Schüsse auf 43-Jährigen in Gronau: Mordkommission ermittelt, Täter auf der Flucht

dz Opfer vermutlich Anwalt

In Gronau ist am Mittwochmorgen ein 43-jähriger Mann durch einen oder mehrere Schüsse verletzt worden. Eine Mordkommission ermittelt. Die Täter sind auf der Flucht.

von Klaus Wiedau

Gronau

, 06.11.2019, 09:57 Uhr / Lesedauer: 3 min

„Die Hintergründe des Angriffs sind zurzeit noch unbekannt, uns liegen aber Anhaltspunkte dafür vor, dass auf den Gronauer gezielt geschossen wurde“, erklärte Oberstaatsanwalt Martin Botzenhardt am Mittag.

Beim Polizeipräsidium Münster wurde unter der Leitung von Kriminalhauptkommissar Thomas Götze eine Mordkommission eingerichtet.

„Die Fahndungsmaßnahmen laufen auf Hochtouren. Zurzeit werden Zeugen befragt und Spuren gesichert“, erläuterte Götze die weitere polizeiliche Vorgehensweise.

Eine Zeit lang Personenschutz?

Bei dem Opfer soll es sich niederländischen Medienangaben zufolge um einen niederländischen Rechtsanwalt und Insolvenzverwalter handeln.

Der Twentsche Courant Tubantia beruft sich auf glaubwürdige Quellen. Der Anwalt soll demnach eine Zeit lang Personenschutz erhalten haben. Diese Angaben wollte Botzenhardt gegenüber den Westfälischen Nachrichten nicht bestätigen.

Polizei bittet um Hinweise

Die intensiven Fahndungsmaßnahmen der Polizei laufen, eingebunden sind auch die umliegenden deutschen und niederländischen Polizeibehörden. Vom Tatort Losserstraße flüchtig ist ein weißer Kleinwagen mit niederländischen Kennzeichen.

In dem Pkw saßen mehrere Personen, möglicherweise zumindest teilweise südländischer Herkunft. Wer Hinweise zu dem Pkw geben oder sonstige Angaben machen kann, wird gebeten, sich sofort über den Polizeiruf 110 zu melden.

„Es war kurz nach acht, da hat es laut geknallt – und wie“, sagt eine Frau, die unweit des Tatortes wohnt. Ob sie einen oder mehrere Schüsse gehört, hat, kann die 81-Jährige nicht sagen: „Ich hab gedacht, die sind hier auf der Jagd“, fügt sie hinzu. Die Aufregung ist ihr anzumerken, obwohl sie nicht selbst betroffen ist. „Mein Herz!“, sagt sie. Dann geht sie weiter.

Immer wieder Schmerzensschreie

Das Opfer liegt zu diesem Zeitpunkt – es ist 8.25 Uhr – auf einem Grünstreifen an der anderen Straßenseite vor einem Haus. Ein Notarzt und vier Rettungskräfte kümmern sich um den Mann, dessen linkes Bein blutet.

Immer wieder sind Schmerzensschreie zu hören. Direkt daneben stehen mehrere Menschen, sprechen mit Polizeibeamten. Ein Mann hält einen großen Hund an dessen Halsband fest. Das Tier reagiert auf die Schmerzensschreie des Opfers. Später kommen Polizeibeamte mit einer Leine, bringen das Tier weg.

Im Einmündungsbereich Losserstraße/Kurfürstenstraße stehen mehrere Bauarbeiter. Haben sie etwas gesehen? Gesehen nicht, aber gehört. „Mehrere Schüsse“, sagt einer der Männer. Und Schreie von einem Mann haben sie gehört.

„Vier Schüsse“

Ein Kollege erinnert sich genau: „Es waren vier Schüsse.“ Danach hat er einen weißen Wagen in Richtung Innenstadt fahren sehen. Schnell? „Nee, ganz normal.“ Ob eine oder mehrere Personen im Wagen saßen, kann er nicht sagen.

20 Minuten später ist der Tatort an der Losserstraße weiträumig abgesperrt. Zwischen Königstraße und Dr.-Jan-Straße ruht der Verkehr. Mehr als sieben Polizeiwagen sind inzwischen vor Ort, auch ein erstes Team der Gronauer Kriminalpolizei ist eingetroffen, macht sich ein erstes Bild von der Lage. Minuten später wird der eigentliche Tatort mit Flatterband abgesperrt.

Die Bauarbeiter wollen wissen, ob sie ihre Transportfahrten über die Losserstraße wieder aufnehmen können. Ein Polizeibeamter erklärt ihnen, dass sie das mit einem Kollegen an der Absperrung regeln sollen. Denn: Am Tatort wird in den nächsten Stunden das große Rad gedreht, so der Polizei: „Wenn nicht in einem solchen Fall, wann dann?

Sprengstoffspürhund im Einsatz

Am späten Mittwochvormittag muss „Milow“ einen undankbaren Job machen: Der fünf Jahre alte belgische Schäferhund und sein Diensthundeführer von der Polizei Kleve durchkämmen das Dickicht eines Vorgartens an der Losserstraße. Der Auftrag: Die Projektile zu finden, die auf den 43-jährigen Mann abgefeuert worden sind.

Wenn es denn welche zu finden gibt. Denn: Am Tatort macht am Mittwochmorgen unter den Polizisten auch die Version die Runde, dass die Kugel möglicherweise noch im Bein des Opfers steckt.

Nach rund 20 Minuten tauchen „Milow“ und der Hundeführer wieder aus dem Vorgarten auf, in dem die Projektile eingeschlagen sein könnten. Gefunden hat der ausgebildete Sprengstoffspürhund in diesem Fall nichts. An einer Hausecke habe er sich sehr interessiert gezeigt, aber Projektile habe er nicht gefunden, sagt sein Hundeführer.

Arbeit der Kriminaltechniker

Bevor das Gespann den Tatort absuchen darf, machen am Mittwochvormittag dort Kriminaltechniker der Polizei Münster ihre kleinteilige Arbeit.

Über der Stelle, an der das Opfer nach den Schüssen zusammenbrach, steht jetzt ein kleines Zelt.

Ringsum – auf dem Grünstreifen, dem Radweg, dem Gehweg und der Fahrbahn – markieren gelbe Kegel Fundorte von Spuren, darunter auch Patronenhülsen. Alle Funde werden fotografisch dokumentiert und dann in kleinen Behältern gesichert.

Nachdem „Milow“ mit der Suche fertig ist, nehmen sich die Kriminaltechniker das Umfeld des Tatortes mit Detektoren vor. Erst kurz nach Mittag ist die Tatortarbeit, beendet, die Polizei hebt die Absperrung der Straße wieder auf. Die Arbeit der Mordkommission ist damit noch lange nicht zu Ende. Sie steht erst am Anfang.

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