Der technische Aufbau steht, die Kameras sind eingerichtet. Am Freitagmittag arbeitet Yanik Meyer noch hochkonzentriert an den Vorbereitungen für den Live-Steam am Abend. © Stephan Rape
Live-Konzert

Soeckers-Konzert mitten in der Pandemie wird zur Abschlussprüfung

Yanik Meyer (22) macht mitten in der Pandemie seine Abschlussprüfung. Das wäre nichts Besonderes, würde er nicht Veranstaltungstechniker lernen. Denn Konzerte gibt es ja eigentlich nicht.

Dass es im Moment keine Veranstaltungen oder Konzerte gibt, ist klar. Dass es Unternehmen besonders schwer haben, die bei diesen Veranstaltungen normalerweise für Licht und Ton sorgen, auch. Aber was macht eigentlich ein Azubi zum Veranstaltungstechniker, der gerade jetzt in seine Prüfungsphase geht?

Yanik Meyer (22), Auszubildender zum Veranstaltungstechniker, macht am Freitag in der Stadthalle sein Praxisprojekt für die Abschlussprüfung. Die Lernwerkstatt hatte sein Arbeitgeber Jürgen Brüning zusammen mit Sebastian Frankemölle und der Stadt Ahaus entwickelt.
Yanik Meyer (22), Auszubildender zum Veranstaltungstechniker, macht am Freitag in der Stadthalle sein Praxisprojekt für die Abschlussprüfung. Die Lernwerkstatt hatte sein Arbeitgeber Jürgen Brüning zusammen mit Sebastian Frankemölle und der Stadt Ahaus entwickelt. © Stephan Rape © Stephan Rape

„Meine Ausbildung hatte ich mir tatsächlich komplett anders vorgestellt“, sagt Yanik Meyer am Freitagnachmittag lachend. Seit über einem Jahr kann er in seinem eigentlichen Beruf kaum noch arbeiten.

Stream aus der Stadthalle als Teil der Abschlussprüfung

Der 22-Jährige steht da gerade vor der Stadthalle Ahaus. Innen laufen die Vorbereitungen für ein Konzert der Ahauser Band Soeckers. Das Konzert wird am Abend live ins Internet gestreamt. Der gesamte technische Aufbau dahinter ist Yanik Meyers Praxisprojekt für seine Abschlussprüfung. Die Ausbildung macht er beim Ahauser Veranstaltungsunternehmen Audiokonzept.

Rund drei Wochen Vorbereitung stecken in Planung und Aufbau vor, auf und hinter der Bühne. Fünf Kameras, Licht- und Tontechnik, der Regieaufbau, um das Konzert live ins Internet zu streamen. Dazu die ganz normale Technik, die eben ein Konzert auf der großen Bühne benötigt.

Arbeitsalltag hat sich komplett gewandelt

Im Moment ist das natürlich die große Ausnahme. „Konzerte gibt es ja gerade einfach nicht“, sagt er. Sein Arbeitsalltag besteht gerade meist aus vielen Liveübertragungen im Internet, der tontechnischen Begleitung politischer Sitzungen oder vielen Festinstallationen – also dem Aufbau von Ton- und Videotechnik bei Unternehmen.

„Eine Zeit lang haben wir auch für Elektriker in der Umgebung gearbeitet“, sagt Yanik Meyer. Natürlich hofft er, dass das bald vorbei ist, eine Prognose mag aber auch er nicht abgeben.

Ob Livekonzert oder Internet-Stream – die Technik unterscheidet sich kaum. Nur eins fehlt bei der Übertragung via Internet: „Die Reaktion vom Publikum“, sagt Yanik Meyer.
Ob Livekonzert oder Internet-Stream – die Technik unterscheidet sich kaum. Nur eins fehlt bei der Übertragung via Internet: „Die Reaktion vom Publikum“, sagt Yanik Meyer. © Stephan Rape © Stephan Rape

Zurück zum Konzert in der Stadthalle: Sein Projekt für die Abschlussprüfung hätte er auch fiktiv in der Lagerhalle von Audiokonzept aufbauen können. Doch er hat Glück. Der 22-Jährige ist der erste Auszubildende, der auf die Lernwerkstatt in der Stadthalle Ahaus zurückgreifen kann.

Lernwerkstatt soll nach der Pandemie fortbestehen

Zusammen mit der Stadt Ahaus, Sebastian Frankemölle, dem verantwortlichen Meister für Veranstaltungstechnik in der Stadthalle Ahaus, hatte Jürgen Brüning, Geschäftsführer von Audiokonzept, die Idee der Lernwerkstatt angestoßen.

Die soll übrigens auch nach der Pandemie weitergeführt werden. „Ganz einfach, weil wir hier viele Ausbildungsinhalte bündeln können, die in einzelnen Unternehmen so nicht immer angeboten werden können“, erklärt Sebastian Frankemölle, der das Projekt an diesem Tag begleitet.

Letzte Vorbereitungen bevor die Soeckers zum Sound-Check kommen. Yanik Meer an seinem Platz in der Bild-Regie.
Letzte Vorbereitungen bevor die Soeckers zum Sound-Check kommen. Yanik Meer an seinem Platz in der Bild-Regie. © Stephan Rape © Stephan Rape

„Und wenn es schon nur ein Live-Stream ist, dann wenigstens mit einem fetten Aufbau“, sagt Yanik Meyer und muss wieder lachen. Dabei sei es von der Arbeit her gar kein so großer Unterschied, ob ein Konzert vor Live-Publikum gespielt oder per Internet-Stream gesendet wird. „Die Technik und die Abläufe sind dieselben“, sagt er. Eins fehlt natürlich: „Die Reaktion vom Publikum“, sagt er. Auf die freut er sich besonders.

Live-Konzert startet Freitagabend um 20 Uhr

Das ist aber erst einmal noch Zukunftsmusik. Yanik Meyer muss zurück an seinen Regieplatz. Bis das Konzert am Abend beginnt, bleibt noch einiges zu tun. „Lieber etwas früher fertig sein, als nachher in Stress geraten“, sagt er. Dabei wirkt er noch relativ entspannt. Das Projekt muss er selbst dokumentieren. Dieser Bericht wird dann nachher in einer mündlichen Prüfung noch einmal genau unter die Lupe genommen.

In einem Fachgespräch mit mehreren Prüfern muss er erklären, warum er diese oder jene technische Lösung gewählt hat. Wenn alles klappt, hat er die Prüfungen Anfang Juli hinter sich. Wie es für ihn dann weitergeht? „Bei Audiokonzept“, sagt er.

Der Live-Stream des Konzerts startet pünktlich um 20 Uhr. Das Video ist auch danach auf Youtube abrufbar (https://tinyurl.com/SoeckersStadthalleAhaus)

Über den Autor
Redaktion Ahaus
Ursprünglich Münsteraner aber seit 2014 Wahl-Ahauser und hier zuhause. Ist gerne auch mal ungewöhnlich unterwegs und liebt den Blick hinter Kulissen oder normalerweise verschlossene Türen. Scheut keinen Konflikt, lässt sich aber mit guten Argumenten auch von einer anderen Meinung überzeugen.
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Stephan Rape
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