Schwarzfahrt für 5,10 Euro bringt 22-jährigen Ahauser für sieben Monate hinter Gitter

dzAmtsgericht Ahaus

Schon einmal stand der 22-Jährige Ahauser wegen ständigen Schwarzfahrens vor Gericht. Jetzt wurde noch ein Fall gegen ihn verhandelt. Doch das letzte Wort ist noch nicht gesprochen.

Ahaus

, 20.10.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Weil er noch einmal ohne Ticket im Zug erwischt wurde, stand ein 22-jähriger Ahauser am Montag vor dem Amtsgericht Ahaus. Dort ist er kein Unbekannter. Der Streitwert dieses Mal: 5,10 Euro.

Trotzdem muss der Mann demnächst eine mehrmonatige Haftstrafe antreten. Der aktuelle Fall hat seine Strafe um einen ganzen Monat verlängert. Vor dem Ahauser Amtsgericht gab sich der 22-Jährige am Montag betont gelassen und freundlich. Den Vorwurf der Vertreterin der Staatsanwaltschaft gab er unumwunden zu: „Ja, das stimmt“, sagte er selbstbewusst.

16 mal ohne Ticket erwischt

Die Vorgeschichte zum aktuellen Fall: Zwischen dem 19. August und dem 4. November 2018 ist er mit dem Zug gefahren, ohne sich ein Ticket zu lösen. In 16 Fällen wurde er in dieser Zeit von Kontrolleuren erwischt. Mal nach Coesfeld, mal nach Dülmen, mal nach Enschede oder jeweils auf dem Rückweg nach Ahaus. Mal war er unterwegs zu Bekannten, mal zur Arbeit oder zurück.

Deswegen hatte ihn das Amtsgericht bereits zu einer Freiheitsstrafe von acht Monaten verurteilt. In der Berufung vor dem Landgericht Münster wurde diese Strafe auf sechs Monate reduziert.

Aktueller Fall lag bei letzter Verhandlung noch nicht vor

Jetzt die erneute Verhandlung, weil er am 6. Februar noch einmal ohne Ticket im Zug kontrolliert wurde. Dieser Fall lage dem Gericht bei der vergangenen Verhandlung noch nicht vor. Der Ticketpreis jedes Mal: 5,10 Euro.

Der Ahauser hat die Hauptschule, aber bisher keine Ausbildung abgeschlossen. Gearbeitet hat er bei verschiedenen Zeitarbeitsfirmen oder – so wie im Moment – als Aufsicht in Spielhallen. Er wohnt in Ahaus bei seinen Großeltern. Pro Monat hat er rund 1000 Euro zur Verfügung. Geld für eine Fahrkarte will er aber nie gehabt haben.

Im aktuellen Fall habe er eine neue Stelle angetreten, für die Arbeit aber noch keinen Lohn bekommen. Deswegen sei er eben ohne Ticket in den Zug gestiegen. Auf den Gedanken, sich bei Freunden oder Verwandten Geld zu leihen, sei er allerdings nicht gekommen.

Zehn Eintragungen im Strafregister

Das Strafregister des 22-Jährigen weist seit 2014 gleich zehn Eintragungen auf: Wegen Beleidigung, gemeinschaftlichen Diebstahls, Hausfriedensbruchs, Körperverletzung, Betrugs und Urkundenfälschung war der junge Mann zu verschiedenen Jugendstrafen, Arresten und der Ableistung sozialer Arbeit verurteilt worden.

Zumindest Schwarzfahren wolle er in Zukunft aber nicht mehr, beteuerte er vor Gericht. „Meine Großeltern haben mir eine Monatskarte gekauft“, sagte er dem Richter.

Massiv in Erscheinung getreten und eine extreme Rückfallquote

„Sie sind in der Vergangenheit massiv strafrechtlich in Erscheinung getreten“, tadelte der Richter. Auch die extrem hohe Rückfallquote sprach für ihn eine ganz eigene Sprache. Hätte der aktuelle Fall bei der letzten Verhandlung schon vorgelegen, wäre er in einem Rutsch mit abgeurteilt werden können. So musste ein eigenes Verfahren eröffnet werden.

So verlängerte der Richter die Freiheitsstrafe auf sieben Monate.

22-Jähriger will den Fall wieder vor das Landgericht bringen

„Sie kennen sich ja wahrscheinlich schon aus“, erklärte der Richter. Nicken von der Anklagebank. Gegen das Urteil dürfe der 22-Jährige natürlich noch Rechtsmittel einlegen. „Das mach‘ ich auch“, fiel der 22-Jährige ihm wie selbstverständlich ins Wort.

Verhandlung geschlossen.

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