Fernando (25, l.) und Rudi (11) haben am Donnerstagmorgen Averesch in Atem gehalten. Die beiden Wallache sind von ihrer Weide ausgebüxt und haben sich die Umgebung angesehen. Erst zum Frühstück kamen sie wieder. Passiert ist bei der kurzzeitigen Flucht – und da muss Besitzer Josef Benkhoff tief durchatmen – nichts. © Stephan Rape
Flucht von der Weide

Ungleiches Pferdeduo reißt am frühen Morgen aus und hält Averesch in Atem

Rudi und Fernando sind früh am Donnerstag von ihrer Weide in Averesch ausgebrochen und haben in der Umgebung für ziemlichen Wirbel gesorgt. Jetzt bekommt das Duo erst einmal Stallarrest.

Wenn man sich Rudi und Fernando in ihrem Stall in der Wessumer Bauerschaft Averesch so ansieht, glaubt man nicht, dass sie auch nur ein Wässerchen trüben könnten. Rudi, der elfjährige, hünenhafte Friese, und Fernando, das deutlich kleinere und schon 25-jährige Pony. Die beiden Wallache haben am frühen Donnerstagmorgen in und um Averesch für einige Aufregung gesorgt.

Irgendwann gegen 4.30 Uhr muss es den beiden Stallkumpeln auf ihrer Weide wohl zu langweilig geworden sein. Vielleicht schien auch das Gras auf der anderen Seite des Weidezauns grüner oder sie wollten nur einmal die Gegend erkunden. Jedenfalls hatte sich das ungleiche Duo einen Plan in die Pferdeschädel gesetzt und nahm im Morgengrauen Reißaus.

Nachbarn berichten von Flucht und helfen bei der Suche

„Ich habe noch gehört, dass der Hund plötzlich wie verrückt angeschlagen hat, habe mir aber erst nichts dabei gedacht“, sagt Josef Benkhoff. Erst als einige Nachbarn vor der Tür standen, Sturm klingelten und von der Flucht berichteten, sei ihm der Schrecken in die Glieder gefahren. „Um die Uhrzeit geht ja der Berufsverkehr los. Was da alles hätte passieren können“, erklärt er.

Josef Benkhoff (72) hält Pferde, seit er denken kann. Noch nie habe er so einen Stress wie am Donnerstagmorgen gehabt, sagt er am Mittag, kann aber schon wieder Lachen. Von der Wiese im Hintergrund sind die
Josef Benkhoff (72) hält Pferde, seit er denken kann. Noch nie habe er so einen Stress wie am Donnerstagmorgen gehabt, sagt er am Mittag, kann aber schon wieder Lachen. Von der Wiese im Hintergrund sind die „beiden Schweinehunde“ Rudi und Fernando am frühen Morgen ausgerissen. © Stephan Rape © Stephan Rape

Gemeinsam mit den Nachbarn machte er sich auf die Suche nach den Ausbrechern. „Wir sind alle Wege abgelaufen, immer wieder habe ich nach ihnen gerufen. Ohne Erfolg“, sagt Josef Benkhoff.

Bei den Nachbarn war der Erfolg ähnlich mäßig. Zwischendurch seien die beiden Pferde wohl am Schweinesee in Wüllen gesichtet worden. Immerhin schon über einen Kilometer von der heimischen Weide entfernt. Da seien sie auf dem Weg in Richtung Barle gewesen.

In der Zwischenzeit sperrte die Polizei sicherheitshalber die K63 zwischen Ottenstein und Wessum. Auch eine Warnmeldung gab die Kreisleitstelle der Polizei im Kreis Borken an die Autofahrer heraus.

Ausbrecher-Duo kommt pünktlich zum Frühstück zurück

Doch die Fahndung nach den Ausbrechern blieb weiter erfolglos. Josef Benkhoff überlegte zu Hause, wie er nun weiter nach den beiden Tieren suchen solle. Kurz nach 6 Uhr habe er dann plötzlich Hufschlag auf dem Hof gehört.

Da standen die beiden Ausreißer plötzlich wieder auf dem Hof. „Als wäre nichts gewesen“, sagt er. Wo sie zwischendurch überall gewesen seien – und was sie dann plötzlich wieder nach Hause führte, bleibt wohl ihr Geheimnis.

„Vielleicht war es das anstehende Frühstück“, erklärt Josef Benkhoff schmunzelnd. Die Runkeln, die er verfüttert, scheinen dann doch noch mehr gelockt zu haben, als das Gras in der Umgebung.

Seit er denken kann, hält seine Familie auf dem kleinen Hof in Averesch Pferde. „So einen Stress hatte ich aber bisher noch nicht“, fügt der 72-Jährige hinzu. Und den möchte er auch so schnell nicht wieder haben.

Rudi lebt seit sieben Jahren bei ihm, Fernando kam ein Jahr später dazu. „Der sah damals richtig schlecht aus. Ich dachte nicht, dass er überhaupt nochmal richtig auf die Hufe kommt“, erklärt Josef Benkhoff. Inzwischen sei das Pony jedoch wieder fit wie ein Turnschuh.

Wallache bleiben jetzt erst einmal im Stall

Das Ausbrecher-Duo bleibt jetzt jedenfalls erst einmal im Stall. Auf die Weide und den Offenstall werden Rudi und Fernando eine Weile verzichten müssen. Zumindest, bis der komplette Zaun geprüft ist.

„Vorher kommen die auf keinen Fall wieder nach draußen“, sagt Josef Benkhoff. Schließlich hätten sie es jetzt einmal ausprobiert. Wer könne wissen, ob sie das demnächst wieder versuchen würden. Jede noch so kleine Ritze im Zaun werde er jetzt verschließen. Das sei sicher.

Dann ruft er den beiden Wallachen noch ein „Ihr Schweinehunde“ in die Stallgasse hinterher. Da lächelt er aber schon längst wieder über das ganze Gesicht. Er ist froh, dass seine beiden Pferde wieder da sind – und das bei dem morgendlichen Ausflug nichts passiert ist.

Über den Autor
Redaktion Ahaus
Ursprünglich Münsteraner aber seit 2014 Wahl-Ahauser und hier zuhause. Ist gerne auch mal ungewöhnlich unterwegs und liebt den Blick hinter Kulissen oder normalerweise verschlossene Türen. Scheut keinen Konflikt, lässt sich aber mit guten Argumenten auch von einer anderen Meinung überzeugen.
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Stephan Rape

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