Ein Vater hat seine 13-jährige Tochter geschlagen, doch er gab vor Gericht ihr die Schuld. (Symbolbild) © picture alliance/dpa
Häusliche Gewalt

Richter zu Familienvater: „Das ist so schäbig, dass mir die Worte fehlen“

Ein 53-jähriger Ahauser hat seine Tochter im Streit geschlagen und musste deswegen vor Gericht erscheinen. Auch im Gerichtssaal ging der Mann mit der 13-Jährigen alles andere als gut um.

„Das ist eine üble und unangemessen Behandlung Ihrer Tochter, komplett bodenlos“, sagte der Richter zu dem angeklagten Vater. Damit meinte er den eskalierten Streit, um den es in der Anklage ging, aber auch das Verhalten des 53-Jährigen im Gerichtssaal. Denn während des Prozesses fiel der Mann immer wieder mit unangemessenen Bemerkungen auf.

Von Anfang zeigte sich der Vater von zwei Kindern alles andere als einsichtig. Dabei gab er die Körperverletzung unumwunden zu. „Ja, ich habe meine Tochter geohrfeigt und auch eine Orthese nach ihr geworfen“, sagte er. Die Schuld dafür liege aber nicht bei ihm, sondern bei der 13-Jährigen. Und die Polizisten, die hätten in ihrem Bericht ja ganz viele Dinge weggelassen. „Das ist so bestimmt nicht zulässig.“

Vater rief die Polizei: „Die sollten meine Tochter mitnehmen“

Der Streit ereignete sich im August. Die 13-Jährige hatte nach Angaben der Eltern während des Lockdowns ständig am Smartphone und Tablet gehangen. Das sollte sie sich wieder abgewöhnen. Doch der Teenager wollte das Tablet nicht abgeben. „Sie ist komplett ausgerastet und auf ihre Mutter und ihren Bruder losgegangen. Ich bin nur dazwischen gegangen“, so der 53-jährige Vater.

Er war es dann auch, der die Polizei rief. „Die sollten meine Tochter mitnehmen. Aber die sind ja erst nach einer Stunde gekommen. Wenn die schneller da gewesen wären, wäre das andere alles nicht passiert.“

Denn die 13-Jährige beruhigte sich nicht, sondern trat ihrem Vater gegen das Knie und schlug ihm auf den Nacken. „Dadurch bin ich zum Krüppel geworden und meine Tochter hat das billigend in Kauf genommen“, sagte der 53-Jährige aufgebracht. Schon vorher habe er gesundheitliche Probleme und Schmerzen gehabt, sodass er dauerhaft Schmerzmittel nehmen musste. Nach diesem Schlag seiner Tochter sei sogar eine Operation nötig gewesen.

Die Attacken der 13-Jährigen seien der Grund für die Ohrfeige gewesen. Außerdem hat er seine Orthese nach ihr geworfen. „Das ist ein Gurt mit einem Kästchen so groß wie eine Zigarettenschachtel“, erklärte der Angeklagte. Das medizinische Gerät stabilisiert sein Knie mithilfe von elektrischen Impulsen.

Vater besteht auf die Aussage seiner Tochter vor Gericht

Immer wieder schob der 53-Jährige die Schuld von sich. Seine Tochter habe angefangen. Sie mache ja auch Kampfsport, was die Polizisten wissentlich verschwiegen hätten in ihrem Bericht. Sowieso: Der Bericht sei völlig falsch und unvollständig. „Aber das ändert doch alles nichts daran, dass Sie eine Körperverletzung begangen haben und das ist strafbar“, widersprach der inzwischen leicht genervte Richter.

Trotzdem bot er an, das Verfahren gegen eine Geldauflage einzustellen. „Nein, auf keinen Fall. Das mache ich nicht, ich bezahle gar nichts“, wütete der 53-Jährige. Der Erklärung, dass die Einstellung besser wäre als eine Verurteilung, hörte er schon gar nicht mehr zu.

Stattdessen pochte er darauf, dass die 13-Jährige als Zeugin aussagen soll. „Wollen Sie Ihrer Tochter das wirklich antun?“, fragte der Richter mehrfach. „Ja, ich bestehe darauf.“ Dem Richter blieb somit keine andere Wahl. Sehr schüchtern kam der Teenager in den Gerichtssaal. Mit leiser, fast piepsiger Stimme sagte sie: „Ich bin selber schuld. Das ist alles meine Schuld. Ich möchte nicht, dass mein Vater dafür bestraft wird.“

Vater will Tochter auf Schmerzensgeld verklagen

In seinem letzten Wort schlug der Angeklagte dann endgültig über die Stränge. „Sollte ich verurteilt werden, werde ich meine Tochter auf Schmerzensgeld verklagen“, sagte er und wollte den Antrag direkt stellen. Wütend unterbrach der Richter ihn und wies ihn zurecht. Doch damit nicht genug. Während der Wartezeit auf das Urteil richtete sich der 53-Jährige an seine Tochter: „Wenn ich das bezahlen muss, Kind, dann weißt du, wo du demnächst was zu essen holen kannst.“

„Das ist so schäbig, dass mir dafür die Worte fehlen. Das ist unterste Schublade, sowas habe ich noch nicht gehört“, sagte der Richter daraufhin. Er verurteilte den 53-Jährigen zu einer Geldstrafe in Höhe von 600 Euro. Sichtlich aufgebracht verließ der Mann nach der Verhandlung das Amtsgericht. Seine Tochter folgte ihm.

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Als gebürtige Vredenerin habe ich mich aus Liebe zur Region ganz bewusst für den Job als Lokaljournalistin in meiner Heimat entschieden. Mein Herz schlägt für die Geschichten der Menschen vor Ort. Ich möchte informieren, unterhalten und überraschen.
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