André Schulz wurde nach dem erfolgreichen Schuss im Sommer 2019 von seinen Schützenbrüdern gefeiert. Solche Bilder wird es 2021 weder bei den Bürgerschützen noch bei den Nachbarvereinen in Oldenburg und Ammeln zu sehen geben. © Kip-Pic
Schützenfeste abgesagt

Schon halbes Jahr vor Saisonauftakt: Alle Ahauser Schützenfeste abgesagt

Die drei Ahauser Schützenvereine, bei denen 2021 ein Schützenfest angestanden hätte, haben die Reißleine gezogen. Es sei eine „Zäsur“, da es die erste Absage seit dem Zweiten Weltkrieg ist.

In einem halben Jahr sollte am Pfingstwochenende 2021 die Schützenfest-Saison auf Ahauser Stadtgebiet offiziell eröffnet werden. Den Anfang machen in den ungeraden Jahren traditionell die Bürger und Junggesellen. Doch daraus wird nichts. Schon jetzt hat man genauso wie die Nachbarvereinen aus Oldenburg und Ammeln entschieden, nicht länger zu warten. In einer gemeinsamen Presseerklärung verkündeten sie die Absage der drei Ahauser Schützenfeste, die im Sommer 2021 geplant waren (Dörfer ausgenommen).

Diesen Entschluss habe man zwar unabhängig voneinander gefasst. Um eine gemeinsame Linie zu fahren, traten die Vereine aber nun zeitgleich an die Öffentlichkeit. Nach den Gründen muss man nicht lange suchen. Trotz der in Aussicht gestellten Impfstoffe fordert Corona auch 2021 weiter Einschränkungen. „Wir glauben aktuell nicht daran, dass wir im kommenden Jahr mit mehr als tausend Menschen einen Schützenball feiern können. Der Schutz aller hat Vorrang vor dem Feiern“, sagt Andreas Lackmann, Chef des Protokolls beim Bürger- und Junggesellenschützenverein.

Vereine brauchen Planungssicherheit

Laut Hendrik Schulze Ameling, Vorsitzender der Ammelner Schützen, brauche es zudem eine gewisse Planungssicherheit für die Vereine: „Für das Schützenfest müssten bereits jetzt die ersten Verträge abgeschlossen werden. Allerdings ohne zu Wissen, ob wir überhaupt feiern können oder nicht.“ Rund ein Dreivierteljahr vor dem eigentlichen Fest beginnen normalerweise die Gespräche mit Festwirten, Zeltverleihern und Musikern. Auch um finanziellen Schaden abzuwenden, folgten die Absagen.

Der Vorsitzende der Oldenburger Schützen, Alfred Thiel, sieht anders als für andere Feierlichkeiten keine Möglichkeit, ein Schützenfest unter Hygieneauflagen durchzuführen. „Es handelt sich dabei um kein Konzert, das man mit Abstand und Masken besuchen kann. Bei uns wird getanzt und geschunkelt. Da ist Nähe vorprogrammiert.“ Ihm persönlich blute das Herz, allerdings sei die Entscheidung alternativlos. „Wie sollen wir selektieren, wenn wir nur 500 Leute ins Zelt lassen dürfen? Das ergibt einfach keinen Sinn“, sagt Alfred Thiel.

Andreas Lackmann ergänzt: „Man sollte die Tradition und Historie nicht außer Acht lassen. Die Feierlichkeiten völlig auf den Kopf zu stellen, halte ich nicht für sinnvoll.“ Zumindest bei den Bürger- und Junggesellenschützen denke man aber darüber nach, eine vereinsinterne Ersatzveranstaltung auf die Beine zu stellen. „Natürlich nur, wenn sich die Lage bis dahin einigermaßen entspannt hat und in deutlich kleinerem Rahmen“, so Lackmann.

Absage im Sinne der amtierenden Regenten

Die Absage der drei Schützenfeste sei auch im Sinne der amtierenden Königspaare, die bisher ihre Regentschaft nicht wirklich genießen konnten. „Neben dem eigenen Fest gab es kaum Möglichkeiten, an weiteren Veranstaltungen teilzunehmen, da bereits in diesem Jahr zum Beispiel die Besuche von Schützenfesten befreundeter Vereine oder der Grüne Abend nicht stattgefunden haben“, heißt es in der Pressemitteilung. Trotzdem habe man sich mit der Entscheidung sehr schwer getan. „Die Absage ist für alle Vereine eine Zäsur, da diese Maßnahme seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr erforderlich war.“

Keine Option – auch in diesem Punkt sind sich die Ahauser Schützen einig – ist eine Verschiebung ins Jahr 2022. An dem Zwei-Jahres-Rhythmus soll auf jeden Fall festgehalten werden. Man wolle keine Konkurrenz zu den dann regulär stattfindenden Schützenfesten schaffen. „Sonst schneiden wir uns doch ins eigene Fleisch“, sagt Alfred Thiel.

Über den Autor
1991 in Ahaus geboren, in Münster studiert, seit April 2016 bei Lensing Media. Mag es, Menschen in den Fokus zu rücken, die sonst im Verborgenen agieren.
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Johannes Schmittmann

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