Marlies Kloppenborg und Gregor Herking betreiben das Vivendi seit zwölf Jahren gemeinsam. Sie hoffen, dass sie wenigstens nach Ostern wieder öffnen können. Mit persönlichen Ersparnissen halten sie sich gerade über Wasser. © Stephan Rape
Lokal im Lockdown

Team vom Vivendi hofft auf die Öffnung der Gastronomie zu Ostern

Im Lockdown setzt das Team vom Vivendi auf dringende Renovierung und Umbauten. Doch das Geld wird knapp. Marlies Kloppenburg und Gregor Herking setzen alle Hoffnung auf das Osterfest.

Auch im Vivendi am Domhof stehen im Moment alle Zapfhähne still. Doch im Gegensatz zu anderen Lokalen in Ahaus und Umgebung ruht der Betrieb im Vivendi komplett. Einen Außer-Haus-Verkauf beispielsweise gibt es nicht.

„Wir haben zigmal darüber gesprochen“, sagt Gregor Herking (59). Zusammen mit Marlies Kloppenburg führt er das Vivendi seit zwölf Jahren. Immer wieder hätten sie hin- und hergerechnet. Mit immer dem gleichen Ergebnis: „Der Außer-Haus-Verkauf lohnt sich einfach nicht“, sagt er. Mal ganz abgesehen von der nur zwölf Quadratmeter kleinen Küche, in der es gar nicht möglich sei, das Essen auch zum Abholen zu verpacken. „Wenn ich den Wareneinsatz, Strom und Heizung und den Aufwand gegenrechne, steht das einfach in keinem Verhältnis“, sagt er. Für einen Familienbetrieb sei das vielleicht noch etwas anderes. Im Vivendi kam es jedenfalls nicht infrage.

Umbau- und Renovierung statt Außer-Haus-Verkauf

Die Zeit wollte das Team besser nutzen: Mit umfangreichen Renovierungen und ein paar Umbauten. „Wir machen das alles selbst, das spart eine Menge Geld“, erklärt auch Marlies Kloppenburg (60). Die Theke und das Rückbuffet etwa haben sie selbst verkleidet. Auch Umbauten im Außenbereich haben sie selbst erledigt. Dort haben sie zusätzlich Rollos angebracht, um auch bei kühlen Temperaturen Gästen dort Plätze anzubieten.

Das hatten sie alles noch vor dem jetzigen Lockdown angestoßen. Die Theke etwa sei vorher schon über 20 Jahre alt gewesen. Mit dem Umbau hatten sie sich vor dem aktuellen Lockdown sogar extra beeilt, um möglichst schnell wieder Gäste bewirten zu können. Umsonst.

Auch die Umgestaltung auf der Terrasse war eigentlich für den Betrieb unter Corona-Bedingungen gedacht. „Da hätten wir die Abstände ganz einfach einhalten können“, sagt Gregor Herking. Zusätzliche Trennwände hatten sie ebenfalls angeschafft. Um sie zwischen Tischen aufstellen zu können. Investitionen, die insgesamt mal eben mehrere tausend Euro gekostet haben. „Das mag auf den ersten Blick nach nicht viel klingen“, sagt er. Aber auch das Geld müsse ja erst einmal wieder hereinkommen.

Finanziell wird es langsam ziemlich eng

Insgesamt stünden sie finanziell ziemlich mit dem Rücken zur Wand. „Man lebt von seinem Ersparten“, sagt Marlies Kloppenburg. Teile der eigenen Altersvorsorge seien ebenfalls schon in das Lokal geflossen. Auch die versprochenen Hilfszahlungen würden nur sehr verzögert fließen. „Letzte Woche erst kam die zweite Zahlung der Dezember-Hilfe“, sagt Gregor Herking. Die Ausgaben – etwa für Miete, Versicherung oder Verträge – würden natürlich weiter laufen. Und auch würden ja durch die Hilfen längst nicht alle Fixkosten bezahlt.

Hoffnung auf Öffnung zu Ostern

Wie lange es noch so weitergehen kann, die beiden mögen es nicht abschätzen. „Wir hoffen, dass wir nach Ostern wieder öffnen können. Vorher ist ziemlich unrealistisch“, sagt Marlies Kloppenburg. Aber eine klare Perspektive könne ja im Moment niemand liefern. Das sei mit das Schlimmste: „Wenn man sagen könnte, es bleibt jetzt noch zwei Monate geschlossen, dann geht es los, dann könnte man wenigstens planen“, erklärt Gregor Herking.

Die Probleme türmen sich dabei auch abseits der finanziellen Frage: Kommen die Gäste wieder, wenn das Lokal wieder öffnen darf? Und was ist mit dem Personal? „Wir hatten ein eingespieltes Team von vier Festangestellten und Aushilfen. Insgesamt 17 Leute“, sagt Gregor Herking. Die hätten sich ja zum Teil in der Zwischenzeit andere Jobs gesucht. „Ich weiß nicht, ob die alle wiederkommen“, sagt er. Das sei seine größte Sorge.

Über den Autor
Redaktion Ahaus
Ursprünglich Münsteraner aber seit 2014 Wahl-Ahauser und hier zuhause. Ist gerne auch mal ungewöhnlich unterwegs und liebt den Blick hinter Kulissen oder normalerweise verschlossene Türen. Scheut keinen Konflikt, lässt sich aber mit guten Argumenten auch von einer anderen Meinung überzeugen.
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Stephan Rape

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