Trotz Erfolgsjahr: Volksbank-Mitglieder müssen auf ihre Dividende warten

dzVolksbank Gronau-Ahaus

Es mutet skurril an: Das Geschäftsjahr 2019 der Volksbank Gronau-Ahaus war eines der erfolgreichsten der Unternehmensgeschichte. Die Mitglieder müssen dennoch auf auf ihre Dividende warten.

von Guido Kratzke

Ahaus, Vreden, Heek, Legden

, 17.06.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Eines der erfolgreichsten der Unternehmensgeschichte war das Geschäftsjahr 2019 für die Volksbank Gronau-Ahaus – und dennoch wird aktuell an die Genossen (noch) nicht die eigentlich vorgesehene Summe ausgeschüttet. Der Grund dafür liegt in diesem Jahr und heißt – wie könnte es anders sein – Corona.

Wie jetzt die Volksbank-Vorstände Frank Overkamp und Michael Kersting sowie Franz-Josef Gebker als Generalbevollmächtigter des genossenschaftlichen Geldinstituts in einem Gespräch mit der Redaktion erklärten, habe dies absolut nichts mit der gegenwärtigen finanziellen Lage der Volksbank zu tun.

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„Den Beschluss über die Gewinnverwendung durften wir im Rahmen der Vertreterversammlung nicht fassen“, verwies Frank Overkamp auf die Entscheidung der Europäischen Zentralbank , dass im Zuge der Covid-19-Pandemie alle Kreditinstitute im Euro-Raum vor dem 1. Oktober keine Beschlüsse über die Gewinnausschüttung fassen dürfen. „Deshalb“, so ergänzte Kersting, „bestand für uns keine Möglichkeit, die Dividendenzahlung der Vertreterversammlung zur Abstimmung zu stellen.“

Im Herbst soll über die Ausschüttung der Dividende abgestimmt werden

Die Mitglieder der Volksbank können aber dennoch in absehbarer Zeit mit ihrer Dividende rechnen: Über die Summe von rund einer Million Euro soll im Herbst bei einer zweiten Vertreterversammlung abgestimmt werden.

Profitieren von der positiven Geschäftsentwicklung sollen im Übrigen alle Kunden: Im vergangenen Herbst hat die Volksbank das sogenannte Hausbankmodell eingeführt, bei dem Kunden durch die intensive Nutzung von Beratungs- und Dienstleistungsangeboten Sterne erhalten. Darüber soll eine Rückvergütung erfolgen. Rund 400.000 Euro werden voraussichtlich als Treuebonus rückvergütet.

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Erstmals konnte in der 120-jährigen Geschichte bedingt durch die mit der Corona-Pandemie verbundenen Einschränkungen die Vertreterversammlung nicht in der gewohnten Form durchgeführt werden. Der Gesetzgeber hatte eine Ausnahmeregelung für die Berichterstattung und die Abstimmungen erlassen, die auf schriftlichem Wege erfolgen konnte. Bis zum 5. Juni hatten die gewählten Vertreter die Möglichkeit, ihre Mitbestimmungsrechts so wahrzunehmen – und 90 Prozent von ihnen nutzten das Angebot.

Alle Anträge einstimmig angenommen

Am Montag (15. Juni) haben der Vorstand und der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende Heinz Render die Abstimmungsergebnisse offiziell festgestellt. Dabei wurden alle Anträge einstimmig angenommen.

Verzichtet wurde bei der alternativen Form der Abstimmung auf den Beschluss über die Verwendung des Bilanzgewinns und die Wahlen für den Aufsichtsrat. Diese sollen bei der für den Herbst geplanten Vertreterversammlung nachgeholt werden.

Die Zusammensetzung der Vertreterversammlung wurde bereits am 26. März für die kommenden vier Jahre neu geregelt. Dem Gremium gehören aktuell 341 Personen an. Für jeweils 100 Mitglieder wird aus allen Orten und Ortsteilen des Geschäftsgebietes jeweils ein Vertreter bestimmt. Da bei der Volksbank die Mitgliederzahl eine positive Entwicklung hatte, nahm diese Zahl um 32 zu.

Der Trend zur Mitgliedschaft setzt sich offenbar auch in der Corona-Krise fort: Allein in diesem Jahr sind 837 Kunden neue Anteilseigner ihrer Hausbank geworden.

Kunden stehen digitalen Angeboten offen gegenüber

„Wir haben in den vergangenen Wochen eine deutliche Zunahme beim Electronic Banking feststellen können“, warf Franz-Josef Gebker einen Blick auf eine deutliche Entwicklung bei der Volksbank Gronau-Ahaus.

Dennoch: Auch unter den aktuellen Corona-Regeln standen von den insgesamt 23 mit Personen besetzten Standorten zehn permanent zur Verfügung, die Kapazitäten für die telefonische Beratung wurden angepasst. Mittlerweile sind alle Filialen wieder geöffnet.

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„Anfang des Jahres hatten wir innerhalb der Volksbank das Thema Homeoffice bereits auf der Tagesordnung – dann ging es plötzlich ganz schnell“, blickte Frank Overkamp auf die besonderen Herausforderungen der vergangenen Monaten zurück. Rund 25 Prozent der Mitarbeiter hätten von den Angeboten Gebrauch gemacht.

60 Millionen Euro als Liquiditätshilfen

„Nach der Wirtschafts- und Finanzkrise haben die Betriebe vor Ort ihre Hausaufgaben erledigt.“ Michael Kersting sprach der heimischen Wirtschaft ein großes Lob aus. Sowohl eine Erhöhung der Eigenkapitalquote als auch eine deutlich verbesserte Liquiditätsplanung zeichne demnach eine Vielzahl von Betrieben in der Region aktuell aus.

Wie die Volksbank Gronau-Ahaus mitteilt, wurden allein bei ihrem Institut 60 Millionen Euro als Liquiditätshilfedarlehen bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) beantragt.

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„Der mittelständischen Wirtschaft, die durch den Lockdown mit Umsatzeinbrüchen bis zu 100 Prozent konfrontiert wurde, mit individuellen Lösungen und den staatlichen Überbrückungskrediten zu helfen, ist für uns ebenso selbstverständlich wie die Hilfe für Kunden, die darum bitten, ihre Raten für Baufinanzierungsdarlehen zu reduzieren oder zu stunden“, betonte Frank Overkamp.

Die enge und gute Partnerschaft mit Mitgliedern und Kunden als regional verwurzelte Volksbank beweise sich gerade in Krisenzeiten. Allerdings rechne man mit Auswirkungen bis in das Jahr 2021 hinein.

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