Stadt bürgt für Drehscheibe

Ausschuss findet Kompromiss für Hilfsorganisation

Am Ende steht ein Kompromiss: Keinen Zuschuss zu den Mietkosten, sondern eine Bürgschaft für die Kaution der neuen Räume für den Verein "Drehscheibe - Das Spendenlager" hat der Sozialausschuss am Donnerstagabend auf den Weg gebracht. Nach langem Hin und Her.

Ahaus

, 07.10.2016, 17:59 Uhr / Lesedauer: 2 min

Zunächst hatten Verwaltung und ein Großteil der Politiker noch jede finanzielle Unterstützung für die Drehscheibe abgelehnt. Zu groß war ihnen die Überschneidung mit Kleiderstube und Babykorb.

Kleiderspenden an Flüchtlinge verteilt

Zur Erinnerung: Als 2015 immer mehr Flüchtlinge nach Ahaus kamen, trat die Gemeinschaft rund um das Spendenlager zusammen. Sie sammelten und verteilten die Massen an Kleiderspenden an Flüchtlinge. Eine erste Unterkunft fanden sie in den Räumen hinter der Stadtbibliothek. Eine wirkliche Zusammenarbeit mit den bestehenden Organisationen gab es jedoch nicht. Wer daran die Schuld trägt, darüber gehen die Meinungen auseinander.

Kooperation mit anderen Einrichtungen

Weil das Spendenlager demnächst aber die Räume frei machen muss, wurde der Verein Drehscheibe gegründet und ein Raum an der Industriestraße angemietet. Dafür hatte der Verein Zuschüsse zu den Mietkosten beantragt. Denn auch wenn die Zahl der Flüchtlinge geringer wird, wollen sie weiter helfen: mit Kleidung, aber auch mit Integrationsarbeit, Beratung oder Kooperation mit anderen Einrichtungen.

"Die Drehscheibe hat ein eigenes Profil und eine große Chance auf Resonanz", sagte Hartmut Liebermann. Er vertrat die Belange des Vereins im Ausschuss und warb für die Unterstützung. Durch alle Reihen lobten die Politiker zwar das ehrenamtliche Engagement der Drehscheibe-Mitglieder. Eine Mehrheit mochte sich jedoch nicht zu einer Förderung durchringen. Am deutlichsten formulierte es Josef Korthues, beratendes Mitglied im Ausschuss: "Ich kann nicht verstehen, warum man die Drehscheibe braucht. Und ich möchte einen gescheiten Kompromiss." Eines schien klar: Eine Mehrheit war für den Antrag auf Förderung der Mietkosten - bei allem Lob für das Ehrenamt - nicht zu bekommen.

Kleiderstube ohne städtische Zuschüsse

Mathilde Fischer (SPD und Vorsitzende des Sozialdienstes Katholischer Frauen, der die Kleiderstube trägt) verwies auf die über 35-jährige Erfahrung in der Kleiderstube: "Dort arbeiten 130 Ehrenamtliche, die nie Mittel bei der Stadt beantragt haben." Thomas Wittenbrink (CDU) warnte davor, ehrenamtliches Engagement gegeneinander aufzurechnen. "Alle haben wertvolle Dienste geleistet, ein Beschluss über Mittel ist aber noch einmal eine andere Sache", erklärte er.

Simone Erdweg, beratendes Ausschussmitglied, sagte, dass es nicht um astronomische Summen gehe und dass die Gruppe unterstützenswert sei. Allein weil sie nicht in kirchlicher Trägerschaft stehe und so eine andere Klientel ansprechen könne.

Keine Doppelstruktur gewünscht

Bürgermeisterin Karola Voß beklagte, dass sie eigentlich keine Doppelstruktur in der Stadt haben wolle, und auch Mathilde Fischer schob nach, dass sie sich mit der Förderung eher anfreunden könne, wenn sich die Drehscheibe anders als auf Kleiderspenden spezialisieren würde.

So wechselten die Argumente hin und her, ohne dass die Politiker einer Entscheidung wirklich näher kamen. Es folgte eine Sitzungsunterbrechung: 20 (!) Minuten berieten sich Ausschussmitglieder vor der Tür. Dann kamen sie mit einem Kompromiss zurück: Die Stadt könnte für die 2000 Euro Kaution für die neuen Räume eine Bürgschaft übernehmen. Außerdem sollen Gespräche über weitere Hilfestellungen zwischen Stadt und Drehscheibe geführt werden. Ein Kompromiss, dem sich der Ausschuss einstimmig anschließen konnte. Dem muss der Rat noch zustimmen.

 

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