eingeschaltet wird?

Der Einsatzleiter. Da es sich um eine gefahrenabwehrende Maßnahme handelt, liegt die Entscheidungshoheit bei der Polizei. Nach Möglichkeit versucht die Polizei aber die Einwilligung der Eltern oder Betreuer herbeizuführen. Auch wägt die Polizei ab, welche Daten erfolgskritisch sind. So kann in manchen Fällen auch eine Beschreibung ohne Namensangabe oder Bild ausreichen.

Wie bewertet die Polizei die Weiterverbreitung der Suchmeldungen in sozialen Medien?

Zusätzlich zu Beamten der Kreispolizei Borken vor Ort und in der Leitstelle, waren die Besatzung des Hubschraubers und Hundeführer im Einsatz. Auch waren Beamte einer landeszentralen Dienststelle mit dem Einsatz betraut, da von dort die Unterstützung durch Kräfte und Einsatzmittel anderer Behörden organisiert wird. Genaue Zahlen veröffentlichen wir grundsätzlich nicht.

Die Weiterverbreitung der polizeilich veröffentlichten Pressemeldung erhöht die Erfolgsaussichten und ist gewollt. Die Polizei veröffentlicht diese Fotos allerdings so, dass sie wieder gelöscht werden können, wenn der Grund der Fahndung entfallen ist. Kritisch sehen wir die private Fahndung in sozialen Netzwerken nach Vermissten. Wir bitten Angehörige, sich an die Polizei zu wenden und dieser die Entscheidung über eine Öffentlichkeitsfahndung zu überlassen. Initiatoren oder Weiterverbreiter einer privaten Fahndung übersehen schnell mögliche negative Folgen, auch wenn sie es gut meinen: Es ist schlicht unmöglich, die Geschichte der Vermisstensuche und personenbezogene Daten oder Fotos aus dem Internetgedächtnis zu löschen. Die betroffene Person kann also womöglich ein Leben lang von der Sache begleitet werden.

Wie viele Polizeibeamte waren in der Nacht im Einsatz?

Wer trägt für so einen Einsatz die Kosten?

Sofern ein solcher Einsatz nicht mutwillig (z.B. durch Vortäuschen einer Vermisstenlage mit der Absicht, den Polizeieinsatz zu provozieren) herbeigeführt wird, wird die Polizei den Einsatz natürlich nicht in Rechnung stellen.

Über den Autor
Redaktion Ahaus
Ursprünglich Münsteraner aber seit 2014 Wahl-Ahauser und hier zuhause. Ist gerne auch mal ungewöhnlich unterwegs und liebt den Blick hinter Kulissen oder normalerweise verschlossene Türen. Scheut keinen Konflikt, lässt sich aber mit guten Argumenten auch von einer anderen Meinung überzeugen.
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Stephan Rape

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