Storchennachwuchs an der Haarmühle gedeiht prächtig

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Es gibt wieder Storchennachwuchs an der Haarmühle in Alstätte: Ein Küken ist nun beringt worden. Das Küken hat nun eine individuelle Nummer, mit dem sein Lebensweg erforscht werden kann.

von Bernd Schäfer

Ahaus

, 27.06.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wenn der junge Storch weiter so gut gedeiht wie bisher, steht einem ersten kleinen Rundflug um die Haarmühle in zwei oder drei Wochen nichts im Weg.

Er sei, genau wie die sieben kleinen Artgenossen auf Gronauer Stadtgebiet, wohlgenährt und gesund, hat Thomas Keimel bei seinem Besuch in der Kinderstube festgestellt.

Der Storchenbeauftragte des Nabu hat den Jungtieren gemeinsam mit Michael Jöbges vom Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (Lanuv) gerade Ringe angelegt, um im besten Fall ihr weiteres Leben zu verfolgen: Jeder Ring ist mit einer individuellen Nummer versehen, die beim Institut für Vogelforschung in Wilhelmshaven hinterlegt ist.

Storchenwege bestimmbar

Dort laufen alle Sichtungen von Störchen zusammen – und wenn der Nachwuchs eines Tages irgendwo auf der Welt gesichtet wird, lässt sich bestimmen, dass seine Wiege in Gronau oder Alstätte stand. Woher das Brutpaar an der Haarmühle stammt, lässt sich nicht feststellen, keines der beiden Elterntiere ist beringt. Deshalb kann Thomas Keimel auch nicht sicher sagen, ob es das gleiche Paar ist, dass seit dem Aufstellen des Nistplatzes im Jahr 2017 dort brütet.

Noch etwas erschöpft liegt das Jungtier nach dem Beringen da.

Noch etwas erschöpft liegt das Jungtier nach dem Beringen im Nest. © Nabu


In den ersten beiden Jahren gab es noch keinen Nachwuchs, im vergangenen Jahr waren es zwei Küken, diesmal ist es eines. „Das könnte noch eine Folge der letzten trockenen Sommer sein“, vermutet der Nabu-Experte. Störche würden nämlich immer nur so viele Jungtiere aufziehen, wie es das Nahrungsangebot hergibt.

Und da ist die Speisekarte der am liebsten in Feuchtwiesen nach Fröschen und ähnlichen Tieren suchenden Vögel in heißen und trockenen Jahren kurz. „Sie müssen dann sehr weit fliegen, um an Nahrung zu kommen.“

Grausame Elterntiere

Um wenigstens einen Nachkommen am Leben zu erhalten, sind die Eltern nicht zimperlich: Wenn es zu wenig Futter gibt, werden schwache Jungtiere aus dem Nest gestoßen... Für die Beringung erhielten Keimel und Jöbges Unterstützung vom THW: Christian Langermann brachte die Naturschützer mit der Gelenkarbeitsbühne „LEO“ sicher in die luftigen Höhen der Nester.

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Etwa Mitte Juli werden die jungen Störche ihre ersten Flugversuche unternehmen, schätzt Thomas Keimel. Wenige Wochen später werden sie sich auf den Weg gen Süden machen – lange vor ihren Eltern, die sich nach der anstrengenden Kindererziehung erst noch ein Erholungspäuschen gönnen.

Unterwegs werden sie sich einem anderen Trupp Artgenossen anschließen, der immer größer wird. Am Mittelmeer istwahrscheinlich Endstation für den Winter – den Weg übers Meer nach Afrika nehmen nur noch wenige Störche auf sich, die meisten bleiben in Spanien. Im nächsten Frühjahr werden sie dann zurückkehren – und vielleicht in der Nähe ihrer eigenen Kinderstube eine eigene Familie gründen.

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