Sprache ist für Phillipe Van Montagu Grundstein der Integration

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Phillipe Van Montagu verhilft Flüchtlingen in Ahaus nicht nur mit Deutschkursen zu einem guten Start. Er kümmert sich auch mit darum, dass die Migranten hier eine Heimat finden.

Ahaus

, 17.11.2020, 04:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Seine Tätigkeit als Integrationslotse beginnt für Philippe Van Montagu (69) 2016 mit Deutschkursen, die der gebürtige Franzose über Handfest, die Freiwilligenagentur Ahaus, leitet.

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„Vorher hatte ich mich bei Carmen Esposito-Stumberger im Haus der Integration der Caritas gemeldet“, erinnert sich Van Montagu, der zu diesem Zeitpunkt noch berufstätig war. Seit drei Jahren ist er im Ruhestand.

Viele Menschen kenngelernt

In den Deutschkursen hat er sehr unterschiedliche Menschen aus ganz verschiedenen Ländern mit ganz unterschiedlichen Voraussetzungen vom Analphabeten bis zum Hochstudierten. Wegen der Corona-Pandemie mussten die Deutschkurse lange Zeit ausfallen.

Mittlerweile engagiert er sich auch im Arbeitskreis Migration und Integration der Stadt Ahaus. Eines Tages wird Van Montagu gefragt, ob er nicht bei der Suche nach Arbeit, einem Ausbildungsplatz oder einer Wohnung helfen könne. Am Anfang dieser Suche steht immer die Bürokratie. „In Deutschland eine Bewerbung zu schreiben, ist eine Wissenschaft für sich. Die deutsche Sprache ist auch dazu der Schlüssel“, stellt Van Montagu heraus. Auf Wunsch der Bewerber geht er auch zu Bewerbungsgesprächen mit.

Schwierige Wohnungssuche

„Wohnungen für die Migranten zu finden, ist auch nicht so einfach“, spricht Van Montagu einen weiteren Bereich an. Schon beim Anruf beim potenziellen Vermieter sagt er, für wen er eine Wohnung sucht. „Nur selten zucken die Vermieter zurück, wenn sie hören, dass ein Flüchtling oder Migrant eine Wohnung sucht.“ Beim Besorgen von Einkommensnachweisen hilft Van Montagu ebenfalls.

„Gestern war ich mit einer jungen Frau aus Guinea beim Arzt zu einem Vorgespräch für eine notwendige Operation. Sie sprach kein Wort Deutsch, aber Französisch“, erzählt Van Montagu. Dafür ist seine eigene Herkunft sehr hilfreich.

Freundschaften entstehen, der Kontakt bleibt erhalten

Viele Freundschaften und persönliche Bindungen sind in diesen Jahren entstanden. Ein Ehepaar aus dem Iran habe über zwei Jahre bei ihm Deutschkurse besucht. „Letztes Jahr sind sie nach Berlin gezogen und verdienen dort ihren eigenen Lebensunterhalt. Wir haben heute noch Kontakt“, nennt er nur ein Beispiel von vielen.

Manches beschäftigt ihn aber auch länger. Dazu zählt die Begegnung mit Alleinstehenden, die mit Traumata hier ankommen. Diese Menschen bräuchten psychologische Betreuung. „Aber die gibt es nicht. Es bewegt mich auch, wenn Menschen abgeschoben werden oder plötzlich abhauen aus Angst vor Abschiebung. Diese Unsicherheit, was morgen ist, ist für sie eine große Belastung“, fasst Van Montagu auch diese Erfahrungen in eindrückliche Worte.

Persönliche Erfahrungen als Migrant

Als Integrationslotse schöpft er aus seinen eigenen persönlichen Erfahrungen als Migrant. Der Liebe wegen kam er vor fast 40 Jahren nach Ahaus. Die deutsche Sprache beherrschte er damals schon, aber vieles war dennoch neu. „Ich bin beruflich viel im Ausland gewesen. Irgendwie bist du immer ein Fremder, der in einem fremden Land unterwegs ist. Dann ist man froh, wenn man Hilfe bekommt. Auch Deutschland war für mich damals ein fremdes Land.“

Und bezogen auf seine vielfältigen Aufgaben als Integrationslotse: „Wenn man sieht, dass es bei einer Person oder einer Familie positiv läuft, gibt mir das auch persönlich Bestätigung und Zufriedenheit. So funktioniert die Gemeinschaft. Ich gebe damit etwas an die Gesellschaft zurück, was ich selbst erfahren habe.“

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